Man kann sich als ortsunkundiger Leser die von John Knittel beschriebene Landschaft geradezu vor dem geistigen Auge vorstellen. Am Ende des Buches kennt man den Yzolla-Pass, den Weg hinauf zum Jeff oder hinab nach Andruss so gut, als wäre man bereits da gewesen. Diese Beschreibung einer einzigartigen und bedrückenden Landschaft, aber auch die Darstellung der unterschiedlichen Charaktere der Protagonisten sind absolut fesselnd. Via Mala besteht aus drei Büchern und somit aus drei großen Kapiteln - die jedes für sich eine eigene Brillanz besitzen. So ist das erste Buch meiner Meinung nach ein schriftstellerisches Meisterwerk. Man fühlt regelrecht das Elend der Familie Lauretz, das sie unter unter dem Joch ihres Mannes und Vaters, Jonas Lauretz, zu ertragen hat. Bereits in diesem Buch bekommt Niklaus Lauretz, der Sohn, seine Charakterzüge gezeichnet, die im dritten Buch regelrecht perfektioniert werden. Auch kleinere und scheinbar unwichtige Nebenrollen - wie die des Dorfrichters Bonatsch - werden dem Leser lebendig vorgeführt. Es ist abolut beeindruckend, wie Knittel im ersten und auch im dritten Buch die Spannung stetig ansteigen lässt - bis zur Begehung des Vatermordes bzw. bis zu dessen Aufdeckung. Man kann beim Lesen phasenweise kaum noch aufhören, denn die Spannung reißt einen mit. So gut jedoch das erste und dritte Buch sind, so langatmig ist das zweite. Hier gleitet Knittel wahrlich ins kitschige Genre des Heimatromanes ab. Sicherlich ist diese Passage von der Dramaturgie her notwendig - beim Lesen jedoch wünscht man sich, dass Andi seine Silvelie alsbald bekommt und der zeitweise auf Arztroman-Niveau abgleitende Handlungsverlauf schnellstmöglich wieder von Landsberg ins Jeff verlagert wird.
Dennoch - Buch eins und drei entschädigen absolut für den radikalen Spannungsabfall im zweiten Buch, sodass Via Mala für mich persönlich ein Klassiker ist, der mich absolut überzeugt hat, und ich hoffe darauf, dass alsbald die Spielfilmverfilmung des ZDF mit Mario Adorf wieder einmal im Fernsehen gezeigt wird......