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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein einzigartiges Vergnügen,
Rezension bezieht sich auf: Vineland. Roman (Gebundene Ausgabe)
Vineland behandelt die Zeit vom Ende der Wilden Sechziger bis hin zur Reagan-Ära in den Achtzigern. Es geht um den Verrat von Idealen, den Verlust von Bürgerrechten (wegen des Kampfes gegen Drogen) und darum, was aus den Mitgliedern der Widerstandsbewegung geworden ist. Es geht um die Lage der Nation, die im wahrsten Sinne in die Röhre schaut, so dass es schon Suchtkliniken mit mobilen Einsatzkommandos für TV-Junkies gibt. Daraus hätte man ein düsteres, deprimierendes oder schlimmstenfalls langweiliges Buch machen können. Pynchon hat ein (bei aller berechtigten Bitterkeit) saukomisches Buch daraus gemacht.Es ist die Sprache, der Humor, der Tonfall, die absurden Ideen. Pynchon schreibt keine seziererischen Charakterstudien in leisen Tönen, sondern schlägt die ganz große Pauke und ich bin ein erklärter Fan dieses Instruments. Vineland gilt allgemein als Thomas Pynchons zugänglichstes Buch, weil es eine nachverfolgbare Handlung besitzt, über ein einigermaßen übersichtliches Personal verfügt und (nach seinen Maßstäben) sehr konventionell geschrieben ist. Das mag alles stimmen, aber dennoch ist es kein Buch für Zwischendurch, sondern eine lohnenswerte Lektüre, die den Einsatz des Lesers fordert. Pynchons Texte werden ihm nicht auf einem silbernen Tablett gereicht, damit er sie entspannt genießen kann. Es ist mehr so, als kämpfte man mit einem hungrigen Tier um jeden Bissen und alles, was man für sich erobern kann, zählt unendlich viel. Das muss einem nicht gefallen und vielen gefällt es auch nicht. Mehr als bei allen anderen Autoren, die ich kenne, ist Pynchon Geschmacksache. Meinen Geschmack trifft er wie kein anderer. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
70 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Es hilft alles nichts...,
Von
Rezension bezieht sich auf: Vineland (Taschenbuch)
"Macht es etwa Spaß, Pynchon zu lesen?", ist eine Frage die mir einmal gestellt wurde. Ich konnte sie nicht bejahen. Denn seine Romane lassen oft zu viele gut bewährte Dinge vermissen, die gute Belletristik sehr häufig ausmachen: Dramaturgie etwa, eine spannende, mitreißende Handlungsführung, darf man (zumindest im eigentlichen Sine) nicht erwarten. Auch Figuren mit Tiefe, an deren Schicksal der Leser teilhaben kann, sind eine Mangelware in Pynchons Werk. Meistens beobachtet man Schablonen von Figuren, die hin und wieder auch klar als solche ausgewiesen sind, etwa durch ihre sprechenden Namen, wie Stencil in "V." Pynchons Romane wandern beunruhigend an der Grenze zwischen Realität und kompletter Fantasterei der unüblichen Art. Die Welt die wir hier präsentiert bekommen, ist nicht unsere und der Autor stößt uns manchmal wie mit einem Fußtritt in diese Erkenntnis. (Etwa wenn ein Kugelblitz in "Gegen den Tag" plötzlich im allerwelts-Unterhaltungston anfängt, mit einem Wissenschaftler zu plaudern: "Ich heiße Skip, und du?").Als Leser von Belletristik will man unterhalten werden und dies kann auf vielerlei Weise geschehen. Dramaturgie und interessante Charaktere, in die man sich einfühlen kann, sind eine Möglichkeit. Aber auch durch bloße intellektuelle Herausforderung kann ein Leser Spaß aus der Lektüre ziehen. Bei Pynchon geht es über letzteres meistens noch etwas hinaus, nicht weil er in einem besonderen Maße anspruchsvoll ist, sondern weil er massiv den Leser aus seiner passiven Rolle des Konsumierens herausdrängen will zu einer aktiven Auseinandersetzung mit seinen Texten (und Literatur im Allgemeinen). Ich glaube jedenfalls das Pynchon an den Zahlreichen Fanseiten, Pynchon-Lesehilfen, Pynchon-Wikis etc. viel Freude hat. Auch durch seine mediale Abstinenz fordert er dazu heraus, sich verstärkt mit literarischen Themen insgesamt, wie etwa der Autorschaft, zu beschäftigen. Auch "Vineland" ist in diesem