Das Reisen mit dem Lonely Planet ist ja so ne Sache. Ich selber habe einen Loneley Planet mittlerweile zweimal auf längeren Reisen genutzt. Das Fazit für die aktuelle Vietnam-Ausgabe fällt eher ernüchternd aus.
Bei den positiven Aspekten, die ich hervorheben möchte, stimmen sicher viele andere Leser mit mir überein: Der Lonely Planet informiert sehr ausführlich und genau über das Land.
Ob geografische oder historische Fakten, hier haben sich die Redakteure wirklich viel Arbeit gemacht und Wert darauf gelegt, dass Zahlen und Fakten informativ sind und der Wahrheit entsprechen. Die Strassenkarten führen ans Ziel und für alle Notfälle sind für fast alle Hotels, Restaurants, etc. eine Telefonnummer und eine Internetadresse angegeben. An der Aktualität der Daten kann man nichts aussetzen. Hin und wieder hat vielleicht ein Restaurant seinen Namen geändert, aber im Vergleich mit anderen Reiseführern schneidet der Lonely Planet in dieser Hinsicht immer noch am besten ab.
Nun jedoch zu den, meiner Ansicht nach, negativen Seiten dieses Buches:
Der Lonely Planet erreicht mittlerweile einfach zu viele Menschen. Ob Low-Budget-Reisende oder gut betuchte 5-Sterne-Touristen, ein jeder rennt mit dem Lonely Planet Reiseführer durch die Gegend und ebendas ist auch die Kehrseite der Medaille.
Ich selber habe in Vietnam das eine oder andere vom Lonely Planet empfohlene Restaurant oder 'stille Fleckchen' aufgesucht, in der Hoffnung ein bisschen authentisches Vietnam abseits der Touristen-Hotspots zu erleben. Doch in den Restaurants traf ich allerlei Reisende, nur keine Einheimischen. Die Gerichte schmeckten gut, nur nicht authentisch. Die sogenannten Geheimtips waren nicht mehr geheim und stattdessen von Touristen überlaufen. Auf Nachfrage, woher sie denn das eine oder andere sogenannte 'Insider'-Café kennen lautet die Antwort stets 'Lonely Planet!'. Hier zeigte sich mir, dass man mit dem Lonely Planet-Reiseführer einfach nicht die Ruhe, das Unbekannte und vielleicht Unerforschte findet, das man auf Reisen eigentlich sucht und das ist schade.
Ich rate Reisenden, die das Land wirklich auf authentische Art und Weise kennenlernen wollen von daher, mit den Einheimischen in Kontakt zu treten und sei es nur für eine kleine Auskunft nach einem Restaurant. So hat man wenigstens noch die Chance 'wirkliche' Insider-Tips zu kriegen. Der eine oder andere mag hier Hemmungen und Berührungsängste verspüren, doch die Vietnamesen sind freundliche und hilfsbereite Menschen und helfen in vielen Situationen gerne. Der Lonely Planet im Gepäck schadet mit Sicherheit nicht - in einigen Situationen ist er sogar absolut notwendig - aber wer sich zu sehr auf ihn verlässt, dem entgeht womöglich die wahre Schönheit dieses Landes.
Fazit:
Mit dem Lonely Planet lässt sich verlässlich und sicher reisen, das kleine Quäntchen Abenteuer und Ungewissheit, das manch Reisender womöglich sucht, findet man mit ihm jedoch nicht. Sicherlich, der Lonely Planet ist ein solider Reiseführer, der seinen Zweck erfüllt, aber seine eigentliche Idee, nämlich Rucksacktouristen und Low-Budget-Traveller abseits der Touristenpfade durch das Land zu führen, musste er bereits vor Jahren schon gegen seine flächendeckende Popularität eintauschen.