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Verteidigung des Privaten
 
 
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Verteidigung des Privaten [Gebundene Ausgabe]

Wolfgang Sofsky
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 158 Seiten
  • Verlag: Beck; Auflage: 1. A. (23. August 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406562981
  • ISBN-13: 978-3406562983
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 424.539 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Wolfgang Sofsky
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Privatheit ist der Kern persönlicher Freiheit. Sie muß gegen den Zugriff staatlicher Macht ebenso verteidigt werden wie gegen Übergriffe aus der Gesellschaft. Prinzipien wie Sicherheit, Gleichheit oder soziale Gerechtigkeit werden zunehmend gegen das Recht auf Privatheit in Stellung gebracht. Wuchernde Bürokratien, Obrigkeitsdenken, aber auch gedankenlose Bequemlichkeit und mediale Geltungssucht untergraben den Sinn für den Wert des Privaten. Wolfgang Sofskys Streitschrift weist über die aktuelle Debatte um Überwachung, Sicherheit und Datenschutz weit hinaus. Entschieden plädiert sie für den Wert aller Freiheiten des Individuums. Nicht erst seit den letzten Terroranschlägen ist die Freiheit der Bürger durch patriotische Sicherheitsgesetze gefährdet. Die Abgrenzung einer privaten Eigensphäre ist eine Aufgabe, vor die sich das menschliche Gattungswesen in jeder Zivilisation gestellt sieht. Denn Privatheit ist der Kern persönlicher Freiheit. Sie markiert eine strikte Barriere gegen jedwede soziale und politische Macht. Die Selbstbehauptung des Individuums beginnt mit dem Schutz vor unerbetener Berührung und Belästigung, vor Glaubens- und Gefühlskontrollen und reicht über intime Geheimnisse bis zur Verteidigung eigener Handlungsräume. Wolfgang Sofsky untersucht die wichtigsten Aspekte der privaten Existenz: Körper und Raum, Information und Eigentum, Religion und Gedankenfreiheit. Dem Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Sicherheit und Wohlstand, so die These, wird das Recht auf Privatheit heute leichtfertig geopfert. Der moderne Staat sucht das Denken zu formieren, Unterschiede einzuebnen und die "gläsernen Untertanen" an eine öffentliche "Anstaltsordnung" anzupassen. Für vermeintlich höhere Zwecke und Pflichten sollen sie auf ihre Privatsphäre sogar freiwillig verzichten. So weit reichen mittlerweile die Ansprüche von Staat und Gesellschaft, daß das Beharren auf Eigensinn als sozialer Verrat erscheint. Doch Privatheit gewährt jedem das Recht, in der Öffentlichkeit unerkannt zu bleiben und sein eigenes Wohl zu erstreben, und zwar auf die ihm eigene Weise.

Über den Autor

Wolfgang Sofsky, geboren 1952, lehrte als Professor für Soziologie an den Universitäten Göttingen und Erfurt. Seit 2001 arbeitet er als Privatgelehrter, Autor und politischer Kommentator. 1993 erhielt er den Geschwister-Scholl-Preis. Seine Bücher wurden vielfach übersetzt. Seine Essays sind regelmäßig in der deutschsprachigen Presse zu lesen und im Rundfunk zu hören.

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Format:Gebundene Ausgabe
Wolfgang Sofsky Verteidigung des Privaten

C.H.Beck ISBN 3406562981

Privatheit ist der Kern persönlicher Freiheit!

Dieses Motto könnte dem Buch von Wolfgang Sofsky vorangestellt werden.
Mit einem fulminanten Eingangskapitel eröffnet er seinen als Streitschrift bezeichneten Essay über die Verteidigung des Privaten.

Man stelle sich vor, ein Vater fährt seinen Sohn in den Kindergarten. Anschließend fährt er ins Büro, erledigt seine Arbeit am Computer, holt die Ehefrau am Abend vom Bahnhof ab und kehrt nach dem Einkauf nach Hause zurück.
Alleine diese ganzen Vorgänge sind durch Kameras, Funküberwachung, Internetbenutzung und Chipkarten dokumentiert.

