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Ohne jede Angst vor epischer Breite gehen Leaves' Eyes bei ihrem Zweitling zu Werke, dazu gesellen sich wieder die Einflüsse nordischer Folklore, sehr ausgeprägt beim Song "Amhrán" oder beim letzten Stück "Ankomst", das fast an Loreena McKennit erinnert. Sonst reichen sich Gothic-Metal und Hollywood-Fantasy-Filmsoundtracks die Hände, um Livs kraftvoller, aber nicht übertrieben opernhafter Stimme den gebührenden Untergrund zu liefern. Mit der Single "Elegy" und dem nach der Band benannten "Leaves' Eyes" sind wenigstens zwei potentielle Radio-Hits gelungen, aber auch die Melodie des Powerballadenwinterlieds "Misseri" hat eine enorme Klebekraft. Nicht selten kann man Liv's Vorbild Kate Bush durchscheinen hören, besonders beim Intro von "The Thorn".
Bei der Produktion wurde an akustischen Instrumenten im Streicher- und Folk-Bereich nicht gespart, was der Platte eine zusätzlich Tiefe verleiht und die Gitarrenfraktion manchmal in den Hintergrund verbannt. Insgesamt also allerfeinstes Futter für die Freunde des Genres, und eine echte Messlatte für die Konkurrenz.
--Deborah Denzer
Wer LEAVES' EYES wie ich schon seit dem genialen Debüt-Album Lovelorn verfolgt, findet in "Vinland Saga" nicht nur einen würdigen Nachfolger, nein, vielmehr ist dieses Album die konsequente Weiterentwicklung, sowohl klanglich als auch bei den Arrangements.
Nach dem neugierig machenden Intro zeigen LEAVES' EYES mit "Farewell Proud Men" gleich mal, wo der Hammer hängt! Ein Powersong par excellence! Für mich gleich ein erster Anspieltipp des Albums, wobei mir dies hierbei schwer fällt, denn eigentlich sind alle Tracks absolute Anspieltipps!
"Elegy" setzt als nächster Song gleich noch einen drauf: Das Gitarrenriff ist dermaßen eingängig, dass es dem Hörer schwer fallen dürfte, es jemals wieder aus den Gehörgängen verbannen zu können! Und der Gesang schmiegt sich wundervoll in den sanften Klangteppich der Streicher ein, die erstmals komplett live eingespielt wurden! ProSieben-Zuschauer durften "Elegy" schon im Trailer zur US-Erolgsserie "Numb3rs" genießen.
In "Solemn Sea" werden die Stürme des Meers durch allerlei instrumentale Raffinessen zum Ausdruck gebracht und LIV KRISTINE zeigt ein weiteres Mal, dass sie nicht nur sanfte Klänge mag, sondern auch mal richtig zur Sache gehen kann.
Die nach dem Bandnamen betitelte Ballade "Leaves' Eyes" lädt auf ruhige Weise zum Träumen ein, der Refrain ist einfach zum Dahinschmelzen...
Wer bei "Leaves' Eyes" leicht ins Schwelgen gekommen sein sollte, wird mit "The Thorn" sicherlich wieder erwachen, denn hier setzen ein weiteres Mal Alexander Krulls (Ehemann von Liv) Growls ein. Die Beiden sind also nicht nur privat ein Super-Paar, sondern auch musikalisch unschlagbar!
Bei "Misseri" kommt das orchestrale Streicher-Arrangement wieder voll zur Geltung. Auch textlich zeigen LEAVES' EYES wie bei allen Tracks, dass sie keineswegs oberflächlich sind, sondern es verstehen, das Konzept der Entdeckung Amerikas durch die Wikinger optimal umzusetzen.
"Amhrán" ist ein schlicht gehaltenes Interlude, das einen Gegenpol zum Bombast-Rock der eher härteren Tracks bildet und dem Hörer die Möglichkeit gibt zur Ruhe zu kommen.
Bei "New Found Land" kommt Livs Ehemann Alexander wieder zum Einsatz. Das Feeling einer Ozean-Überquerung ist zum Greifen nahe! Liv singt vom neu gefundenen Land und was die Männer dort wohl erwarten wird...
