Eine lässige, federnde, elegante Interpretation, die als solche die Violinkonzerte in die Nähe von Vivaldi rückt. Das ist keine ungültige Sichtweise und verdient solide 4 Sterne. Es stimmt zwar schon, dass an einigen Stellen der Violinpart etwas zu leger "heruntegerspielt" wirkt, aber das ist nun wirklich ziemlich nachrangig. In der vorliegenden Balance sind die Violine und das Orchester übrigens angenehm gleichberechtigte Parts, das Orchester also nicht nur Violin-Begleitung, sondern die Violine wie eine (Haupt-)Stimme des Orchesters. Zudem wird Bach hier gottseidank nicht wie sonst fast schon üblich mit steifem Drive und harschem Antiquitäteninstrumente-Klang gespielt, nur um möglichst aktuell/modisch daherkommen zu wollen. Stattdessen funktioniert die hiesige frische Locker-vom-Hocker-Spielweise hier hervorragend. Dass das bei Bach nicht immer funktionieren würde, wie etwa beim musikalischen Opfer, ist klar. Bach hat viele Gesichter, aber dieses hier (sein lebenslustiges) wird schon ganz richtig gezeigt.
Besonders positiv: Die saftige, unterhaltende Interpretation steht dem barocken Zeitgeist (wie z.B. in Architektur, Malerei und Plastik überliefert) vermutlich deutlich näher, als diejenigen, die sich ausdrücklich um Autentizität zu bemühen versuchen.
Wieso nur 4 Punkte dafür, was sich bislang wie eine 5-Sterne-Rezension anhört? Betrübt muss ich feststellen, dass Julia Fischer optisch leider nicht mit ihrer Kollegin Janine Jansen mithalten kann ;) (nein, war nur ein Scherz).
Der Grund liegt wohl eher beim Marriner (dem Julia Fischer hier gleichgesinnt folgt): Der Kontrast zwischen bewegteren und ruhigeren Abschnitten könnte etwas besser sein. Stattdessen scheint es nur eine "Einheitsinterpretation" für alles vom Anfang bis zum Ende zu geben. So gut sie einen zunächst erst mal anspringt, irgendwann kann nonstop-Frohsinn auf Dauer auch mal leicht ermüdend wirken, wenn vom Komponisten wohlweislich vorgesehene Entspannungs-Chancen von Interpreten nicht erkannt, sondern wie im Routine-Fluss übergangen werden.
Das verhindert aber lediglich, dass die Aufnahme in den meinen 5*-Olymp aufsteigt. Davon abgesehen finde ich immer noch sehr gut, gut genug für eine Empfehlung auf jeden Fall.