In öffentlichen Bussen und Einrichtungen ist man beständig Zeuge privater Kommunikation. Sofsky moniert mit seinen Beispielen den Verlust des Privaten: < Die vulgäre Sucht nach kurzfristiger Prominenz beschleunigt die Zerstörung des Privaten>, und die meisten Menschen merken es nicht einmal.........

In den folgenden Kapiteln gibt Sofsky einen umfassenden und klaren Überblick über das, was man unter Privatheit zu verstehen hat.

Privatheit wurde in der Geschichte der Menschheit schon zu Urzeiten praktiziert. Es gab Grenzen der Scham, die nicht zu überschreiten waren. Mit dem Wandel der Gesellschaft änderten sich auch die Regeln des Privaten.

Über Rückblicke in die Gesellschaft der Renaissance bis zur französischen Revolution reichen die Betrachtungen, in denen Sofsky die jeweilig geltenden Regeln der Privatheit abhandelt.

Der Pervertierung der Macht in Diktaturen und Polizeistaaten in jüngster Zeit, die zu extremem Verfall der Privatheit geführt hat, gelten seine weiteren Ausführungen. Der innere Widerstand der Menschen wurde gebrochen; der allgegenwärtigen Überwachung, Verfolgung und Denunziation konnte kaum einer entgehen.
Heute werden in Demokratien mit den Schrecken des Terrors Normen und Gebote ständig verschärft, so dass durch Reglementierungen das Private mit Beschränkungen belegt wird. Mit einleuchtenden Beispielen kann Sofsky seine Thesen untermauern.

Sofsky zeigt auf, er diskutiert nicht. Das Dilemma von Terror und Einschränkungen des Privaten ist nicht Thema seiner Streitsschrift.

Ein ganzes Kapitel ist Freiheit und Privatheit gewidmet.
Fürsorgliche Eltern, misstrauische Verwandte, neugierige Nachbarn und selbsternannte Moralprediger gelten neben vielen anderen als Heer der Eindringlinge in die Privatsphäre.
Anonymität ist nur gewährleistet, wo das soziale Netz nicht zu engmaschig ist.

Über private Freiheiten, wo sie beginnen und wo sie enden, ist in diesem Büchlein vieles zu erfahren.
Im zweiten Teil werden ausführlich allgemeine kulturanthropologische Themen abgehandelt.

Sofsky ist Soziologe. Er deckt gesellschaftliche Zusammenhänge auf und analysiert sie. Schlüsse muß der Leser selber ziehen.

Das Buch ist in seiner Substanz so gewichtet, dass es unmöglich ist, alle Aspekte hier zu bedenken.

Neben dem Buch von Richard Sennet: Verfall und Ende des öffentlichen und privaten Lebens scheint mir dieses kleine Buch in der Komprimierung alle wesentlichen Themenkreise des Privaten zu berühren.
Es liest sich leicht und flüssig und ist für den aufgeschlossenen Leser von hohem Interesse.
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11 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Überwacht und schlaflos 3. November 2007
Von Bernhard Horwatitsch VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Der zunehmend restriktiver werdende Überwachungsstaat und die immer distanzloser werdenden Einmischungen der Politik in das Leben der Menschen, macht Sofskys "Streitschrift unumgänglich. Sofskys etwas naive Anschauungen zum Kapital (das er noch "Eigentum" nennt), kann ich nicht teilen. Die Tatsache, dass sich in Deutschland ein Vermögen von 100 Milliarden Dollar auf grade mal zehn Menschen verteilt, ist ein dramatisches Ungleichgewicht und hat mit Privatheit nichts mehr zu tun. Hier gilt es also nicht, das Private zu verteidigen, sondern das System zu kritisieren. Das führt nicht zwangsläufig zum Verlust des Privaten. Ansonsten ist das Buch von Sofsky eine spannende Lektüre. Sätze wie: "Wie jede Freiheit garantiert auch die Privatheit nicht das moralisch Gute. ...Das Erstaunen über die banalen Präferenzen vieler Privatleute beruht auf der Verwechslung von Freiheit und Moral. Freiheit ist keine Tugend, sondern die Voraussetzung aller Tugend", oder "Eine vollständig überwachte Gesellschaft wäre eine schlaflose Gesellschaft", das sind starke Aussagen. Eine sehr wertvolle Lektüre also in Zeiten der prohibitiven Politik, der zunehmenden Zensur und auch Selbstzensur.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Mit grosser sprachlicher Eleganz, klirrender Klarheit und Selbstsicherheit wettert der Autor gegen den Staat, dem allmächtigen Moloch, der unsere Privatsphäre - und damit uns - im Würgegriff hält. Mit gleicher Vehemenz mag der Heilige Origenes seine Liebe zu Gott ausgesprochen haben, als er Hand an sich legte. In der Suche nach dem Essentiellen werden auch hier ganze Teile der Wirklichkeit wegrasiert. Die Geschichte des Eigentums wird in Kap. 8 kurzerhand durch: "Am Anfang war der Fleiss" ersetzt, womit gerade auch das Problem der Gerechtigkeit elidiert wird. Unsere evolutionär entstandenen Affinitäten und Empathien weichen einer atomistischen Sicht des selbstgenügenden Individuums - als ob wir nicht "soziale Wesen" wären (Aristoteles). Und im rhetorischen Hochflug wird "Umverteilung" mit "Gleichverteilung" gleichgesetzt - das ist wohl im Grunde genommen doch das Gleiche.

