Sicherlich ist Daniel Hope ein origineller Kopf, beschreitet neue Pfade als Anwalt (zu Unrecht?) vergessener Urfassungen, provoziert mit gezielt gegen den Strich gebürsteten Interpretationen, nimmt das DG-newcomergeile Publikum ein durch höchst individuelle Tongebung, die aus nur zwei Komponenten bestehen zu scheint: säuselnd ohne Kern oder brachial laut und kratzig. ("Le violon, c'est l'archet.") Die Konzert-Exposition ist eine einzige Vibrato- und Rubato-Orgie, die so gar nicht zu Hengelbrocks Orchester-Konzept passen will. Auch die Intonation ist die beste nicht: Permanent zu hoch zu spielen sichert bei perfekt fokussiertem Ton Brillianz,kann jedoch auf Dauer sich wie ein lähmender Schleier über des Hörers Ohr legen.
Produktiv,originell,spritzig,provozierend,aufregend. Diese Attribute können andere Geiger der Vergangenheit und Gegenwart ebenso in Anspruch nehmen. Ich erinnere nur an den Querdenker und -spieler Ivry Gitlis, der in den 50er- und 60er Jahren nicht nur musikalisch sondern auch technisch einiges mehr zu bieten hatte als Herr Hope.
Brauchen wir wirklich die hundertste Aufnahme des Mendelssohn-Konzerts, nur weil Hope die Urfassung spielt? Vergammeln darum die Aufnahmen von Heifetz,Milstein,Oistrach,Ida Haendel,Grumiaux,Ferras,Perlman u.v.a und -aktuell- Hilary Hahn,F.-P. Zimmermann im CD-Grab?
Der aufmerksame Hörer möge sich selbst abseits der Lobpreisungen der Phono-Industrie ein eigenes Urteil bilden.Diese CD werde ich jedenfalls meiner Schwiegermutter zum Geburtstag schenken.