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Violinkonzerte 1 & 2

Maxim Vengerov , Mstislav Rostropowitsch , Lso , Dmitri Schostakowitsch Audio CD
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
Preis: EUR 6,99 Kostenlose Lieferung ab EUR 20 (Bücher und Blu-ray-Filme immer versandkostenfrei), auch bei allen Verkäufern, die "Versand durch Amazon" nutzen. Details
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Produktinformation

  • Komponist: Dmitri Schostakowitsch
  • Audio CD (24. September 2010)
  • SPARS-Code: DDD
  • Anzahl Disks/Tonträger: 1
  • Label: Warner Classics (Warner)
  • ASIN: B003QTBU8S
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 15.563 in Musik (Siehe Top 100 in Musik)

 
1. Violin Concerto No.1 in A minor Op.77 : I Nocturne - Moderato
2. Violin Concerto No.1 in A minor Op.77 : II Scherzo - Allegro
3. Violin Concerto No.1 in A minor Op.77 : III Passacaglia - Andante
4. Violin Concerto No.1 in A minor Op.77 : IV Burlesque - Allegro con brio
5. Shostakovich : Violin Concerto No.2 in C sharp minor Op.129 : I Moderato
6. Shostakovich : Violin Concerto No.2 in C sharp minor Op.129 : II Adagio
7. Shostakovich : Violin Concerto No.2 in C sharp minor Op.129 : III Adagio - Allegro

Produktbeschreibungen

CD

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5.0 von 5 Sternen Musik voller subtiler Gewalt 24. Oktober 2012
Von Mrs. Peel
Von Amazon bestätigter Kauf
Unter den klassischen Komponisten des 20. Jahrhunderts gibt es kaum eine Biographie, die so polarisiert wie die von Schostakowitsch. Für die einen war er lediglich ein linientreuer Staatsbürger, eine Rolle, die er insbesondere der sowjetischen Propaganda zu verdanken hatte. Andere sahen in ihm dagegen eine Art Dissident, der die Musik als Refugium nutzte, um seinen Protest still und leise in den Noten auszudrücken. Im selben Maße schwankt auch die Sprache seiner Stücke zwischen öffentlicher Rhetorik und dem Schimpfen eines um selbstständiges Denken bemühten Intellektuellen auf die im Scheitern begriffene Welt des Sozialismus. Diesen inneren Zwiespalt, in dem sich Schostakowitsch ein Leben lang befand, kann man sehr schön anhand der beiden Violinkonzerte nachvollziehen. Während das zweite Konzert aufgrund seiner konventionellen Form eher das Resultat eines Komponisten ist, der sich am Ende seiner Tage mit der Kulturpolitik seines Landes offensichtlich arrangiert zu haben scheint, klingt Nr. 1 vielmehr wie der beklemmende Hilfeschrei eines Avantgardisten, der lange Zeit aufgrund seiner nonkonformistischen Ansichten bitterlich verkannt wurde.

Das Violinkonzert Nr. 1 in A-Moll kommt einer düsteren Beschwörung von Schostakowitschs verzweifelter Weltsicht gleich. So ist der erste Satz von einer kalten Atmosphäre geprägt, indem sich das Orchester zu Beginn sehr kraftvoll erhebt und in einen schwerfälligen, unheimlichen Fluss mündet, der in seinem dunklen, machtvollen Gewand eine äußerst subtile, aber jederzeit bedrohliche Gewalt ausstrahlt. Darüber legt die Violine eine wehmütige, weitläufig schwingende Melodie, die voller ängstlicher Bedrücktheit ist, wobei es fast so scheint, als würde die tief ergriffene Solostimme das humane Element im Klangbild darstellen, das sich hilflos in der Finsternis des Totalitarismus verliert. Im Mittelteil des Satzes regt sich dann Widerstand, denn die Lethargie weicht einer dramatischen Zuspitzung, weil die Violine nun ein Konfliktpotential aufbaut und versucht, aus dem eng abgesteckten Terrain der Orchesterbegleitung auszubrechen, ehe sie sich wieder beruhigt und resignierend in die Grundstimmung der Eröffnung zurückfällt. Ein Hauch von Tragik stellt sich ein.

