Die Zielgruppe dieses Buches wird dem kritischen Betrachter sogleich klar, liest er die Agenda des Buch-Verfassers Christoph Moss [S. 195] aufmerksam: "Professor für Unternehmenskommunikation an der International School of Management mit Studienstandorten in Dortmund, Frankfurt, München und Hamburg. Er war langjähriger Wirtschaftsredakteur beim Handelsblatt und Leiter der Georg-von-Holtzbrinckschule für Wirtschaftsjournalisten. Heute ist er Mitglied in verschiedenen Fachjurys. Mit seiner Agentur [...] berät er Mittelständler und börsennotierte Unternehmen im In- und Ausland. In Seminaren und Vorträgen spricht er über aktuelle Kommunikationsthemen."
Das klingt vielversprechend. Tja ... es ist ein wirklich nett aufgemachtes Buch, das man auch mit User-Schwitzhänden anfassen mag, denn der Kunststoff-Einband ist abwischbar -- ein nicht zu verachtendes Detail, falls man es als Nachschlagwerk nutzen möchte.
Nur -- was gäbe es wohl nachzuschlagen, hat man dieses kleine Bändchen von gerade mal 178 Seiten durchgelesen? Das Literaturverzeichnis vielleicht [S. 179-194], das allerdings überwiegend auf Websites und Pressenotizen verweist? Tja ...
Obwohl -- "GEHEIME KOMMANDOS" [S. 71-79] nachschlagen zu können, erscheint mir ganz praktisch, obwohl ich selbst sie generell nicht verwende. Es ist allerdings ganz amüsant, die Bedeutung von z.B. IMO, AFAIC, AKA, ASAP, B2T, EOM, EOT, EOD, FAQ, LOL oder gar ROFL, 2L8, 4YEO, oder dieses BOFH zu kennen, oder dieser kuriosen Zeichen :-) oder ;-) oder :-(.
Abgesehen davon und von einigen sehr interessanten historischen Schilderungen war dieses Buch für mich wenig ergiebig, jedenfalls nicht, um etwas auf diesem Gebiet wirklich "Neues" hinzulernen zu können. Ob das am Autor liegt oder daran, daß ich zu den "alten Hasen" gehöre, die sich zudem Erkenntnisse wünschen, die tatsächlich authentisch aus dem Alltag eines Gewohnheits-E-Mailers stammen und einen positiven Nutzen bringen, muß dahingestellt bleiben. Aber "IMO" geradezu albern sind die Hinweise "E-MAIL TAKTIK FÜR DIE KARRIERE" [S. 172-176], während ich die Ausführungen zu "WIE ELEKTRONISCHE KOMMUNIKATION UNS HELFEN KANN" [S.107-111] sogar für s e h r empfehlenswert halte.
Alles in allem ist es ein unterhaltsames Buch, das vielleicht sogar außerordentlich gut geeignet ist für solche E-Mail-Anwender, die nicht über eine qualifizierte kaufmännische Ausbildung verfügen, speziell im Briefverkehr, denn für jene gibt es wertvolle Hinweise. Davon einmal abgesehen, scheint allerdings sowohl dem Autor dieses Buches als auch vielen gewohnheitsmäßigen E-Mail-Usern ganz offensichtlich folgende unumstößliche Tatsache aus dem Gedächtnis entschwunden zu sein: E-Mail bedeutet nämlich immer noch nichts anderes als "Elektronische Post" -- (so lautete sogar mein allererstes Mail-Programm in diesem tollen "Digital-All-in-One", falls sich daran noch jemand erinnern sollte!). Mit anderen Worten: Es handelt sich also tatsächlich ebenfalls! und immer noch um einen Brief!, der allerdings auf dem Cyber-Keyboard statt auf einer Schreibmaschine, oder mit Kuli, Füller oder Bleistift geschrieben wird, der halt eben nur nicht mit der (Schnecken-)Post, sondern auf elektronischem Wege befördert wird und, das sei zugestanden, der aus Kostengründen kürzer ausfallen darf als ein herkömmlicher Geschäftsbrief. Muß dem der höfliche, respektvolle Umgangston geopfert werden? Diesen wesentlichen Grundsatz hat der Autor Christoph Moss leider nicht hinreichend transportiert. Zudem verwundert mich seine marktschreierische Behauptung, E-Mails seien DAS Kommunikationsmittel Nr. 1 -- das halte ich schlichtweg für übertrieben, wenn nicht gar für falsch. Den Autor mag es erstaunen, weil er ja offenbar völlig in der Cyberwelt aufgeht -- aber es gibt auch heutzutage noch zahllose Menschen, die sich einer E-Mail-Kommunikation vehement verweigern, solange es sich nicht um geschäftliche Mitteilungen oder um kurze Informationen handelt. Und die auch fürderhin das persönliche Gespräch bevorzugen, notfalls per Telefon, falls die räumliche Distanz ein "Augen-Gespräch" nicht zuläßt. D a s wird auch die zunehmende "Globalisierung" nicht auf die hinteren Kommunikations-Plätze verdrängen können -- IMO!!! oder wenigstens LHS ...
