Hochgelobt wird dieses Buch, weil es angeblich so anders sei und nicht der - angeblich - üblichen Selbstdarstellung eines strahlenden Siegers folge. Die Geschichte eines Menschen sei das Buch laut Umschlagtext, und tatsächlich dieser Mensch - Robert Rauch - präsentiert uns mehrere Gesichter, die es kritisch zu beleuchten gilt.
So kann man in Robert Rauch einen Asozialen sehen, im Sinne der modernen Nutzung des Begriffe, also laut Duden jemanden, der sich nicht in die Gesellschaft einfügen kann. Tatsächlich zieht sich diese Seite des Autors wie ein roter Faden durch das Buch - angefangen von seinem Rausschmiss bei der Bundeswehr bis hin zu laufenden Streitereien mit Zeitgenossen und Schimpftiraden über den verzivilisierten Menschen und Touristen.
So mancher Sozial- und Bergromantiker mag in Rauch darin den alpinen Robin Hood sehen. Vielleicht weist der Autor aber auch nur ein schlicht soziophobes Verhalten auf, das ihn schon in jungen Jahren in die Berge trieb. Dort findet Rauch das, was er für ein seelisches Gleichgewicht hält. Tatsächlich ziehen sich die Tiraden über seine Einsamkeit, die kalte und brutale Gesellschaft durch das ganze Buch. Der Höhepunkt findet sich in einer wüsten Beschimpfung Deutschlands und der Deutschen.
Wenn auch manches an der Kritik Rauchs richtig sein mag, so liest sich das Buch teils wie das Protokoll einer Therapiesitzung. Es mag letztlich Ironie des Schicksals sein, dass wohl jene, die Rauch so verteufelt, idR die Käufer seines Buches sind. Die Frage, warum der so publicityscheue und gesellschafts- & systemverachtende Rauch letztlich ein Buch geschrieben hat, erspare ich mir.... Ein Stern.
Dann gibt es den liebevollen, hochsensiblen Robert Rauch, der einen unglaublichen Bezug zur Natur hat. Wo immer diese Textpassagen auftauchen, ist mir Rauch hochsympathisch, und ich lese das Buch mit Begeisterung. Gerade hier ist es verblüffend, wie brilliant Rauch seine Gedanken und Gefühle formulieren kann. In der Hoffnung, dass der Autor keinen Ghostwriter nutzte, zeigt sich hier Robert Rauch als ein Meister des Wortes mit unglaublicher inhaltlicher Tiefe. Fünf Sterne!
Und zuletzt gibt es noch den Bergsportler Robert Rauch, der uns das Werden eines Könners vor Augen führt, der nie Könner um des Ruhmes willens werden wollte. Er wurde es durch seine Liebe zu den Bergen und/oder persönlichen Zwänge.
Unglaublich, was dieser Mann alles geleistet hat - körperlich und geistig. Dankbar legt man dieses Buch zur Seite, denn Rauch verdient es absolut, dass die Welt sein Können bewundert. Klettern als Kunstform und nicht Publicity! Fünf Sterne!
Zusammenfassend muss man dem Umschlagtext des vorliegenden Buches rechtgeben. Es ist die Geschichte eines Menschen - mit seinen herausragenden Stärken aber auch Schwächen..... Drei Sterne als gewichtestes Ergebnis obiger Betrachtungen.