Harnoncourt und seine Solisten spielen auf höchsten Niveau, das darf man erwarten - aber, wie Gidon Kremer das Violinkonzert angeht ist singulär. Dieses als "langweilig" verschrieene Werk: die Tempoangaben von Schumann werden meistens nicht ernst genommen - es muss halt schneller sein, "sonst ist es doch langweilig!". Selbst die ältere Einspielung von Kremer mit Ricardo Muti wagt bei weitem nicht, was in dieser Aufnahme geboten wird. Hier ist ein absolut unterschätztes Konzert zu entdecken. Die Spielfreude der Solisten und Orchester machen diese Aufnahme zu meinem Klassiker. Nicht zuletzt natürlich auch wegen Martha Argerich: Man kennt Martha Argerich als Ausnahmepianistin. Auch hier beweißt Sie es erneut, sie spielt dieses oft gehörte Repertoirestück nicht auf Sicherheit wie viele ihrer Kollegen, die einzig einem Schönklang frönen, Argerichs Spiel steht immer auf des Messers Schneide, sie riskiert jeden Moment abzustürzen, sie wagt wie immer viel, und beweißt in dieser Aufnahme, das die Romatik Schumanns nicht nett, artig und nur schön ist. Es ist eine aufregende Reise mit Abgründen. Die Tief der Interpretationen von Argerich/Kremer/Harnoncourt machen diese Aufnahme zu einem "muß" in jeder CD-Sammlung.