Die Violinkonzerte von Joseph Haydn gehören im Gegensatz zu den Cellokonzerten nicht zu den häufig im Konzertsaal zu hörenden Werken, stehen sehr im Schatten der Mozart-Konzerte. Das ist sehr schade. Haydns Violinkonzerte stehen zwar stilistisch noch etwas mehr in der barocken Tradition des Virtuosenkonzerts als Mozarts später entstandene Werke, sind aber sehr reich an melodiösen Einfällen, haben Charme und den für Haydn so typischen Humor.
Leider gab es bislang nur wenige Aufnahmen, die diese Qualitäten wirklich zeigen konnten - zu behäbig werden die Werke häufig gespielt. Zudem ist Haydn der klassische Komponist, der am meisten auf eine "sprechende" Artikulation angewiesen ist, um seine Musik leben zu lassen - nicht umsonst steigt die Wertschätzung für Haydn im gleichen Maße an, wie sich die "historisch informierte Aufführungspraxis" etabliert, deren Prinzipien auch diese Aufnahme folgt.
Das Ergebnis ist schlicht optimal: Giuliano Carmignola als Solist und Dirigent des Orchestre des Champs-Élysées entfacht in den Ecksätzen ein echtes Feuerwerk an Ausdruck, Pep und dem nötigen Maß an Virtuosität. In den langsamen Sätze artikuliert er sehr einfühlsam und fein.
Das Orchester steht ihm in nichts nach, spielt lupenrein und doch lebendig, vor allem aber entsteht hier eine große interpretatorische Einheit mit dem Solisten.
So gespielt sollten diese Konzerte doch den Weg zurück auf die Konzertpodien finden.