Mir gefiel dieses Buch von Erika Pluhar ganz besonders, weil es so viele schön erzählte Geschichten enthält und bei aller Spannung und Leichtigkeit in die Tiefe geht. Außerdem ist das Buch richtig gut gemacht, denn Erika Pluhar schrieb mit den sparsamsten literarischen Mitteln ein großartiges Buch.
Das Ganze ist vollständig in Dialogform geschrieben - auf einen Erzähler wird verzichtet - und auch die Rahmenhandlung hat man schnell erzählt: Eine ältere Dame fragt in der Straßenbahn Wien - Grinzing einen älteren Herrn nach der Endstation. Die beiden kommen ins Gespräch und erzählen sich ihr ganzes Leben, während sie im Garten eines Heurigenlokals sitzen.
Die Dialoge der beiden haben es allerdings in sich! Man kann auf Wien herunter sehen, das Essen schmecken, hört die Bäume rauschen, und man lernt viele bunte Figuren kennen, die treffend beschrieben sind. Beim Lesen stand mir alles bildhaft vor Augen. Ich spürte, daß hier jemand schreibt, der ein Leben lang auf der Bühne gestanden und Dialoge gesprochen hat. Jemand, der sich im Theater und mit Dramaturgie genauestens auskennt und die deutsche Sprache liebt. Das Buch ist eins zu eins umsetzbar in ein Hörspiel. Ich könnte es mir aber auch als Theaterstück oder Film vorstellen.
Die beiden Charaktere und ihre Leben sind ausdrucksstark und lebensvoll: Spannend und voller menschlicher Anteilnahme, entfaltet sich hier ein Panorama, das vom Prag der Vorkriegszeit reicht bis nach Afrika in die Sahelzone. Da die Zwei schon etwas älter sind - so Mitte sechzig - können sie große Gedankenbögen spannen, Schlüsse ziehen und innere Wahrheiten erkennen. Das geht nur, wenn man schon auf ein paar Lebensjahrzehnte zurückblicken kann.
Ich empfehle das Taschenbuch als Reiselektüre nach Wien - vor allem, wenn man auch das Burgtheater besuchen will. Ganz speziell eignet es sich als Geschenk für liebe Menschen ab sechzig, die dieses Buch einer Autorin aus ihrer Generation besonders schätzen werden.