Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Glanz und Ruhm einer kosmopolitischen Familie im 20. Jahrhundert, 3. August 2008
Fred Licht Villa Ginestra Eichborn
ISBN 3821845961
Sehr verärgert muss der Europachef einer weit verzweigten amerikanischen Bankiersfamilie erleben, dass sein Sohn Harry nicht in das Bankwesen der Familie eintreten will! Die Familie lebt in Genf, und wir schreiben das Jahr 1928.
Harry, der Icherzähler, fühlt sich zu seiner Cousine Renée hingezogen, die in Florenz im Kreise von Künstlern und geistvollen Persönlichkeiten ihre Tage verbringt. Sie besitzt ein prächtiges altes Haus, die Villa Ginestra, und hat ihre Familienbande hinter sich gelassen. Harry fühlt sich wohl bei ihr, beginnt ein Kunststudium und genießt das Leben der Jeunesse dorée.
Mit wundervoll klaren und eindeutigen Sätzen beginnt der Roman von Fred Licht, in dem er die schönen Künste einbettet in das Gesellschaftsbild der Bankiersfamilie. Die Gründung der amerikanischen Bankendynastie geht über Generationen zurück und hat wesentlich die Gesinnung und den Lebensstil der Clanmitglieder geprägt. Einzelgänger wie die Cousine Renée werden als widerborstige Außenseiter angesehen.
Unangefochten von den Verurteilungen des Familienclans empfängt Renée in ihrer Villa Geistesgrößen, Kunstkenner, beherbergt einen unauffälligen ständigen Gast englischer Herkunft bei sich und versammelt eine intellektuelle Gemeinschaft von Reichen und Gebildeteten in ihrem Haus. Als der Faschismus am Horizont herauf zieht, ändern sich die Verhältnisse. Harry verlässt Florenz und bricht nach Amerika in das Land seiner Väter auf. Die Villa Ginestra bleibt fortan sein ferner Traum!
Nach dem zweiten Weltkrieg kehrt er als Angehöriger des Militärs nach Europa zurück. Renée wird mit ihrem gesellschaftlichen Treiben in den Taumel der Kriegsunbilden hineingezogen, das bis zu Schuld und Versagen führt.
Der Autor hat eine Atmosphäre eingefangen, in deren Zentrum die blühende Geistes-, Kunst- und Musikszene in Florenz steht. Hoch reflektiert, tief schürfend und nachdenklich erzählt Fred Licht von Menschen, die Dank ihres Reichtums in den Kriegswirren Protektion und Sicherheit genießen. Psychologisch einfühlsam erfährt das unkonventionelle und gesellschaftlich taktvoll arrangierte Verhalten von Renée Würdigung. Eine Vielzahl von verborgenen Vorkommnissen, in die einzelne Protagonisten aus dem Umfeld der Villa und besonders Renée verwickelt sind, gibt der Handlung den anspruchsvollen Spannungsbogen. Der Autor hat ein opulentes, anspruchsvolles und vielschichtiges Werk verfasst. Fasziniert und geblendet ist man vom Zeitkolorit, den geheimnisvollen Vorgängen um die Cousine Renée, dem Kriegwesen und den politischen Veränderungen, die ganz Europa in den Untergang zu ziehen drohen. Judentum, Verfolgung, Kultur und Politik werden in den Rahmen der Handlung gestellt.
Nachhaltig nimmt die Atmosphäre des europäisch-amerikanischen Geld- und Bildungsbürgertums Gestalt an.
Fred Licht hat als Jude und Verfolgter der Nazis viele Ortswechsel erlebt. Er ist Kunsthistoriker und Kritiker und war lange Jahre Kurator der P. Guggenheim Collection. Seine Kunstkennerschaft ist dem kultivierten Thema seines Buches zugute gekommen und hat seinen Inhalt mit bestimmt.
