Mit "Die Violinen von Saint-Jacques" hat der 1915 in London geborene Autor, der, nachdem er von diversen Schulen geflogen war, zu Fuß nach Konstantinopel wanderte, im Zweiten Weltkrieg als britischer Agent im griechischen Untergrund weilte und 2004 in den Adelsstand erhoben wurde, eine wunderschöne Familiensaga erschaffen, die uns in die zauberhafte und entlegene Welt der Karibik, der französischen Antillen, entführt, die Fermor nach dem Kriege bereiste. Mit wunderschönen Worten und Beschreibungen bringt er uns diese fantastische Welt zwischen den schwarzen Kreolen fernab der europäischen Fauna und Flora mit all seinen vogelfreien, exotischen Geflogenheiten - Federkiele, afrikanische Trommeln, Siegelringe, dicke Zigarren, Gongs, Weihrauchgefäße, Wasserpfeifen, Opium, Teakholz - nahe, lässt uns aufgrund seiner bildhaften Sprache teilhaben an dem kolonialen Leben, am bunten Karneval. Schlussendlich wendet sich die Erzählung weg von der Familie hin zu einem unglaublichen Naturereignis, das ich hier nicht vorweg nehmen möchte und endet hoch philosophisch (S. 182 ff).
Ich muss zugeben, dass ich nach den ersten drei Seiten den Roman fast zur Seite gelegt hätte, da mir die Sprache doch allzu alt und schwerfällig vorkam, ich mich ein wenig an Defoes "Robinson Crusoe" erinnert fühlte. Glücklicherweise las ich weiter und entdeckte den sehr kurzweiligen, unterhaltsamen und zum Träumen einladenden Schreibstil Fermors!