Sinne eine Herausforderung an den Leser, und obwohl man beinahe so etwas wie einen Haupthandlungsstrang (mit dutzendweise Sub-Plots) hat, wird man, wie in jedem anderen seiner Romane, mit einem Puzzle konfrontiert, dass gewohnheitsmäßig eine Auflösung haben sollte, aber ähnlich wie bei "Citizen Kane" und der Suche nach "Rosebud", kann man gar nicht am Ziel ankommen. Aus diversen Gründen. Wie Pynchon die Handlungsfäden von "Vineland" gegen Ende immer weiter zuspitzt, und was dann, ganz zum Schluss passiert, das ist wieder einer dieser Fußtritte eines großen Könners. Ich kann es wirklich niemandem verdenken, wenn er darüber, wie auch über viele andere Dinge in diesem Roman enttäuscht wäre. "Vineland" ist im Vergleich zu Pynchons übrigen Romanen vielleicht tatsächlich insofern der "optimale Einstieg", da der Roman (mit einiger Aufmerksamkeit gelesen) wirklich überschaubar ist, allein schon wegen der Seitenzahl (~480). Wenn man nach dem Lesen festgestellt hat, das man eigentlich nicht schlauer ist als vorher, aber an dem höchst individuellem Humor, der einzigartigen Handlungsführung und den obskuren Einfällen, so etwas wie Freude (oder freudige Verwunderung) gefunden hat, dann ist das schon sehr viel und man sollte seine Nase in "V." halten oder "Spätzünder" und hat dann vielleicht Lust auf mehr. Insbesondere der extrem eigenwillige Humor scheint mir einer der Hauptgründe dafür zu sein, dass Pynchon vielen nicht gefällt. Wie ein Rezensent der Süddeutschen treffend zu "Gegen den Tag" anmerkte, erscheint Pynchon häufig als eine Art gut gelaunter Märchenonkel der immer noch Einen draufsetzen will und dafür unglaublich gern Irritation des Lesers mit in Kauf nimmt. Wahrscheinlich gibt sehr viel mehr gute Gründe, Pynchon nicht zu mögen, als umgekehrt. Humor ist da natürlich so eine Sache, aber Plattitüden und Banales lassen sich in seinen Romanen auch en masse finden. Und er hat fühlbaren Spaß daran seine von enzyklopädischem Wissen strotzenden Romane damit anzureichern. Häufig fühlt man sich betrogen. Man glaubt ein Puzzle lösen zu müssen und selbst bei größter Mühsal kommt am Ende vielleicht nicht mehr als eine Zahl wie 49 raus. Leser mit sadomasochistischen Zügen werden bevorzugt. Dennoch ist dieser Autor und insbesondere dieses Buch ein überaus interessantes Stück Literatur und man ist garantiert um eine sehr außergewöhnliche Leseerfahrung reicher geworden (egal, ob im positiven oder negativen Sinne). Am Ende hilft also alles nichts, außer: LESEN und für sich herausfinden, ob's was taugt. Ich für meinen Teil hatte sehr viel Spaß und kann den Roman jedem Pynchon-Interresierten als Einstieg empfehlen. Ohne Gewähr, versteht sich... :) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Bizarr, humorvoll und sehr skurril,
Von
Rezension bezieht sich auf: Vineland (Taschenbuch)
Weil es das (bisher, nun soll es bei Gegen den Tag so sein) zugänglichste Buch von Pynchon sein soll, habe ich mich herangewagt. Von der Wortgewalt, dem Sprachwitz, dem bizarren, teils derben Humor und der Kunstfertigkeit des Schreibens wird man schier erschlagen. Das Buch ist ein einziges Versatzstück aus skurrilen Begebenheiten, die teils menschlich anrührend, teils historisch hinterlegt sind; natürlich kommen auch asiatische Mythen zum Tragen, sodass man zwischen Realismus und Surrealismus hin- und herspringt. Pynchon zeichnet ein uramerikanisches Bild, wobei ich leider einschränken muss, dass davon einiges an mir vorüberging, weil ich nicht so tief in der amerikanischen Historie drinstecke. Deshalb haben mir auch nicht alle Namen und Begebenheiten, Parallelen und Analogien etwas gesagt. Doch man versteht auch als Europäer genug. Worum es Pynchon geht, hält er gut verborgen. Vergnüglich, wenn auch wegen des hohen Anspruches anstrengend, ist es allemal. Gewiss nicht für jedermanns Geschmack geeignet, aber wer einen Sinn für Außergewöhnliches hat, sollte sich ruhig mal herantasten.
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