John Adams liebt den ganz dicken Pinselstrich, mit dem er seine Werke erst mal grundiert, um dann mit viel kleinerem Strich leise, feine Zeichen zu setzen, die er dann zum Ende hin wieder übermalt. Melodien werden eher dekonstruiert als wirklich ausgemalt, die Herkunft von der seriellen Musik ist auch unverkennbar - aber halt viel weiter entwickelt als bei Philip Glass. Kein Wunder, dass sich seine Musik so gut für Ballettaufführungen eignet - "Fearful Symmetries" etwa ist ja längst so etwas wie ein moderner Klassiker. Aber auch "pur gehört" funktioniert seine Musik als ganz großes Kino, wenn man sich darauf einlässt. In diesem Fall sind es die - von Adams selbst dirigierten - Shaker Loops, die mein Kopfkino in Gang setzten, obwohl man über die Klasse eines Gideon Kremer ebensowenig wie über die von Kent Nagano (und letztlich auch über die von Adams' Violinkonzert) kaum zu diskutieren braucht: Vor allem die ganz leisen, zarten, unglaublich hohen Streichertöne dieses Meisterwerks der Dynamik und Klangfarbenakzuentierung haben es mir angetan. Doch letztlich wird wohl jeder, der sich für die Entwicklung neuerer Musik interessiert, "seinen" ganz eigenen Adams" entdecken, und wer ihn noch nicht für sich entdeckt hat, dem bietet diese CD einen wirklich guten Einstieg.