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Die Verwirrungen des Zöglings Törleß.
 
 
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Die Verwirrungen des Zöglings Törleß. [Unbekannter Einband]

Robert: Musil
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Produktinformation

  • Unbekannter Einband
  • Verlag: Reinbek. Rowohlt Taschenbuch Verlag. 1966. (1966)
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B0042O6FTA
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (35 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.355.051 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
'Die Verwirrungen des Zöglings Törleß' ist der erste Roman des Autors Robert Musil (1880 bis 1942) und erschien 1906. Die Geschichte spielt in einer österreichischen Militärerziehungsanstalt, von welcher Art sie auch Robert Musil Ende des 19. Jahrhunderts besuchte. Man kann also davon ausgehen, dass der Autor seine Erlebnisse in diesem Buch verarbeitet.

Protagonist des Buches ist der in seine eigene Welt vergrabene Zögling Törleß. Mit seinen Mitzöglingen Beineberg und Reiting entwickeln sie Spaß an der Gewalt, indem sie die Situation genießen, Basini, einem weiteren Zögling, der sie bestohlen und hintergangen hat, Herr sein zu können, damit sie ihn nicht auffliegen lassen, und anfangen, ihn zu quälen und sexuell zu missbrauchen. Faszination an Gewalt und Folter spielt eine große Rolle in diesem Roman, ebenso die gesellschaftliche Aufnahme der Homosexualität zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als diese noch relativ verpönt war. Wir haben es hier mit einem grundlegenden menschlichen Phänomen zu tun, nämlich dem Genuss, vollkommen gewissenlos Macht über andere Menschen ausüben zu können, ohne dabei vor den schändlichsten Verhaltensweisen halt zu machen und eine Bestrafung von noch höherer Stelle befürchten zu müssen.

Auch wenn Sadismus und Homoerotik zentrale Rollen spielen, heißt dies jedoch nicht, dass der Roman von anzüglichen Praktiken strotzt - diese werden weder glorifiziert, noch angedeutet gelassen, sondern so geschildert, wie sie die Charaktere im Buch wahrnehmen.

Musil liefert mit seinem Roman eine erschreckende Charakterstudie ab, die die Aspekte der Musil'schen Psychologie darstellt: Verhalten in Extremsituationen und das Vergessen der Ethik in Konfrontation mit diesen. Anhand des Zöglings Törleß und seinen Gedanken wird das Aufeinanderprallen der Moral der damaligen Gesellschaft und der Versuchung auf eine exzellente Weise dargestellt. Beschreibungen der Gefühle über mehrere Seiten und seltene Dialoge sind daher vorherrschend, was zudem auch wenig Handlung zulässt. Metaphorisches Schreiben und Monologe im Vordergrund mögen nicht jedem Leser liegen.

Insgesamt kann man deutlich sagen, dass es kaum eine erschreckendere Studie über solche Handlungsweisen und Gründe dafür gibt, wie in diesem Roman, vor allem nicht aus dieser Literaturepoche. Kritiker mögen Musils Darstellungen durchaus als 'krankhaft' bezeichnen, aber beim näheren Hinschauen lassen sich Abgründe menschlichen Handelns ausmachen, die durchaus wichtige Untersuchungspunkte für die Psychologie sind. Musil scheint Bewunderer Freuds und seiner Psychoanalytik gewesen zu sein, denn seine Ausführungen zeugen davon, dass er sich intensiv mit dem Wissensstand der Psychologie des beginnenden 20. Jahrhunderts befasst hat. Dass Musil nicht die Mechanismen des nahenden Faschismus andeuten wollte, dürfte aufgrund der Zeit des Erscheinens des Romans nicht möglich gewesen sein, passt allerdings dennoch ins Schema; nach dem heutigen Wissensstand kann man dies jedenfalls sagen.

Für Törleß war "Ja" die Antwort auf die Frage, ob der Mensch ein Abgrund sei. Wer sich von einer Reise durch die Abgründe des Menschseins nicht abschrecken lässt, sondern vielmehr sich dafür interessiert, was in einem Menschen vorgehen kann, der derartige Dinge tut, wie es dazu kommen kann, wie sich eben diese 'Verwirrungen des Zöglings Törleß' abspielen, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Weltliteratur 24. April 2003
Format:Taschenbuch
Den anfangs zähen Einstieg in die Lektüre macht Musil mit seinem - für ein solch komplexes Gebilde aus Handlung und philosophischen Ausschweifungen - erstaunlich einfachen Schreibstil wieder wett. Nicht nur dass hier die Psyche eines pubertierenden Zöglings zu Zeiten des Kaiser- und Königreiches Österreich/Ungarns akribisch genau dargestellt wird, nein, durch die inneren Monologe von Törless wirft der Autor existenzielle Fragen zum Sein, Denken und Handeln - der Seele des Menschen - auf.

