Ich glaube nicht, dass Frau Sirny mit der Veröffentlichung dieses Buches irgend jemandem etwas Gutes getan hat. Sicher nicht sich selbst: sie erscheint dem Kenner der Geschichte nach Lektüre des Buches durchaus weniger sympathisch als zuvor. Zu viele Rundumschläge werden verteilt.
Der Leser erhält kaum interessante Einblicke in die Geschichte oder die Hintergründe des Falles oder in die seelischen Abläufe der beteiligten Personen. Seltsam kalt und oberflächlich bleiben die Betrachtungen.
Es gelingt den Autoren auch nicht, wenigstens ein bisschen zeitliche Struktur in die Erzählungen der Mutter von Natascha Kampusch zu bringen. Das Buch ist dreigeteilt: der Tag der Entführung und die 48 Stunden danach, den Großteil des Buches nimmt dann die Beschreibung der achteinhalb Jahre ohne Natascha als larmoyantes Konvolut letztlich uninteressanter Erinnerungen ein, in dem vor allem der Vater von Natascha Kampusch, Ludwig Koch, desavouiert wird.
Auf den letzten ca. 40 Seiten folgt schließ die Zeit seit dem 23. August 2006. Diese Schilderung soll eine Abrechnung mit den Betreuern sein, die allesamt negativ dargestellt werden. Hier werden auch noch Zitate von Natascha vor allem aus dem ersten tv-Interview teilweise als im persönlichen Gespräch mit der Mutter gefallene Aussagen dargestellt.
Insgesamt ein für den Leser ebenso unerfreuliches Werk wie vermutlich für jeden, der in dem Buch genannt wird. Und abgesehen vom Honorar wird sich auch Frau Sirny nichts Gutes damit getan haben.