Das schrille Scherzo macht seinem Namen trotz des ihm innewohnenden tänzerischen Rhythmus wenig Ehre, da es in seiner getriebenen Motorik nicht gerade heiter wirkt, sondern stattdessen eine unglaubliche Verbissenheit befördert, die sehr trotzig daherkommt und nach jenem unter Drohungen erzwungenen Jubel klingt, wie man ihn bereits aus der 5. Sinfonie kennt. Im dritten Satz, einer Passacaglia, setzt sich dann das Spiel der Kontraste fort. Die Orchesterpassagen erklingen sehr grimmig, während die Violinstimme mit süßem und sentimentalem Ton das Klangbild aufhellt, sich ganz allmählich in ihrem Temperament steigert, ohne dabei jedoch ihre sanften Züge aufzugeben. Die Solokadenz setzt mit einer Abfolge von Tonwiederholungen nur zögernd und widerwillig an. Im weiteren Verlauf wird sie jedoch immer ungestümer und exzessiver. Auffällig ist, dass dieser Satz einer strengen formalen Stringenz gehorcht, die in ihrer unnachgiebigen Aura die beängstigende Vorstellung einer auferlegten Zwanghaftigkeit nachzeichnet, vor der es scheinbar kein Entrinnen gibt.

Paukenschläge leiten dann ohne Pause in das Finale über, eine freche Burleske, mit der man auch mit viel Phantasie eine betont aufmüpfige Person assoziieren könnte, die sich über die erlittenen Repressalien hinwegsetzt und mit aller Macht ihre von den Autoritäten oktroyierte Stromlinienförmigkeit ablegt, um mit provokativem Impetus ihren Ungehorsam offen und plakativ zur Schau zu stellen. Zumindest schießt mir beim Hören immer dieses Bild eines solchen Aufstands gegen die Obrigkeit durch den Kopf, denn dieser Satz spiegelt unüberhörbar eine tiefe Sehnsucht nach einem Nonkonformismus wider, den sich der Mensch Schostakowitsch aufgrund der politischen Umstände leider nur sehr selten leisten konnte. Insbesondere das Scherzo und die finale Burleske spinnen den Eindruck, dass die Feder beim Komponieren dieses Konzertes von der Hand eines verbitterten Clowns geführt wurde, der zwar lacht, aber hinter seiner Maske traurige Tränen weint und in der Tasche heimlich die Faust ballt, was zu Schostakowitsch ganz gut passt, weil er öffentlich nie das sagte, was er wirklich dachte und seine Kritik stattdessen im Stile eines Chronisten in seinen Werken dokumentierte. Zumal bei diesem Konzert allein schon durch den antagonistischen Aufbau der Motive die Nähe zur 10. Sinfonie, seiner Abrechnung mit Stalin, durchaus gegeben ist.

Dagegen erscheint das Violinkonzert Nr. 2 in cis Moll wie eine altersmilde Revision von Nr.1, ohne dass es jedoch jemals propagandistische Züge annimmt. Es beginnt zwar im ersten Satz durch ein von tiefen Streichern getragenes Thema ähnlich fatalistisch wie Nr. 1, geht dann aber in der piu mosso-Passage in ein gelöstes Musizieren über. Erneut dominiert Schostakowitschs schneidende Motorik, ehe die empathische Solokadenz das Ausgangsmotiv übernimmt. Im pastoralen Adagio intonieren die Streicher des Orchesters größtenteils nur liegende Töne und Akkorde, während die Solovioline (von Holzbläsern flankiert) Schostakowitschs ergraute Träumereien in Form von zahlreichen melodischen Linien fantasiert. Das Finale greift dann die Stimmung aus dem Mittelteil des Kopfsatzes noch einmal auf, wenngleich die verwendeten Motive auf einem eigenständigen Material fußen. Die leidenschaftliche Solokadenz bietet Virtuosen noch einmal die Gelegenheit, ihr ganzes Können abzurufen, ehe das Konzert auf seinen kurzen und prägnanten Schluss zuläuft.

Wer noch keine Aufnahme der beiden Violinkonzerte besitzt, sie aber dennoch gerne einmal hören möchte, sollte zur Interpretation von David Oistrach greifen, für den Schostakowitsch diese Werke auch geschrieben hat. Oistrachs Einspielung ist an virtuoser Eleganz bis heute unerreicht. Vengerov bietet dagegen eine moderne Alternative an, die viel Tiefgang besitzt und immer die Ausgewogenheit zwischen Anmut und Aggressivität wahrt. Sein Spiel mag technisch nicht so ausgereift sein wie das von Oistrach, dennoch bringt Vengerov mit seinem sagenhaften Einfühlungsvermögen, seinem breiten dynamischen Spektrum, den fließenden Übergängen und der kristallklaren Intonation die Stücke prächtig zum Klingen, auch wenn seine temperamentvollen Steigerungen mitunter etwas affektiert wirken.
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