Prof. Sofsky's früheres Werk: "Traktat über die Gewalt" war tiefgründig und höchst vorzüglich. Dieses Werk zeugt einer unbändigen Wut - gleichzeitig aber mangelden Sinns für das Wesentliche.

Extrem libertäre Positionen, wie sie Prof. Sofsky hier verteidigt, haben in den USA ihren Ursprung. Jefferson argumentierte zugunsten des Rechts eines Gleidstaates und des Individuums, sich gegen "ungerechte Gesetze", wenn nötig mit Kraft, zur Wehr zu setzen - das Schlüsselwort hiess damals "nullification". Calhoun hat später dieses Argument weiterentwickelt. Was war der historische Zusammenhang? Die Sklaverei - die Sklaven waren ja Eigentum, und dieses Reichtum wollte man um keinen Preis dem Staat preisgeben. Deshalb wollte man der Emanzipation durch das Recht auf Sezession einen Riegel schieben.

Schutz und Sicherheit sind für Prof. Sofsky die einzig legitimen Aufgaben des Staates - nicht die Umverteilung oder die Regulierung des gesellschaftlichen Lebens. Die Wahrnehmung gerade dieser Kernaufgaben führt aber zur heute gefährlichsten Attacke gegen die Privatsphäre und die Freiheit. Wie Prof. Sofsky selbst sagt: "Das Programm der Prävention ist uferlos". Seit bald zehn Jahren haben die meisten westlichen Staaten im Rahmen eines vermeintlichen "Krieges gegen den Terror" es unternommen, vorsorglich sich über jeden Bürger eine Meinung zu machen: Alles mögliche wird über ihn gesammelt, in Grosskomputern gespeichert, und auf Grund von geheimen Programmen aufgearbeitet. Niemand hat Zugang zu diesen Daten, die oft jenseits der Grenzen gespeichert werden, und sicher nicht zu den Elaboraten. Eine Beweisumkehr hat in grösstem Masse stattgefunden: Der Bürger hat pro-aktiv durch sein Verhalten tagtäglich zu beweisen, dass er nicht ein Gesellschaftsrisiko ist oder sein wird.

Der Elephant steht im Wohnzimmer: Den gegenwärtigen Angriff auf die Privatsphäre - begründet mit "Schutz und Sicherheit" - scheint Prof. Sofsky vor lauter Wut auf den staatlich geförderten Egalitarismus zu übersehen. Schade.

Ah ja - und Prof. Sofsky hat über die Angriffe der privaten Medien-Moloche Rupert Murdoch oder Silvio Berlusconi auf die Informationsfreiheit kaum Wesentliches zu berichten, obschon deren Machenschaften viel gefährlicher sind als die groben Methoden eines totalitären Systems.
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