Nun, nach anfänglicher Begeisterung, folgte dann doch die Ernüchterung, zuerst das Positive:
+Es ist definitiv einsteigerfreundlicher, nun können dank übersichtlichem Interface, gutem Tutorial und vielen kleinen Feinheiten auch keine "Ultra-Micro-Hardcorestrategen" einfinden.
+Die Grafik ist funktionell, für dieses Game braucht es nicht mehr und auch ältere Rechner können es flüssig widergeben.
+Viel übersichtlicher, ich kann schnell mit Diagrammen und Statistiken mein gesamtes Reich verwalten und muss mich nicht durch jede Provinz klicken.
+Diplomatische Auswahlmöglichkeiten sind größer, man kann Kriege als Eroberer, Befreier, Schutzmacht usw. führen.
Das wars leider, nach einigen Spieltagen fiel mir doch sehr auf das hier eine Betaversion verkauft wurde mit hässlichen Fehlern in der Spielmechanik.
-Die Übersetzung ist unvollständig, wer auch immer als Übersetzer engagiert wurde, beherrscht die deutsche Sprache weder ausreichend in Wort und Schrift und das sage ich als Mensch mit angeborender Rechtschreibschwäche. Ja korrekt, es gibt bereits Mods "dagegen", es ist jedoch nicht der Sinn der Sache das Entwickler grundlegende Aufgaben mittlerweile gewohnheitstechnisch an die Community abgeben, ich habe ein als fertig ausgegebendes Produkt gekauft.
-Die Balance ist, milde gesagt eine Katastrophe. Ich bin nun wirklich kein Hardcoretratege, wenn ich aber als Preußen 1858 China, Japan, Niederlange, Belgien, Korea, Afrika, Persien...kurz die halbe Welt kontrollieren kann, sollte man spätestens hier merken das etwas gewaltig nicht stimmt. Jaja auch hier gibt es schon Communitymods....
-Ich möchte nicht auf jeden Balancefehler eingehen, hier einige sehr offensichtliche: Staaten die sich industrialisieren sind hoffnungslos im Nachteil, was daran liegt das Facharbeiter (früher Handwerker) Forderungen stellen denen man nicht nachkommen kann, Kapitalisten verstehen nichts von Ökonomie und bauen hoffnungslos und permanent vollkommen falsche Fabriken. Bauern jedoch schwimmen nach einiger Zeit im Geld das sie faktisch Aristrokaten sind.
-Mobilisierungen laufen nun nicht nach Soldaten POPs ab bzw. sind an denen gebunden, sondern durch einen Prozentsatz der sich aus den Bauern rekrutiert, das hat zur Folge das wenn man als zivilisierte Macht irgendein Land mit großer Population erobert bereits zu Anfang jede Großmacht militärisch in die Knie zwingt.
-Die militärische Balance ist sinnfrei, mit einer sog. defensiven Stack of Doom Taktik kann man z.B. als Preußen 1840 gleichzeitig Frankreich, Russland, Österreich, England in die Knie zwingen. Was daran liegt das jeder Offensivkrieg katastrophal bestraft wird, man muss lediglich einige große Stacks (Stapel) von Einheiten besitzen und gezielt den durch die Offensive sehr geschwächten Gegner kurz attackieren, das erhöht in abnormalerweise die Kriegsmüdigkeit des gegners, die gewonnenden Schlachten werden als positive Kriegspunkte angerechnet, so das nach kurzer Zeit ein Weißer Frieden winkt, bei dem jedoch der Gegner solche Verluste erlitt das man ihn anschließend selbst als kleines Land überrollen kann.
-Rebellen sind die größte Herausforderung, ganze Länder werden permanent in die Knie gezwungen, obwohl alle Bedürfnisse zufrieden gestellt sind (Ja...gibt schon Communitymods...)
-(+)Gut, es hat auch Vorteile, man kann so mit kleinsten Staaten, sogar Stadtstaaten in einigen Jahren die Welt regieren. Das hat natürlich nichts mit normaler Spiellogik zu tun, wird aber bestimmt den ein oder anderen freuen.
-Die gegnerische KI ist eine Katastrophe, Kriege, Kriegsführung, Kriegsforderungen, Friedensverhandlungen und vieles mehr entbehren jeder im Spiel auffindbaren Grundlage, ich rätsel zumindest noch wieso ein Stadtstaat alle 3 Jahre mit 2 Divisionen mir den Krieg erklärt mit dem Ziel "Eroberung" während ich über 600 Divisionen mobilisieren kann.