"Mourning Tree" ist unter den Anspieltipps noch gesondert hervorzuheben. Ich habe schon lange keinen Song mehr gehört, der mich emotional mehr berührt hat, einfach phänomenal! Das Spektrum der Instrumente wird hier noch um eine Flöte erweitert.
"Twilight Sun" ist wieder ein Song der etwas härteren Gangart. LEAVES' EYES mischen derart gekonnt ruhige und rockige Elemente, dass man meinen könnte, die Band spiele schon seit Jahrzenten zusammen, obwohl sie tatsächlich erst 2004 gegründet wurde. Neben "Elegy" war dies meiner Meinung nach ein weiterer Single-Kandidat.
In "Ankomst" schließt sich der Kreis: Die Wikinger haben Amerika schließlich entdeckt. Der Song entwickelt sich von Teil zu Teil immer weiter, immer sind neue Dinge herauszuhören.
"Vinland Saga" ist bei mir auch nach unzahligem Durchhören immer noch meine Lieblingsplatte! Jedes Mal entdeckt man neue Elemente und kompositorische Raffinessen. Sowohl Gothic-Fans, als auch Metal-Hörer kommen hier auf ihre Kosten.
Der Silberling fängt mit dem Titelstück, der Wikinger-Ballade „Vinland Saga" noch sehr ruhig an, bevor dann aber bei den anschließenden Songs richtig die Post abgeht. Bei "Farewell proud men", „Elegy" und „Solemn Sea" wird das Tempo kräftig angezogen und donnernde Double-Bass-Gewitter sind keine Seltenheit. Insgesamt wechseln sich schöne, teils folkloristische Balladen (ein Vergleich mit Loreena McKennith ist hier gar nicht mal so abwegig) mit den schnellen Up-Tempo-Nummern geschickt ab. Absolutes Highlight ist, meiner Meinung nach, der brachiale und absolut Hit-verdächtige Wikinger-Stampfer „New found land". Was aber für jeden Song spricht, sind die eingängigen und zum Teil wunderschönen Melodie-Bögen. Die 14 Songs, der Limited Edition (im Digipack stecken zusätzlich 2 Bonustracks, das Video zur Single „Elegy" und ein Interview mit Sängerin Liv Kristine), strotzen nur so vor Abwechslung, Ideenreichtum und geschickten Tempo- und Taktwechseln. Auch die folkloristischen Instrumente, die in einigen Songs zum Einsatz kommen, wissen zu gefallen. Hier passt einfach alles!
Gesanglich befindet sich Sängerin Liv Kristine Espanaes-Kull auf dem Zenit ihres Könnens. Schon zu Theatre of Tragedy Zeiten verzauberte die Finnin ihre Fans mit ihrer lieblichen Engelsstimme, die sie im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt hat. Liv Kristine ist definitiv eine Ausnahme-Sängerin und das stellt sie mit ihrem abwechslungsreichen Gesang, auf „Vinland Saga", zu jeder Zeit unter beweis. Unterstützt wird sie, in einigen Songs, von Sänger, Produzent (u.a. Atrocity, Elis) und Ehemann Alexander Kull. Seine Growls sind dabei allerdings nicht mehr so unpassend und nervig, wie noch auf dem Debüt-Album „Lovelorn". Mich würde es aber auch freuen, wenn er sich gesanglich, auf einem evtl. dritten Album mal ganz zurück hält (oder zumindest mal ruhigere Töne anschlägt, wie bei Atrocity's genialen Coverversionen von „Shout" und „Send me an angel") und sich nur auf das Produzieren beschränkt.
Lange Rede, kurzer Sinn: „Vinland Saga" ist ein absolutes Muss für jeden Gothic Fan. Wer sich mit Bands wie Nightwish, Within Temptation, Theatre of Tragedy, Elis oder Xandria anfreunden kann, sollte der Wikinger-Sage auch eine Chance geben. Meiner Meinung nach gehört „Vinland Saga" zu den besten, kommerziell angehauchten, Gothic-Alben der letzten Jahre und deshalb gibt's von mir auch die wohlverdiente Höchstwertung: 5 Sterne!
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