O.k., o.k., ich kaufe ihn ja auch jährlich (seit 1998), man muss ihn einfach haben.
Aber dennoch: So lesenswert (und vergnüglich zu lesen) der 'gambero' wegen seiner Beiträge zu Winzern und Weingütern auch ist, gibt es zwei Kritikpunkte:
Zum ersten erfolgen keine Angaben zur Menge, in der ein bestimmter Wein produziert wird. Das ist misslich, wenn man im Land einem bestimmten hochgelobten Drei-Gläser-Tropfen hinterrennt, ohne zu wissen, dass er vielleicht schon vor 6 - 9 Monaten in Verkauf gegangen ist und dass von ihm allenfalls 5.000 Flaschen abgefüllt wurden. Dann bekommt man ihn allenfalls in sehr guten Restaurants - wenn man Glück hat. Ganz generell wären Angaben zur produzierten Menge hilfreich, weil man dann schneller erkennen könnte, welches Weingut wirklich groß ist und deshalb z.B. die erhoffte Auswahl auch anbieten kann.
Der zweite Kritikpunkt ist die Bewertung an sich. Ich will mich hier nicht generell gegen den 'gambero' stellen (wie es z.B. Alois Lageder aus Südtirol seit Jahren tut, weshalb er im gambero auch nicht mehr erwähnt wird). Aber dennoch: Der Unterscheid zwischen einem und zwei bzw. zwischen zwei und drei Gläsern ist - allein auf das Bewertungssystem abgestellt - enorm. In der Praxis habe ich das ofmals aber nicht bestätigt gesehen. Natürlich gibt es Drei-Gläser-Tropfen, vor denen man sich schlicht nur noch niederknien kann. Aber bei anderen Dreigläserweinen ist das eben nicht der Fall (z.T. auch innerhalb der Weine eines Weinguts), und beides hält sich - so meine subjektive Erfahrung - in etwa die Waage.
Vorsicht sollte man auch bei der Bewertung der Weißweine walten lassen. Der 'gambero' verteilt seine Bewertungen nicht absolut, d.h. lagenübergreifend, sondern spezifisch auf das Anbaugebiet und auf den Wein bezogen. Im Ergebnis kann dies etwa bedeuteen, dass ein Weißwein aus eine mittelitalienischen Anbauzone besser wegkommt als ein Südtiroler oder ein Vino di Friuli, obwohl letztere objektiv betrachtet einfach besser sind (Italien ist m.E. jedenfalls südlich vom Gardasee eindeutig ein Rotweinland).
Wer eine perfekte Einkaufshilfe sucht, muss diese Besonderheiten einfach kennen. Dann - aber auch nur dann - ist der 'gambero' m.E. nicht nur Lesevergnügen, sondern auch echte Entscheidungshilfe. In jedem Fall macht es Sinn, ihn um ein weiteres Werk zu ergänzen. Ideal m.E. z.B. der 'Veronelli', der ebenfalls jährlich erscheint.