"Vincent" ist ein Roman, der sich nicht so leicht in eine Schublade stopfen lässt. Ein großer Löffel Satire, eine Prise Utopie, ein Spritzer thrillerhaftes Drama, abgeschmeckt mit einer Messerspitze Herz-Schmerz. "Vincent" ist ein Roman, der sich jeglichem Vergleich zu entziehen scheint und der auf seine Art einzigartig ist. Nicht zuletzt auch deswegen ist die Lektüre ein ausgesprochener Genuss.
Harlan, Ich-Erzähler und Hauptfigur pflegt ein ganz besonderes Verhältnis zu dem jungen Nachwuchskünstler Vincent. Als sein Mentor spornt er ihn an, steht ihm als Freund zur Seite und fügt ihm dennoch ständig Leid zu, um seine künstlerische Schaffenskraft zu beflügeln. Das Verhältnis der beiden hat dadurch einen recht merkwürdigen Charakter. Man schließt Harlan als Leser dennoch ins Herz. Er ist sympathisch und man versteht ihn irgendwie, wie er gefangen ist, zwischen seinen Rollen als Don Quijote der Kultur und als Handlanger der Unterhaltungsindustrie. Vincent bleibt mehr oder weniger blass, fast schon abstrakt und fremd. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil. Man kennt genügend leiderprobte Künstler, um sich ein Bild von ihm zu machen. Das Kurt-Cobain-Bild auf dem Buchdeckel ist da nur eine mögliche Assoziation, die sich aufdrängt.
Zu Beginn mag man "Vincent" in erster Linie für eine Satire halten. Der Roman hat seine unverkennbar humoristischen und sarkastischen Seiten. Wenn Harlan in der Chefetage des weltweit wichtigsten Medienkonzerns durch die Fernsehkanäle zappt und gnadenlos über alles herzieht, was dort zu sehen ist, während ihm gegenüber die Menschen sitzen, die genau diesen Unsinn verzapft haben, so ist das schon ganz besonders erheiternd.
Aber darüber hinaus ist "Vincent" auch die Geschichte einer besonderen Freundschaft zwischen Künstler und Mentor, eine Geschichte um wahre Kunst und echte Künstler und nicht zuletzt ein Drama um Liebe, Schwermut, Verlust, Enttäuschung und Ausbeutung. "Vincent" ist ein Roman, der wunderbar vielschichtig ist, der gleichermaßen unterhält und nachdenklich stimmt, der zum Lachen ermuntert und den Leser rührt.
FAZIT: "Vincent" ist ein außerordentlich erfrischendes und unterhaltsames Buch, das all denen besonders Spaß machen dürfte, denen der kommerzialisierte Mainstream zuwider ist. Eine originelle Geschichte, die sehr gelungen mit einer Mischung aus Satire und Dramatik umgesetzt wurde. Für mich zählt das Buch schon jetzt zu den Toptiteln des Jahres.