Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Verwurzelt im Land der Olivenbäume. Eine Palästinenserin im Streit für den Frieden
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Verwurzelt im Land der Olivenbäume. Eine Palästinenserin im Streit für den Frieden [Gebundene Ausgabe]

Sumaya Farhat-Naser , Dorothee Wilhelm
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Friedensarbeit – Kampf auf verlorenem Posten?

Die Palästinenserin Sumaya Farhat-Naser berichtet

In einer «unheilvollen Partnerschaft», meinte jüngst der israelische Schriftsteller David Grossmann, hätten der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon und der Palästinenserführer Yasir Arafat die Hoffnung auf einen Dialog begraben, Verzweiflung gesät und «die Lage so auf die Spitze getrieben, dass ihre Völker sich zu dem Glauben verleiten lassen, sie hätten wirklich keine andere Wahl, als sich gegenseitig umzubringen». In der Tat war die Lage in Nahost kaum je so explosiv wie zurzeit. Angst, Hass und Gewalt verdichten sich zu einem solchen Albtraum, dass es scheint, die zahlreichen Bemühungen Einzelner oder ganzer Gruppen um friedliche Koexistenz und Versöhnung seien vergeblich gewesen. In ihrem jetzt bei Lenos erschienenen Buch «Verwurzelt im Land der Olivenbäume» schildert die Palästinenserin Sumaya Farhat-Naser, wie mühselig sich der Prozess der Annäherung, der Verständigung und der gegenseitigen Respektierung israelischer und palästinensischer Frauen bei der Verwirklichung eines gemeinsamen Friedensprojektes gestaltete. Die Autorin wurde 1948 in Bir Zeit bei Jerusalem geboren. Sie besuchte ein deutsches Internat, studierte Biologie, Geographie und Erziehungswissenschaft in Hamburg und ging nach ihrer Promotion als Dozentin für Botanik und Ökologie an die palästinensische Universität von Bir Zeit. Nach fünfzehnjähriger Lehrtätigkeit übernahm sie 1997 die Leitung des «Jerusalem Center for Women». Dieses palästinensische Frauenzentrum war 1994 parallel zu dem jüdischen Frauenzentrum «Bat Schalom» (Tochter des Friedens) gegründet worden. 1989 und 1992 hatte das jüdische Kulturzentrum von Belgien israelische und palästinensische Frauen zu einem Gedankenaustausch nach Brüssel eingeladen. Daraus entwickelte sich die Idee, ein Gemeinschaftswerk für den Frieden zu errichten. So entstanden die beiden Frauenzentren, die unabhängig voneinander Kultur- und Bildungsprogramme anboten, darüber hinaus unter dem Namen «Jerusalem Link» gemeinsame Veranstaltungen zum gegenseitigen Kennen- und Verstehenlernen organisierten. Aus der engen Zusammenarbeit zwischen israelischen und palästinensischen Frauen, dem gemeinsamen Engagement für «einen gerechten und dauerhaften Frieden», entstand 1996 eine erste, 1999 eine zweite «Jerusalem-Link-Deklaration». Die darin genannten Forderungen gehen weit über die Osloer Abkommen von 1993 und 1995 (Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der Palästinenser und Legitimität einer nationalen Heimat für das jüdische Volk) hinaus. Beispielsweise werden die Schaffung zweier Staaten und die gleichberechtigte aktive Partizipation der Frauen verlangt. Hinsichtlich des Status von Jerusalem – ein Punkt, der bei den Verhandlungen zwischen PLO und israelischer Delegation als zu heikel erst einmal ausgeklammert blieb – kam es zur Einigung auf die Forderung: «Die Stadt Jerusalem: zwei Hauptstädte für zwei Staaten.» Gemeint war damit die Vision einer «offenen Stadt», die zwei Völkern, zwei Nationen als Hauptstadt dient. Dafür