Pressestimmen
Verwandlungen: Linda Entz und die Freude am überraschenden Ende von Ralf Julke, Leipziger Internetzeitung, 20.08.2010 Es gibt sie tatsächlich, diese kleinen Überraschungen am Südhang des Dormes, wo ein Dorf malerisch dicht an der Schunter liegt. 485 Einwohner hat das Dorf Groß Steinum. Und wie sich das gehört, ist es ein Ort voller Sagen. Und eine richtige Geschichtenerzählerin hat es auch. Es ist die Fliesenlegermeisterin. Linda Entz heißt sie, 35 Jahre jung. Geschrieben hat sie schon, seit sie acht Jahre alt war. So geht das los. Und dann nimmt man an Wettbewerben teil, veröffentlicht hier und da mal was in Anthologien. Und irgendwann, wenn man fleißig sucht, findet man in einem anderen großen Dorf an der Pleiße einen kleinen Verlag, der die Geschichten als Buch veröffentlicht. Dieses Dorf heißt nun Leipzig, der Verlag ist der fhl Verlag. Und die 17 Texte im Band »Verwandlungen« verraten eines: Lindas Wohnzimmer ist vollgestellt mit den großen Erzählungen der Weltliteratur. Oder Groß Steinum hat eine besonders gut geführte Dorfbibliothek. Die Fliesenlegermeisterin ist eine Leseratte. Und am meisten liebt sie das Skurrile, Überraschende, Unverhoffte. Solche Dinge also, wie sie Henry Slesar schrieb oder Dino Buzzati oder Rudyard Kipling. Geschichten mit Augenzwinkern. In manchen ihrer Geschichten spielen die Bücher selbst die Hauptrolle. Wie in »Durch die Wand«, in der sich die Bibliothek des Herrn van Kampe als ganz ähnlich weltoffen entpuppt wie etwa die Bibliothek in der Unsichtbaren Universität an Ankh Morpork. Mit ein bisschen Phantasie kann man buchstäblich durch die Wand gehen und quer durch die Geschichten laufen. Man begegnet fechtenden Musketieren, Königen in Kutschen, einem reisenden Zirkus und muss im Schrank schlafen, weil augenscheinlich zwischen den Geschichten ein heftiges Hin und Her herrscht. Was nicht heißt, dass man wieder zurück kommt. Da und dort wird's auch ein klein wenig kriminell. »Das siebte Opfer« wird für den Messer-Mörder nicht so recht fassbar. Und in »Arbeitsteilung« gibt's endlich mal einen Toten, der augenscheinlich alle Schikanen verdient hat, die ihm nach seinem unverhofften Ableben widerfahren. Und das wird echte Handarbeit. Manche Geschichten sind einfach fröhlich auf den Plot hin geschrieben - wie die über den Juwelier, der seine künftigen Schwiegereltern mit besonders tollen Verlobungsringen erfreuen will - oder soll. Es gibt schon seltsame Nöte in der Welt des gepflegten Standesdünkels. In »Fußball im Kopf« bekommt der fußballvernarrte Wohnungsgenosse ein unübersehbares Problem. Manche Geschichten sind - wie »Übergänge« - nur so hingetupft. Das Element der Phantasie darf sich kurz und flüchtig ein Stück der Realität schnappen, die auch bei Linda Entz nicht immer nur die stets freundliche des neuen deutschen Märchenwaldes ist. Man merkt schon, dass sie bei ihrem Leben als Fliesenlegerin eine Menge mitbekommt von den Sorgen der Welt und den Nöten der Menschen. Wie geht man mit seiner Einsamkeit um, wenn man nicht gelernt hat, die Höhle zu verlassen? Das scheint auch jungen Leuten zu passieren: Man hat endlich so etwas wie Weggefährten gefunden in der Studenten-WG - und dann wollen sie ausziehen. Was tun? Ein leckeres Pilzgericht könnte die Lösung sein. Es geht bunt durcheinander in den Geschichten von Linda Entz. Manche sind nachdenklich und ein bisschen romantisch. Andere sind voller Abgründe und mit Finesse auf einen kleinen, bösen Plot hin geschrieben. Alle sind unterhaltsam. Und keine ist von dieser gepflegten Schwermut, in der die meisten Kurzgeschichten-Wettbewerbe in Deutschland ersaufen. Es geht bunt durcheinander in den Geschichten von Linda Entz. Manche sind nachdenklich und ein bisschen romantisch. Andere sind voller Abgründe und mit Finesse auf einen kleinen, bösen Plot hin geschrieben. Alle sind unterhaltsam. Und keine ist von dieser gepflegten Schwermut, in der die meisten Kurzgeschichten-Wettbewerbe in Deutschland ersaufen. Also kein Wunder, dass sie im fhl-Verlag gelandet ist, der mit sichtbarer Sorgfalt nach Talenten Ausschau hält und sie tatsächlich jenseits der ganzen Wettbewerbs-Tollhäuser findet. Menschen, die tatsächlich Geschichten erzählen können und denen es Spaß macht, ihre Leser zu unterhalten. Und Linda Entz ist so ein Beispiel für eine talentierte Kurzgeschichtenerzählerin.
Kurzbeschreibung
Das Erstlingswerk der Nachwuchsautorin Linda Entz kommt leicht und unbeschwert daher. Die Erzählungen verweilen im Zugänglichen, auch wenn einigen von ihnen der Hang zum Grotesken nicht abgesprochen werden kann oder sollte. Abgerundet werden sie durch Illustrationen, die ebenfalls von der Autorin stammen.
Allen Geschichten liegt das Thema der Verwandlung zu Grunde, die jeweils so mannigfaltig dargestellt ist, wie das Leben selbst sich zu zeigen pflegt. Ob es sich dabei nur um eine Situation handelt, die unvermutet sich wandelt, oder ob eine regelrechte Metamorphose den Protagonisten heimsucht - es sind immer Änderungen, die den Leser fesseln und unterhalten wollen.
Allen Geschichten liegt das Thema der Verwandlung zu Grunde, die jeweils so mannigfaltig dargestellt ist, wie das Leben selbst sich zu zeigen pflegt. Ob es sich dabei nur um eine Situation handelt, die unvermutet sich wandelt, oder ob eine regelrechte Metamorphose den Protagonisten heimsucht - es sind immer Änderungen, die den Leser fesseln und unterhalten wollen.
