Kurzbeschreibung
Die Autobiographie der Margret Boveri, "der großen Dame des politischen Journalismus"(Karl Korn), wurde herausgegeben von Uwe Johnson. Sie schildert ihre behütete Kindheit im Kaiserreich, die bewegten Studienjahre zur Zeit der Weimarer Republik sowie den Beginn ihres Journalistischen Werdegangs.'Die große Dame des politischen Journalismus ', Margret Boveri (1900-1975), hatte in den letzten Jahren ihres Lebens begonnen, Lebenserinnerungen von frühester Kindheit an niederzuschreiben oder auf Band zu sprechen. Angeregt dazu hatte sie Uwe Johnson, der als Gesprächspartner immer wieder kritisch nachfragte. Margret Boveri hat Johnson als Herausgeber bestimmt, zwei Jahre nach ihrem Tod ist ihre Autobiographie zum erstenmal erschienen.
Die Aufzeichnungen beginnen mit der Darstellung ihrer behüteten Kindheit im Kaiserreich, umfassen ihre bewegten Studienjahre zur Zeit der Weimarer Republik, sowie ihren komplizierten journalistischen Berufsweg während des 'Dritten Reiches' und enden mit der Schilderung einer Ostasienreise im Kriegsjahr 1940. Im Nachwort ergänzt Uwe Johnson auf Grund von Briefen und Notizen Margret Boveris dieses Leben um die Jahre ihrer Korrespondententätigkeit in Schweden, den USA und in Portugal, bis hin zur Rückkehr nach Berlin 1943.
Die Fülle der menschlichen Erfahrungen in einem oft in Frage gestellten bürgerlichen Milieu, die große Zahl der persönlichen Begegnungen, die Reiseerlebnisse, die politischen Einsichten und die kritische Reflexion der journalistischen Tätigkeit reihen diese Erinnerungen unter die bedeutenden und bleibenden deutschsprachigen Autobiographien unserer Zeit ein. Der besondere Reiz des Buches ergibt sich daraus, daß es in Zusammenarbeit von Margret Boveri mit Uwe Johnson entstanden ist und somit die Auseinandersetzung zweier Generationen, sozialer Schichten und politischer Grundhaltungen wiederspiegelt.
Über den Autor
Uwe Johnson wurde am 20. Juli 1934 in Kammin (Pommern), dem heutigen Kamien Pomorski, geboren und starb am 22. oder 23. Februar 1984 in Sheerness-on-Sea. 1945 floh er mit seiner Mutter und seiner Schwester zunächst nach Recknitz, dann nach Güstrow in Mecklenburg. Sein Vater wurde von der Roten Armee interniert und 1948 für tot erklärt. 1953 schrieb er sich an der Universität Leipzig als Germanistikstudent ein und legte sein Diplom über Ernst Barlachs Der gestohlene Mond ab. Bereits während des Studiums begann er mit der Niederschrift des Romans Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953. Er bot ihn 1956 verschiedenen Verlagen der DDR an, die eine Publikation ablehnten. 1957 lehnte auch Peter Suhrkamp die Veröffentlichung ab. Der Roman wurde erst nach dem Tode von Uwe Johnson veröffentlicht. Der erste veröffentlichte Roman von Uwe Johnson ist Mutmassungen über Jakob. Von 1966 – 1968 lebte Uwe Johnson in New York. Das erste Jahr dort arbeitete er als Schulbuch-Lektor, das zweite wurde durch ein Stipendium finanziert. Am 29. Januar 1968 schrieb er in New York die ersten Zeilen der Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl nieder. Deren erste ›Lieferung‹ erschien 1970. Die Teile zwei und drei schlossen sich 1971 und 1973 an. 1974 zog Uwe Johnson nach Sheerness-on Sea in der englischen Grafschaft Kent an der Themsemündung. Dort begann er unter einer Schreibblockade zu leiden, weshalb der letzte Teil der Jahrestage erst 1983 erscheinen konnte. 1979 war Uwe Johnson Gastdozent für Poetik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt. Ein Jahr später erschienen seine Vorlesungen unter dem Titel Begleitumstände. Sein Nachlass befindet sich im Uwe Johnson-Archiv der Universität Frankfurt.