heute fühlen sich musiker höchst geehrt, wenn sie mit claudio abbado, dem sensibelissimus der grossen dirigenten, und seinem >orchester mozart< nicht nur live konzertieren, in italien und beim luzern-festival, sondern auch produzieren können, wie hier die geigen-solistin isabelle faust mit ihrem
hauslabel >harmonia mundi<.
die neue partnerschaft präsentiert als premiere sich auch mit einer noch ungewohnten paarung von
zwei grossen violinkonzerten, den alten wie neuen wiener klassikern von beethoven und alban berg:
keine leichte konzertkost, allemal, sollte man meinen.
dabei klingt beethoven höchst feinsinnig ausgehört und überaus geschmeidig klangschön, auch die solo-kantilene makellos schlank und bewegt-flüssig, kühl, ohne allzu eigenwillige akzentuierung und zeichnung ausgewählter phrasen. die solo-kadenz mit korrespondierender stimme des paukensolos (als moderne bzw. historisch informierte reminiszenz) erklingt auch dezent moderat und balanciert im vorherrschenden (senza sforzati) legato-sound aller beteiligten:
beethoven als klasssisch fein restaurierte fassade ohne risse, brüche und kanten.
dagegen ist alban bergs konzert anfangs der cd doch von andrem kaliber in seiner todernsten, tragisch dunklen klanglichkeit und höchst komplexen tonalen struktur mit all den verweisenden deutungs-motiven (lulu).
und doch werden seine extrem minuziösen spiel-anweisungen höchst differenziert wie subtil gleichwohl ausgehört wie leichterhand harmonisch klingend ausgeführt.
hier offenbaren musikalische sensibilität von solistin und dirigent/orchester wirklich bemerkenswerte
einsichten in die musikalische substanz, die so subtil bisher unerhört waren und gleichsam klangschön wie auch verständlich dargestellt sind. und abbado als klangzauberer in seinem himmel.
also, ein album hoher güte - stilistisch makellos, allenfalls akustisch etwas hallig-resonant, jedoch akzeptabel - bei beethoven m.e. neben aktuellen vergleichen wie kremer, zehetmair, tetzlaff nur eine mögliche wahl,
jedoch eine allererste bei bergs >dem andenken eines engels<.