warben Friedensaktivistinnen bei ihrer «Sharing Jerusalem»-Kampagne im Juni 1997 anlässlich des 30. Jahrestages der israelischen Besetzung Ostjerusalems. Dabei wurden immer wieder vorgebrachte Bedenken und Probleme diskutiert – beispielsweise die Sorge, mit dem Bau israelischer Siedlungen im Osten Jerusalems werde eine künftige palästinensische Hauptstadt Ostjerusalem unmöglich gemacht. Die offene Diskussion der erdrückenden Schwierigkeiten war ein schmerzlicher Prozess. «Ich muss zugeben, dass es in solchen Momenten tröstlich und sogar befriedigend war, die andere Seite über ihre Sorgen und Nöte reden zu hören [. . .] ‹Teilen wir die Depression›, sagte ich manchmal, und alle lachten.» Die Aktionswoche «Sharing Jerusalem» wurde zu einem grossen Erfolg. Es gab Podiumsdiskussionen und eine internationale Konferenz unter Teilnahme von Delegierten aus Europa und Amerika. Konterkariert wurden die Bemühungen der Friedensaktivistinnen beider Völker durch die bekannten Provokationen und Gewalttätigkeiten von israelischer wie palästinensischer Seite. «Wären wir die politische Führung», schrieb Gila Svirsky, die Leiterin von Bat Schalom, im Dezember 2001 an Sumaya Farhat-Naser, «würden wir uns niemals – auch dann nicht, wenn wir nicht übereinkämen – auf solche Gewalttaten und auf die rassistische Sprache einlassen, die den Konflikt seit Jahren charakterisieren. Das Leiden auf beiden Seiten ist ungeheuerlich, und es wird durch diese Politik fortgesetzt.» Doch trotz der Übereinstimmung in der Ablehnung physischer Gewalt, der Bereitschaft zur Verständigung und der Suche nach gemeinsamen politischen Lösungen kam es zum Abbruch des offiziellen Dialogs zwischen israelischen und palästinensischen Friedensfrauen. Auf den Ausbruch der Al-Aksa-Intifada reagierten Svirsky und Farhat-Naser mit einer «Frauen in Schwarz»-Demonstration, bei der die beiden ein Transparent mit der Aufschrift «We refuse to be enemies» trugen. Aber Krieg und Terror haben inzwischen selbst private Initiativen zunichte gemacht. Waren all die von Farhat-Naser geschilderten Friedensaktivitäten also umsonst? Sicherlich weniger umsonst als Krieg und Terror. Die Trümmer eines Schlachtfeldes und die Traumata der Überlebenden können schwerlich als Erfolg bezeichnet werden. Für das einstweilen abgebrochene Unternehmen der palästinensischen und israelischen Friedensaktivistinnen dagegen gilt Sumaya Farhat-Nasers Feststellung: Sind die Konflikte erst einmal diskutiert und niedergeschrieben, «sind sie wie Stoffreste, aus denen der Flickenteppich Frieden hergestellt werden kann». Renate Wiggershaus

Kurzbeschreibung

Dieses Buch vermittelt Einblicke in die pal„stinensische Gesellschaft, ihre politischen und sozialen Srukturen. Es berichtet zudem ber pal„stinensisch-israelische Frauen-Friedensarbeit, dokumentiert Konfliktgespr„che und analysiert die gegenseitigen Geschichtsmythen und ihre Wahrnehmung.

Über den Autor

Sumaya Farhat-Naser, geboren 1948 in Birseit bei Jerusalem. Studium der Biologie, Geographie und Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg. Promotion in Angewandter Botanik. Seit 1982 Dozentin für Botanik und Ökologie an der Universität Birseit in Palästina. Mitbegründerin und Mitglied zahlreicher Organisationen, u.a. von Women Waging Peace an der Harvard-Universität und von Global Fund for Women in San Francisco. Von 1997 bis 2001 war Sumaya Farhat-Naser Leiterin des palästinensischen Jerusalem Center for Women. Sie lebt in Birseit.
‹  Zurück zur Artikelübersicht