Endlich! Endlich ist die vergriffene Gesamtaufnahme (1980) von "Violanta" von Erich Wolfgang Korngold wieder neu aufgelegt worden.
Der Einakter ist der unfassbare Geniestreich eines 18-jährigen Komponisten, der in seiner Komplexität den ignoranten Spruch (der übrigens auch in der Produktinformation angeführt wird) widerlegt, Korngold sei eine Synthese aus Strauss und Puccini. "Violanta" widerlegt diesen Unsinn spielend: Korngold war schon in seinen frühen Werken ein originärer Komponist. Er entwickelte eine Musiksprache, deren Idiom er in allen Sparten sein ganzes Leben lang treu blieb. Brillante Orchestrierung und Instrumentation, Sinn für Operndramatik, überschwängliches Melos und innovativer Tonsatz: alles ist bereits in "Violanta" in einem Übermaß vorhanden, das einem den Atem raubt. In den 73 Minuten des Operneinakters wird eine musikalische Intensität und Überhitztheit erreicht, die im Musiktheater selten ist.
Dennoch ist die vorliegende Aufnahme die erste und bisher auch einzige dieser Oper. Sie ist 1980 unter der Supervision von Korngolds Sohn Georg(e) entstanden und überzeugt auch heute noch in ihrer musikalischen Qualität. Eva Marton, damals auf dem Höhepunkt ihrer stimmlichen Möglichkeiten, ist mit ihren metallischen Spitzentönen eine intensive Titelheldin, leider aber fast völlig textunverständlich. In der schwierigen und exponierten Rolle des Liebhabers Alfonso überzeugt Siegfried Jerusalem. Er ist ebenso wortdeutlich wie das übrige Personal, darunter Walter Berry, Horst Laubenthal und Ruth Hesse. Marek Janowski ist ein sensibler Organisator der Korngold'schen Klangräusche, vielleicht klingen die Ekstasen etwas zu brav, immerhin bleiben aber dabei die Sänger(innen) durchwegs hörbar.
Ansonsten ist das Booklet wie gewohnt spartanisch. Es gibt immerhin eine brauchbare, nicht allzu kurze Inhaltsangabe in drei Sprachen, das war's dann schon wieder. Ein Libretto dabei scheint nicht mehr üblich zu sein.
Wieder einmal beklage ich an dieser Stelle, dass gerade bei unbekannteren Werken auch von Seiten der Labels nicht mehr an Information geboten wird. An den Kosten kann das doch nicht liegen! Ich bin mir sicher, dass Interessenten (und, bitte, wer kauft "Violanta", wenn er nicht interessiert ist?) auch einen Euro mehr zahlen, wenn ein ansprechendes und informatives Booklet gestaltet würde.
Fazit: eine überzeugende Aufnahme eines Werks, das es wert wäre, der Vergessenheit entrissen zu werden. Vielleicht trauen sich jetzt im 21.Jahrhundert ein paar Künstler über eine Neuinterpretation...? Der 100. Geburtstag der "Violanta" (1915) wäre ein schöner Anlass.