Wieder mal eine Werkschau von David Sylvian, dem Grenzgänger zwischen Pop, Jazz, Ambient & Avantgarde. Stilbildender Künstler, Querdenker und Ikone.
Schon auf den ersten Blick erscheint sie mir weniger interessant zu sein als "Everything & nothing" aus dem Jahr 2000. Das liegt zum einen daran, dass "A victim of the stars" wenig Neues im Sinne von Raritäten/unveröffentlichtem Material bietet und auch weil sich Sylvian in den letzten 10 Jahren musikalisch in eine Richtung entwickelt hat, der ich nicht mehr so recht folgen möchte. Das jedoch ist letztlich Geschmacksache.
Das Doppel-Album gibt in chronologischer Reihenfolge einen groben Überblick von Sylvians Schaffen und künstlerischer Entwicklung. Über die entsprechende Auswahl lässt sich natürlich immer streiten. Allzu forderndes Material (manche nennen es auch anstrengend) hat man höflich übergangen, sodass zumindest CD 1 überwiegend zugänglich erscheint. Meilensteine wie "Orpheus" und "Forbidden colours" werden NeueinsteigerInnen sicher Lust auf mehr Sylvian machen. Genau hier darf man auch den Sinn einer solchen Zusammenstellung sehen.
Die Auswahl der zweiten Hälfte geht auf die jüngeren Stationen seines Schaffens ein. Dabei sind es die Stücke aus der Zusammenarbeit mit Friedmann und Jansen als "Nine horses", die sicher das breiteste Publikum ansprechen. Das Material aus der Phase ab "Blemish" ist jedoch stellenweise sehr speziell, wobei man auch hier noch von der "speziell-light" Variante sprechen darf. Wie bereits erwähnt hat hier mein persönliches Interesse an Sylvians Arbeit nachgelassen. Das soll nicht heißen, dass es hier weniger spannend zugeht. Sicher sind die Vorstöße Sylvians in musikalische Grenzbereiche qualitativ hochwertig, nur macht er es seinem Publikum alles andere als leicht.
Ein mögliches Kennzeichen für einen gutes "Best of..." Album ist, dass es irgendwann für den Besitzer überflüssig wird. Dann nämlich, wenn er sich alle Originalalben gekauft hat, auf die er durch das "Best of..." Album neugierig wurde. Genau aus dieser Sicht lässt sich "A victim of the stars" empfehlen. Für Sylvian-Kenner hingegen ist es weitestgehend überflüssig, da es nur wenige Remixe und mit "Where's your gravity" meines Wissens nur ein neues Stück enthält. Für Komplettisten ist es gar ärgerlich, wenn man sich nicht mit dem Download von einzelnen Stücken zufrieden gibt.
[This is not another fanboy review]