Der von Amazon ermöglichte wertvolle "Blick-ins-Buch" mag anderen Usern Aufschluß darüber geben, ob sie mit den ganz ohne Zweifel enthaltenen Informationen für sich etwas anfangen können. Oder ob sie gar den stolzen Preis dieses Buches zahlen möchten, um sich lediglich gut unterhalten zu lassen. Ich bezweifle, daß ich es noch einmal kaufen würde, weil für mich zu viele Fragen offengeblieben sind, die mir als geübtem User unter den Nägeln brennen.
Z.B.: Großbuchstaben sind verpönt -- aber was statt dessen? "Ein Ausweg könnte darin bestehen, wichtige Textpassagen zu fetten oder farblich hervorzuheben." [S. 158]. Na sowas! Diese simplen Möglichkeiten sind ja nun wirklich I-Dotz-Wissen für jeden PC-Anwender; dem Autor hingegen scheint unbekannt zu sein, daß nicht jedes E-Mail-Programm diese Anwendungen zuläßt. Deshalb scheidet dieses klägliche "Alternativ"-Angebot als "Ausweg" aus, sofern man eben nur ein kleines Schreibprogramm nutzen kann, das sich nicht verändern läßt (z.B. bei Amazon = Rezensionen und/oder Kommentare). Also weiter durch Großbuchstaben "anschreien" oder riskieren, daß notfalls gesperrt geschriebene Textpassagen durch Zeilenumbrüche auseinandergerissen und damit unverständlich werden? Hierfür bietet dieses Buch keine wirklich zufriedenstellende Problemlösung an. (Interessanterweise sind übrigens sämtliche Überschriften in diesem Buch in ... Großbuchstaben verfaßt!?! Ein kleiner "Scherz" am Rande, digital ausgedrückt: "JK"?)
Oder dies: Daß die deutsche Sprache auch bei der digitalen Kommunikation keine durchgängige Kleinschreibung erlaubt, scheint manchen Usern völlig unbekannt zu sein, und auch, daß die Interpunktionsregeln auch im digitalen Schriftverkehr bislang nicht abgeschafft wurden, auch wenn man das zuweilen annehmen könnte... Auch hierauf wird nicht erhellend eingegangen -- "IMO".
Die unfaßbare Suggestivbehauptung, E-Mailen mache "bekanntlich" süchtig, verbanne ich aus Friedfertigkeit in den Bereich eines fragwürdigen Marketing. Da steht doch tatsächlich auf S. 9 zu lesen:"Wir wissen, daß sie süchtig machen." Wie bitte? Diese leichtfertige Behauptung halte ich für gefährlichen Unfug! Sollte es allerdings als "Warnung" gemeint sein, auf eigenes "zwanghaftes" Verhalten zu achten, kann dieser Hinweis nur begrüßt werden. Denn E-Mailen KANN durchaus "süchtig" machen, MUSS es aber nicht! Das setzt nämlich eine bereits bestehende SUCHTGEFÄHRDUNG voraus, und DIE ist von ganz anderen Faktoren abhängig. Mit dem E-Mailen als solches hat DAS wenig zu tun -- einen potentiell Suchtgefährdeten kann also sogar!! E-Mailen süchtig machen ... So sind zumindest meine Erkenntnisse, die ich ernstzunehmenderen Studien als der Autor entnehme. Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen, sei ausdrücklich betont, daß meine Zweifel sich auf eine E-MAIL!-Sucht beziehen -- das ist keinesfalls gleichzusetzen mit der offenbar immer weiter um sich greifenden INTERNET-Sucht!!, denn d i e s e INTERNET-Sucht! -gefährdung oder gar -abhängigkeit kann man gar nicht ernst genug nehmen ...!
3 Sterne, weil das Buch einiges an brauchbarer Information enthält und ausgesprochen unterhaltsam verfaßt ist.
... und da ich auch aus diesem teuren Buch nicht lernen durfte, wie man nachdrückliche Hinweise anders als durch GROSSBUCHSTABEN oder g e s p e r r t darstellen kann, mußte ich leider ... einige Male "schreien". Ist wirklich nicht persönlich gemeint!