Einer DVD mit Bild- und Tonaussetzern würde man technische Fehler nicht nachsehen, und gerade bei einem praktischen Lehrbuch sollte der Autor sattelfest sein.
Zu sehr stören formale und inhaltliche Fehler die Konzentration auf den Inhalt und den damit verbundenen Genuss und Lernfortschritt.
Der Ansatz, das Buch in "Level" einzuteilen ist eine sehr gute Idee, nur durch die gravierenden Schwächen in Rechtschreibung und Grammatik bekam ich beim Durchlesen immer nach wenigen Seiten Kopfschmerzen und man fragt sich "Warum soll ich das hier lesen, wenn keiner der Verantwortlichen es vor der Drucklegung selber mal gelesen hat?"
Ansonsten scheint sich seit der Ankunft von VJ-Guru Michael Rosenblum beim hr (2002) in puncto VJ-Techniken und Philosophie nicht viel getan zu haben. Die von ihm bekannt gemachten "5 shots" sind natürlich Pflicht, wenn auch eine etwas merkwürdige Rechnung auffällt:
Seite 21 "Wenn Sie 5 sauber von einander abgesetzte Einstellungen einer Tätigkeit drehen, haben Sie später 5×4×3×2×1=1.320 Möglichkeiten, die Einstellungen miteinander zu kombinieren."
-- Na gut, es sind hier anscheinend nur 120 Möglichkeiten- ist auch egal, aber exemplarisch, dass man hier vieles nicht hinterfragen sollte.
Begriffe wie "Authentizität" und "besondere Nähe" zum gefilmten Protagonisten werden geprägt, allerdings nicht ernsthaft hinterfragt, was es bedeutet, "zu nahe zu kommen". Wenn man "Authentizität" in dem Falle mit "Banalität" ersetzen würde, wäre der Unterschied wegen mangelnder Ausdifferenzierung nicht zu erkennen.
Kritische Überlegungen, die man vielleicht durch die mittlerweile reichhaltige empirische Literatur zum Thema "Videojournalismus" kennt, vermisse ich hier genauso wie eine Meinung dazu, dass der VJ in allererster Hinsicht eine Einsparmaßnahme für TV-Sender ist.
Stattdessen erfahre ich viel darüber, dass die Autorin in ihrer Jugend stundenlang mit ihren Freundinnen telefoniert hat und dass das mit den neuen Kommunikationsmöglichkeiten heutzutage nicht zu vergleichen wäre. Details, die mich langweilen und die ich eher in einer Biografie von Katie Price oder Paris Hilton erwarten würde, statt in einem Buch aus dem Bereich Journalismus.
Daher meine alternativen Buchempfehlungen aus dem selben Verlag (UVK)-
Für die Fernseh-Profis und Einsteiger:
"Die Fernsehreportage" (Praktischer Journalismus) Bodo Witzke (Autor), Ulli Rothaus
Für die Internet-Mediengestalter:
"Crossmedia" von Christian Jakubetz
..und wer ein Buch von einem VJ braucht:
"Online-Video. So gestalten Sie Video-Podcasts und Online-Filme - technisch und journalistisch" Dushan Wegner
oder die Webseite des "Original" Michael Rosenblum nyvideoschool.com -- Dort gibt es für wenig Geld im Monat sehr gute VJ-Tutorials, die wirklich die Fragen beantworten, die sich dem VJ/der VJane am Anfang stellen.