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"Ihre grauen Haare gefallen mir sehr gut". Mit diesem simplen Kompliment gelingt es dem sechzigjährigen Rudolf Smelik, pensionierter Dramaturg des Wiener Burgtheaters, das Gespräch mit der vierundfünfzigjährigen Nelly Tomasova, die als Sekretärin an einem kleinen Theater arbeitet, wieder anzukurbeln. Er wird dies mehrmals tun, um die leicht verletzbare Frau zum Reden zu bewegen. Zu der Begegnung der beiden war es gekommen, als sich die Pragerin mit "Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation?" an den fremden Mann wandte. Der Titel ist somit identisch mit der ersten Zeile des neuen Buches von
Erika Pluhar.
Nach Erkundigungen von Gewohnheiten, dem Feststellen von Gemeinsamkeiten, Ansichten über Theater und Politik, werden die Gespräche bei einem Wiener Heurigen immer vertraulicher, immer intimer. Nelly Tomasova berichtet von ihrer unglücklichen Ehe, von einer unerfüllten großen Liebe, vom Freitod ihres alkoholkranken Vaters und dass sie gerne Pianistin geworden wäre. Rudolf Smelik wiederum erzählt von seiner geheilten Alkoholsucht, von Liebschaften und von jener einzigen Frau, die er heiraten wollte und die in seinen Armen starb.
Erika Pluhar schildert das Entstehen einer Liebesbeziehung zweier reifer Menschen in Form eines Drehbuchs. Zunächst überfordern die langen Dialoge, aber Sperriges macht bald Geschmeidigem Platz. Ein gewisses Befremden lösen die manchmal zu trivial geratenen Passagen aus, doch rasch dringt ins Bewusstsein, dass das erste Zusammensein zweier Menschen, die sich nicht gleichgültig sind, stets mit Banalitäten einhergeht. Gerade diese Banalitäten sind plötzlich wichtig und berühren. Die "stärksten" Seiten bleiben allerdings die Gespräche über das Theater -- erfüllt von Leidenschaft, erfüllt von der Bühnengröße Erika Pluhar. --Elfriede Quell
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Ein Mainachmittaag in Wien. Die vierundvierzigjährige Pragerin Nelly Tomasova besucht zum ersten Mal die Stadt, aus der ihre Mutter stammt. In der Straßenbahn zum Vorort Grinzing spricht sie einen Herrn um die sechzig an: "Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation"?
So beginnt die Begegnung zweier Menschen, aus der sich ein Gespräch entwickelt, das für den Leser bis in die Morgenstunden des folgenden Tages andauert. Die beiden sitzen im Garten eines Ausflugslokals in den Hügeln über Wien, der Abend senkt sich herab, die Nacht vergeht, der neue Morgen kündigt sich an. Nach zunächst vorsichtigen Einblicken, die beide in ihr Leben gewähren, nach allgemeinen Erörterungen über Theater, Kunst, Politik, wie Menschen sie pflegen, die einander kennen lernen, vertiefen sich die Aussagen und werden zu Lebenserzählungen. Zu Erzählungen über Liebe und Tod.Erika Pluhar ist seit ihrer Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar Schauspielerin am Burgtheater Wien. Sie ist Liedersängerin (die sich ihre Texte selbst schreibt) und hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter "Aus Tagebüchern", "Lieder", "Als gehörte eins zum andern. Eine Geschichte" und "Zwischen die Horizonte geschrieben".
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.