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2 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Villa Ginestra, 8. Oktober 2008
Der Titel des Buches sowie der Umschlagtext lassen vermuten, dass es sich um eine Geschichte handelt die sich um die Menschen dreht, die in dieser Villa leben oder auch während des Faschismus dort eine Zuflucht gefunden haben. Leider ist dies nicht so. Nach einem eigentlich guten Beginn, bei dem auch ein Spannungsbogen aufgebaut wird und der Leser den Einzug in die Villa Ginestra kaum noch erwarten kann; erlebt er kurze Zeit nach diesem Einzug eine herbe Enttäuschung. Er begegnet einer Frau, die über ein sehr grosses Vermögen verfügt und zu einer sehr einflussreichen Familie gehört. Ein paar Stunden am Tag schreibt sie Bücher, zweimal in der Woche kommt ihr Bankier in die Villa und sie besprechen die nächsten Transaktionen. Den Rest des Tages langweilt sie sich und lädt sich Leute ein; diese müssen Künstler sein, angesagt und emfohlen werden von Museumsdirektoren oder anderen Mitlieder der Gesellschaft. Als der 2. Weltkrieg ausbricht bleiben die Gäste aus, da Reisen entweder sehr schwierig ist oder die Leute die als Gäste in Frage kommen ins Exil gehen müssen. Einzig ein Engländer der bereits seit 20 Jahren bei ihr lebt bleibt und natürlich noch eine gewisse Zeit der Erzähler bleiben. Sie sagt selbst, dass sie das Bedürfnis hat einmal in eine Situation zu kommen, in der ihr kein Vermögen und keine Beziehungen ihrer Familien helfen können. Und als Sie glaubt in einer solchen Situation zu sein - sie wird von einem deutschen Major erpresst und muss diesen in ihrer Villa als Gast aufnehmen - findet Sie es interessant herauszufinden wieviel Raffinesse sie besitzt um aus dieser Situation wieder herauszukommen. Menschen die Sie um Hilfe bitte gegen diesen Major vorzugehen benutzt sie um ihre angestachtelte Neugier zu befrieden, um die Bestätigung für sein Tun zu bekommen, was sein eigentlicher Auftrag bzw. seine "Arbeit" ist. So kommt sie auch seiner Einladung einer Folterung beizuwohnen ohne Zögern nach. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Sie Gewissesbisse hatte, man könnte sagen es war ein leichtes Schauern, ein leichtes Frösteln das sie empfindet. Nach einem gemeinsamen Essen verabschiedet sich dann der Major und verlässt die Villa. Als die Cousine stribt und der Erzähler als ihr Testamentsvollstrecker auch einige Menschen aufsucht denen seine Cousine etwas hinterlassen hat, trifft er auch auf die Witwe eines Arbeiters aus einem Steinbruch an dem seine Cousine Anteile besaß und der erschossen worden ist da er eine Gewerkschaft in diesem Unternehmen gründen wollte. Diese Frau sagt zu ihm, sie weiß nicht was sie mit dem Geld soll; für sie bedeutet es nur dass sich eine Frau die vom Krieg profitierte, sich nun von Schuld freikaufen will. Aber der Erzähler erweckt hier nicht den Eindruck, dass ihn das Gesagte berührt oder das er überhaupt darüber nachdenkt. So wie das Buch geschrieben worden ist, wird eine Frau verherrlicht, die sich aus Langeweile Leute in ihre Villa eingeladen hat, selbst später zugibt ihr eigens Vermögen aus Anlage in Truppentransporte und kriegswichtige Industrien gewonnen hat, die Menschen die sie jahrelang kannte in einer Notsituation nicht geholfen hat und deren Hinweise über das Tun eines Faschisten für ihren persönlichen Nervenkitzel genutzt hat. Dieses Buch ist in meinen Augen die Begründung des Kommunismus. Wie Marx sinngemäß sagte; dass der Kommunismus aus dem verfaulenden Kapitalismus entsteht. Hier ist diese Fäulnis in ihrer Klarheit dargestellt.
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