Der Titel "Verwundete Männer" ist zunächst etwas irreführend, da die "Verwundungen", die Männer in westlichen Industriegesellschaften "erleiden", nur am Rande erörtert werden. Wie der Untertitel verdeutlicht, geht es um die "vaterlose" Kultur, wobei der Autor sehr intensiv die psychologische und soziale Vaterlosigkeit analysiert. Besonders beeindruckend ist, dass Detlef Ax bereits im Einleitungskapitel den Mythos vom "überflüssigen" Vater entlarvt. Dabei erteilt er radikal-feministischen Theorien wie beispielsweise Anita Heiligers "Alleinerziehen als Befreiung" eine ebenso klare Absage wie der unverständlicherweise hochgelobten Theorie von der "hegemonialen Männlichkeit"(Robert Connell). Detlef Ax faßt die umfangreiche Literatur zu Ursachen und Folgen von Vaterlosigkeit gut zusammen und liefert auf diese Weise einen gut lesbaren Text zu einem komplexen Thema. Dabei knüpft er an klassische Texte wie Mitscherlichs "Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft" an und interpretiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlichen Tendenzen.
Es wäre gut gewesen, wenn die Endfassung des Buches überarbeitet worden wäre. Leider sind einige Quellen nicht ganz klar, ferner verwirren die zahlreichen Angaben zu Gliederunspunkten im Text. Dennoch: Das Buch sollte Pflichtlektüre für angehende Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen sein.