Neue Zürcher Zeitung
Von Zeiten
rox. Über «Zeit» nachdenken kann schwindelerregend sein. Mike Sandbothe, wissenschaftlicher Assistent für Philosophie in Magdeburg, hat mögliches Schwindelgefühl vermieden, indem er seiner zeittheoretischen Arbeit eine forsche, für keinerlei Zweifel anfällige Sprache verliehen hat. Es sei die disziplinenübergreifende Auseinandersetzung mit dem Zeitthema deswegen von besonderer Bedeutung, weil sich gegenwärtig eine «Pluralität heterogener Zeitkonzepte» feststellen lasse. Es seien zwei Entwicklungslinien festzustellen: die eine, die Tendenz zur Vereinheitlichung und Universalisierung unseres Zeitverständnisses, suche nach einem neuen «Archimedischen Punkt», der unsere alltägliche Selbst- und Welterfahrung mit jenen wissenschaftlichen Theorien vereinigt, die wir uns von Mensch und Natur machen. Die Verfechter der zweiten Tendenz könne man zu den Relativisten zählen, insofern sie vom Grundgedanken ausgingen, dass «Zeit» «ein Aspekt eines kulturell divergierenden Systems von praktischen und technischen Gewohnheiten» sei. Nun ja. Etwas fasslicher wird Sandbothes Zeitphilosophie dort, wo die Zeitkonzeptionen von Martin Heidegger und Ilya Prigogine zur Diskussion gelangen.
Kurzbeschreibung
Der Philosoph Martin Heidegger und der Chemophysiker Ilya Prigogine sind prominente Vertreter bahnbrechender Zeitkonzepte des 20. Jahrhunderts. Das Buch gibt eine Einführung in die aktuelle Zeitdebatte und führt vor Augen, wie sich deren Grundtendenzen miteinander vernetzen lassen.