Nachdem ich "Victoria&Albert" bislang nur in der um ganze 45 (!!!!) Minuten gekürzten deutschen Fassung kannte, habe ich mir wegen eben besagter 45 Minuten die DVD noch einmal als UK-Import zugelegt.
Warum werden die deutschen Fassungen dieser großartigen period dramas (vgl. auch "Pride&Prejudice", "North&South" und weitere ähnliche Titel mit einem "&" drin ;-)) eigentlich immer so drastisch gekürzt? Zu viel Sex, Crime und Gewalt, die man deutschen Zuschauern nicht zumuten will? Eher unwahrscheinlich...
"Victoria&Albert" erzählt die (Liebes)Geschichte der berühmten englischen Königin und ihres Prinzgemahls, eine Geschichte, wie ich sie bislang nur aus "Mädchenjahre einer Königin" mit Romy Schneider kannte. Aber (und dies kann man den Briten nie hoch genug anrechnen) den süßen Schmalz der 50er Jahre wird man hier vergebens suchen, sicherlich gibt es auch hier Szenen, die den einen oder anderen Zuschauer zu Tränen rühren werden ("Marry first, fall in love later."), aber der große Kitsch wurde größtenteils umschifft. Der Film beschränkt sich fast ausschließlich auf das Privatleben seiner Protagonisten, eine (politische) Biographie des viktorianischen Zeitalters sollte man also nicht erwarten.
Die Darstellerriege ist exzellent und weist einige große Namen (Peter Ustinov, Diana Rigg) auf, besonders brillieren aber Victoria Hamilton als Victoria und Jonathan Firth als Albert. Nicht nur, daß beide Hauptdarsteller ziemlich glaubhaft altern, sie wachsen auch im Verlauf des Films immer mehr und füllen ihre Rollen somit mit Leben, so hätte es wirklich im Königshaus sein können. Ist Victoria zu Beginn des Films noch ein junger Backfisch (um mal dieses altmodische Wort zu benutzen), der in seinen Wesenszügen jener Victoria aus dem Romy-Schneider-Film sehr ähnlich ist, so wächst sie im Laufe des Films zu einer zwar königlichen, aber auch sehr menschlichen Frau heran. Und auch Albert, der erst lernen muß, seine Frau zu lieben und seine Rolle am Londoner Hof zu akzeptieren, wächst im Laufe des Filmes immer mehr vom unzufriedenen Prinzgemahl zum gleichberechtigten Partner an der Seite seiner Frau, der Königin, heran. Beiden Schauspielern, Firth wie Hamilton, gelingen dabei immer wieder Szenen, die unter die Haut gehen und wenn Queen Victoria an die Tür ihres Mannes klopft und dieser sie nicht hinein lässt oder wenn Albert am Ende auf dem Sterbebett liegt, dann erzeugt das im einfachsten Fall eine Gänsehaut, im "schlimmsten" Fall jedoch den Griff zum Taschentuch.
"Victoria&Albert" ist ein großartiges biopic, das vor allem durch die stetige Entwicklung seiner Charaktere überzeugt. Dies lässt die Personen glaubhaft wirken und handeln, so daß man sich mal wieder fragt, warum dies in der deutschen Fassung nur gekürzt zu sehen ist. *hmpf*
Das Making-Of ist ganz nett und mitunter auch ziemlich launig inszeniert, der Rest des Bonusmaterials fällt leider nicht sonderlich ins Gewicht.
Dennoch: wer diesen Film in seiner ganzen Pracht sehen will und auf eine deutsche Tonspur verzichten kann, sollte sich diesen UK-Import zulegen. Die DVD enthält zwar leider keine englischen Untertitel, das gesprochene Englisch ist jedoch sehr klar und deutlich zu verstehen (was man vom ab und an eingestreuten Deutsch nicht immer behaupten kann, aber Schwamm drüber!).
Dieser Film ist nicht nur für period drama-Fans ein Muss, sondern auch für alle Geschichtsinteressierten.
Absoluter Kauftip!