Auf dem Klappentext auf der Buchrückseite darf man lesen, dieses Buch sei "nicht einfach so hingerotzt". Und tatsächlich: Obwohl so manche Schniefereien eines allergiegeplagten Leidenden hier auf den Tisch kommen, ist gerade das Leseerlebnis ein Grund zu einem klaren Lob an den Autor und sein Projekt.
Mit leidenschaftlichem Humor wird ein (leider typisches) Allergiker-Leben aufs Korn ironischer Analyse genommen. Dabei wird trotz der Schwere der Plage nicht mit fröhlichen Tönen gegeizt. Die Hände voll mit Erfahrungen, die Nase voll von seiner ständig unanständig vollen Nase, setzt sich ein Allergiker an sein Tagebuch und notiert dort, was ihn und seinen allergischen Körper so alles juckt. Mit Sprachwitz philosophiert er über das eigene "Rotzreservoir" und fragt, wie viel Liter an Flüssigkeit es wohl fassen mag. Dann wieder erfährt er, dass jetzt auch noch ausgerechnet Sex der Haut Fett entzieht und das ist schließlich nicht gut, "wenn Neurodermi die Sau rauslässt". Duschen wird zur Tortur, essen kann er kaum noch etwas, das Leben: eine schaurig-schäbige Qual. Willig fährt der Protagonist in Kliniken, fragt Ärzte, Heilpraktiker und Schamanen um Rat, kratzt sich die Haut auf, niest, hustet und lässt die Augen tränen. Klar hadert er mit seinem Allergie-Schicksal. Und ist es nicht peinlich, wenn Situationen entstehen, wo unser einsamer Held in einer Vorlesung einem schönen Mädchen vor sich in die Haare niest und dabei dann mehr hängen bleibt als ein guter Eindruck?! Doch immer und trotz des fehlenden happy endings schimmert ganz lakonisch ein bissiger Stil durch alle Einträge, die mit der richtigen Dosis an schmerzlich-süßer Scherzerei so verziert werden, dass man unwillkürlich mitleiden und mitlachen muss. So sollte es wohl sein, wenn man aufgegeben hat, auf Wunder zu hoffen.
Kreativ fand ich die Idee, vor das aufgedruckte Papiertaschentuch auf dem Buchdeckel ein 'echtes' Taschentuch zu kleben. So etwas allein kann natürlich kein Kaufargument sein. Es rundet dieses Tagebuch eines Allergikers aber wunderbar ab. Außerdem passt die Idee super zum kreativen Sprachduktus dieses Buchs, der dazu führt, auch mal Tränen zu lachen und sich diese dann genüsslich abzuwischen.
Ja, Allergiker müssen wirklich keine Angst vor diesem satirischen Tagebuch haben, das (so weiß es die Buchrückseite) "keine Nüsse" enthält. Stattdessen dürfen sie sich auf außergewöhnliche Reaktionen der anderen Art freuen, nämlich auf schmunzelnde Mundwinkel und ein angenehmes Jucken in der Gegend des Zwerchfells.