Jacqueline du Pré war sicherlich eine ganz große ihrer Zunft, daran besteht überhaupt kein Zweifel und ich weiß, dass sie nach wie vor sehr viele Fans hat und ich möchte niemanden in irgend einer Form beleidigen.
Dennoch: für meinen persönlichen Geschmack enthält diese CD zu keinem Konzert eine wirklich herausragende Aufnahme. Bei Haydn ist ihr Rostropovitch meines Erachtens was Ausdruck und auch Temperament betrifft weit überlegen. Außerdem sind beide Konzerte einfach zu langsam gespielt. Außerdem scheint mir das Orchester zu groß besetzt zu sein und auch du Prés Spiel hat einfach nicht diesen Zug und diese Leidenschaft wie Rostropovitch - was das C-Dur-Cello-Konzert betrifft, gibt es eine Reihe von Aufnahmen, die zwar nicht an Rostropowitsch heranreichen, aber besser sind als die von du Pré - Sol Gabettas kann sich gar mit dem Altmeister messen. Mir ist schon klar, dass man Haydn gemeinhin in den 70er insgesamt anders gespielt hat als das heute das Freiburger Barockorchester oder das Basler Kammerorchester macht. Aber die Academy of St. Martin-in-the-fields mit Iona Brown als Konzertmeisterin hat Mitte der 70er Jahre ja auch schwungvolle und dynamische Aufnahmen geschaffen. Sicher: weder Barbirolli (D-Dur-Konzert) noch Barenboim (C-Dur-Konzert) sind jemals wirklich groß als Haydn-Experten aufgefallen.
Ähnlich verhält es sich bei Dvorák: seinem Opus 104 fehlt bei der Aufnahme von Jacqueline du Pré einfach der letzte Pepp und das liegt meines Erachtens sowohl an du Pré als auch am Orchester. Ob Rostropowitsch mit Karajan, Maisky mit Bernstein oder Capucon mit Järvi - sie alle werden diesem Stück besser gerecht.
Für Boccherini gilt ähnliches wie vor allem für Haydn.
Das Lieblingskonzert von Jacqueline du Pré soll ja das von Edward Elgar gewesen sein und das merkt man meines Erachtens. Hier kann sie mit ihrem Einfühlungsvermögen und ihrer Fähigkeit in einem Stück völlig aufzugehen brillieren. Auch die schwungvollen Passagen kommen hier besser zum Ausdruck als bei den anderen Konzerten. Sol Gabetta beispielsweise kann hier zwar gut mithalten, aber wer nun wirklich besser wäre, vermag ich für mich nicht zu entscheiden.
Insgesamt kann ich aber nicht verhehlen, dass ich von dieser Sammlung enttäuscht war. Vielleicht müsste ich Frau du Pré oder ihren Anhängern Abbitte leisten und bei genauerem Hinhören und Recherchieren liegt vieles an der Aufnahmequalität, den Dirigenten und dem Zeitgeist des damaligen Musizierens. Das kann ich nicht beurteilen. Ich respektiere die Kunst von Jacqueline du Pré zutiefst, aber diese Aufnahmen entsprechen bei vielen Stücken nur in Ansätzen meinem Geschmack, weswegen ich sie nicht wirklich empfehlen kann.