Konnte mich das Buch anfangs nicht so recht begeistern, zog es mich dafür später um so mehr in seinen Bann. Die zeitweilen spannende Handlung über die Zöglinge Beineberg, Reitling und Törless auf einem abgeschiedenen Konvikte, die ihren Schulkameraden Basini erpressen und sich an ihm vergehen, treibt zum Weiterlesen an.
Die eher unübliche Offenheit zu dem Thema Homosexualität aber auch gegenüber philosophischen Fragen zu Musils Lebzeiten lassen das Buch noch spektakulärer erscheinen.
Für den geneigten Leser ist dieses Stück Weltliteratur ein Muss, nach kurzem Einlesen sollte dieses Buch aber jedem Spaß machen.

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Kein Unterhaltungsroman 25. Februar 2009
Von cyberhog
Format:Taschenbuch
Der Roman "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" wurde von Robert Musil geschrieben und erschien 1906 im Wiener Verlag. Dieser Roman stellt Musils Anfänge in seiner Schriftstellerkarriere dar.

Der Roman handelt von dem Zögling Törleß, der von seinen Eltern in ein Internat geschickt wird. Dort angekommen, wird Törleß von Sehnsucht und Heimweh geplagt. Er vermisst seine Eltern und schreibt ihnen regelmäßig Briefe. Er lernt bald, das Schreiben als Hilfsmittel gegen seine Probleme einzusetzen.
Er schließt sich Beineberg und Reiting an, was Törleß nicht als Freundschaft, sondern eher als Zweckverbindung sieht. Beineberg und Reiting fangen bald damit an, einen weiteren Zögling, Basini mit Namen, wegen Diebstahls zu quälen. Dabei kommt es oft zu gewalttätigen und auch sexuellen Handlungen.
Törleß versucht währenddessen auf psychologischer Ebene von Basini zu lernen und hinterfragt dessen Zustand. Da sich Törleß aber in einer Sprachkrise befindet, kommt er auch in diesem Punkt auf keine Lösung. Das Problem, sich nicht ausdrücken zu können, endet für Törleß schließlich damit, dass er das Konvikt verlässt. Dennoch hat sich Törleß am Ende des Romans seelisch weiterentwickelt.

Autor Robert Musil selber besuchte damals verschiedene Kadettenanstalten. In "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" verarbeitete Musil viele seiner Erfahrungen, sodass man hier durchaus von einem Roman mit autobiographischen Elementen und Zügen sprechen kann.

Für diesen Roman gibt es sehr viele verschiedene Interpretationsansätze. Manche bezeichnen ihn als Entwicklungsroman und reine Studie über die Pubertät eines jungen Menschen.
Es gibt auch die Theorie, dass Robert Musil hier eine Vordeutung auf die Diktatur des deutschen Reiches gibt.
So würde Basini in diesem Falle die Rolle des Juden einnehmen, Beineberg und Reiting die der Diktatoren und Törleß wiederum stünde charakteristisch für das deutsche Volk, das die Möglichkeit gehabt hätte, zu erkennen, aber nichts unternommen hat.

Insgesamt fand ich das Buch in Ordnung. Es ist allerdings schwer, Törleß' Verwirrungen und Gedankengänge direkt zu erkennen und zu analysieren. Dieser Roman ist kein Buch, das man einfach herunterlesen kann und direkt beim ersten Mal versteht, man braucht viel Zeit und muss einige Passagen bei Bedarf mehrmals lesen. Philosophie und Psychologie finden in diesem Roman sehr viel Platz, was den Roman im Großen und Ganzen lesenswert macht.
Ich würde den Roman weiterempfehlen, da es direkt mehrere interessante Punkte beleuchtet: sei es die in diesem Roman deutlich werdende Sprachkrise, die Findung eines Menschen in der Gesellschaft oder das Schildern der Tücken der realen Welt.
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