Was haben Walter Benjamin, Theodor W. Adorno, Gershon Scholem und Arnold Schönberg gemeinsam? Manche dürften es nicht wissen, was der Titel des Buches nahe legt: alle vier sind Juden, säkulare Juden aus dem Berlin und Wien vor dem Zweiten Weltkrieg, später zur Emigration gezwungen und in einem Fall (Benjamin) in den Selbstmord getrieben.
Carl Djerassi, selbst ein bekannter Chemiker (er gilt als einer der Erfinder der Antibabypille) und in den letzten Jahren durch Kurzgeschichten, Bühnenstücke und Romane, die im Wissenschaftsmilieu spielen, hervorgetreten, stellt die Frage nach der Bedeutung des Jude sein" für Leben und Werk der vier bekannten Denker.
Dazu versetzt er sie alle fiktiv auf den Parnaß, der als Metapher für die Anerkennung literarischer, musikalischer oder intellektueller Leistungen dient, wie der Autor gleich zu Beginn des ersten Kapitels deutlich macht. Dort lässt er die vier zu fiktiven Gesprächen zusammenkommen, tatsächlich haben sich niemals alle vier gemeinsam getroffen.
Die Gespräche ranken sich um fünf Themen, denen jeweils ein Kapitel gewidmet ist: Vier Männer - Vier Ehefrauen- ein Engel (von Paul Klee) - vier Juden und Benjamins Aktentasche.
Wer jetzt eine leicht lesbare Einführung in das Werk der vier großen Denker erwartet hat, die durch Lektüre einer Art sokratischen Dialogs vermittelt wird, der irrt, jedenfalls geschieht das nicht explizit.
Natürlich erfahren wir viel über die (von Djerassi so vorgestellten) Charaktere, ihre Beziehungen untereinander, zu ihren Ehefrauen und zur Welt. Wir nehmen teil an originellen, aber dennoch etwas abenteuerlichen Spekulationen über die Urheberschaft des eigentlich Paul Klee zugeschriebenen Bildes Angelus Novus oder den Inhalt von Walter Benjamins auf seiner Flucht verschollener Aktentasche.
Über weite Strecken liest sich das Buch sehr spannend, manchmal aber auch etwas langatmig, was wohl von der persönlichen Interessenlage des Lesers abhängen dürfte.
Aus dem Buch nicht wegzudenken und integraler Bestandteil ist die Fotokunst von Gabriele Seethaler. Diese ist oft gelungen, gelegentlich aber auch schockierend (Montage von Hitlerbärten, um die Unsinnigkeit physiognomischer Charakterisierungen von Juden zu illustrieren).
Die Aufmachung des Buches ist hochwertig, was Einband, Umschlag, Papier und die großenteils farbigen Abbildungen angeht.
Wer bereit ist, sich geduldig einzulassen auf Djerassis Art und Weise, die vier Denker vorzustellen und sich dabei auch das eine oder andere auszudenken, dem sei dieses Buch empfohlen