Kremer, um es vorweg einmal zu sagen, ist sicherlich technisch über jeden Zweifel zu haben, und in der Regel sind auch seine Interpretationen auf musikalisch hohem Niveau. Mal abgesehen davon, dass die Academy meiner Ansicht nach ein wenig zu fett spielt (aber das ist subjektiv - ich bin von Pinnock, Goebel etc. hoffnungslos auf transparenten Originalklang konditioniert), schießt Kremer (der mit sich selbst Duett spielt - zumindest bei der Aufnahme der zweiten Stimme kann er versuchen, mit der ersten zu harmonisieren) meiner Meinung nach ein wenig über Bach hinaus - sein Vibrato passt an manchen Stellen mehr zu Brahms (dessen Violinkonzert er perfekt eingespielt hat) und scheint insgesamt eher als ein Rückschritt hinter die Authentizitäts-Welle (Barock auf Originalinstrumenten). Wie auch immer man zu dieser Welle stand / steht, kann man sie doch nicht einfach vollends ignorieren, selbst wenn sie mitunter über ihr Ziel hinaus geschossen scheint. Somit ziehe ich bei Bach doch die (oft ein wenig kratzigen) Interpretationen der Original-Instrumentalisten vor.