Kurzum: Das Spiel in seiner jetzigen Version (1.1) ist leider paradoxtypisch mit hohem Potential, aber grausiger Umsetzung. Man sollte warten bis es umfangreiche Patches und Communitymods gibt die aus dem Potential das schaffen können was die Entwickler eigentlich tun sollten. Wer jedoch mal kurz mit wenig Aufwand Lust hat als Bremen, Dänemark, Luxemburg oder ähnlichem Europa in die Knie zu zwingen, der wird hier seinen Spaß finden.
Update Patch 1.2:
So nun ist schon etwas länger der Patch 1.2 draußen und ich hatte endlich Zeit gefunden es mal intensiv zu spielen und der Eindruck ist wie beim Patch 1.1, anfänglich schöner zu spielen bei intensiver Betrachtung jedoch holpert es teils an neuen fehlern, insbesondere die Spielbalance hat an einigen Stellen nun absolut gelitten.
Das positive:
+Arbeiter sind nun realistisch zu "befriedigen" was ihre Grundbedürfnisse angeht, hierbei lohnt sich nun mehr eine Industrialisierung.
+Die Rebellenstärke wurde weiter reduziert, nach meiner Aufassung noch nicht stark genug, aber es ist ein Anfang und die Rebellen regieren nicht mehr die Welt.
Ja...das war es leider schon, mit dem neuen Patch kamen teils erhebliche Balancingfehler ins Spiel und große Logikprobleme
Das negative:
-Die Rebelenwahrscheinlichkeit wurde erhöht, Auszug Changelog 1.2: - Rebelfactions grow stronger a little faster now.
-Die Geldproduktion ist irre, selbst auf hohem Schwierigkeitsgrad gelingt es mir nicht unter 2-3 Millionen Pfund zu kommen, ausser ich würde einfach alle Sozialreformen stumpfsinnig maximieren.
-Die Lokalisation ist weierhin mangelhaft und weiterhin sind viele Eventtrigger einfach nicht benannt (Gestern haben wir eine Petition von NO_TEXTFOR_KEYFROM_ADJ Kongress erhalten)
-GB ist extrem, durch ein nicht ausbalanciertes Indien Event explodiert die Wirtschaft von GB nach 1865 das eine Industrie von über 40000 nach 1900 entsteht, oder auch das 11 fache der Weltwirtschaft.
-Kapitalisten verstehen weiterhin nichts vom Kapitalismus, lediglich ein paar Scripte sorgen für Abhilfe, die KI-Mechanik jedoch ist hilflos ausserhalb der Scripte.
-Die Soldaten werden nachwievor aus dem Prozentsatz der armen Bevölkerungsschicht rekrutiert, was für Staaten mit hohem Anteil an Industrialisierung und ohne Kolonien verheeren ist, einen direkten Einfluss wie einst in V1 fehlt.
-Die Marine bzw. die Kosten für Flotten wurden derartig hoch gesetzt das dies schwerwiegende Balancingfehler nach sich zieht, inbesondere für Nationen zu Beginn des spiels mit großer Flott (Russland) hat dies automatisch ein Auflösen zur Folge.
-Bündnisse ohne jeden Bezug zur Spielmechanik (Österreich-Osmanisches Reich)
-Industrialisierung ist fast nur Eventabhängig, dies sieht man wie oben beschrieben bei GB und Österreich, hier macht sich das fehlen direkter Einflussmöglichkeiten wie in V1 bemerkbar, der Nationale Fokus ist hier kein ausreichendes korrektiv.
-Ebenso wurde nichts am herben Malus für die offensive Kriegsführung geändert, die Abzüge für eine Eroberung sind derart stark das man sich konstant wie 1916 vorkommt.
Es gibt noch einige andere Balancingprobleme, in diversen Fanforen werden sie auch detaillierter aufgezeigt. Letztendlich führt der Patch 1.2 zu keiner Aufwertung für das Spiel, oberflächlich werden Probleme beseitigt, die Spielbalance jedoch wurde arg durcheinander gewürfelt das es wenig Spaß macht, schade vielleicht beim nächsten Patch.