Niemand kann wissen, was die Zukunft bringt. Ungewissheit über die Zukunft ist eine der Konstanten des Lebens. Jeder Mensch ist dieser Ungewissheit unterworfen. Wolfgang Kersting argumentiert, dass der Staat die menschengemachte Einrichtung ist, auf Grund derer die Menschen ihre in der Gegenwart wurzelnden Überlebensanstrengungen überwinden und sich der Zukunft zuwenden können. Erst die durch den Staat vorzunehmende Sicherung der Lebensvoraussetzungen erlaubt die Sorge um mehr als das bloße Überleben. Existenzielle Notlagen wirkten sich limitierend auf die Ausübung der Freiheitsrechte aus und seien somit ein Hindernis für die selbstbestimmte Lebensführung. Kersting rührt in Erfüllung der sich selbst gesetzten Aufgabe, wirtschaftlichen Freiheit und sozialen Ausgleich zusammenzubringen, kräftig in der Suppe positiver und negativer Freiheit. Fett und Wasser lassen sich indes nicht mischen und auch ein Sozialstaat kann die Ungewissheit über die Zukunft nicht beseitigen. Kerstings Verteidigung des Liberalismus ist daher besser beschrieben als eine Verteidigung des status quo, denn als eine Verteidigung der liberalen Lehre. Sie kümmert sich um all die lieb gewonnenen Konzepte, die wiedergängerisch seit Jahren als Phrasen die Münder von Politikern und als wortreiche Essays die Feuilletons verstopfen. Chancengleichheit, bessere Bildung, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Wachstumspolitik, in Form des Sozialstaats manifestierte soziale Gerechtigkeit und gar das Bürgergeld sind für Kersting schwer verzichtbare Bestandteile des Liberalismus oder doch wenigstens mit diesem vereinbar. Der gelehrte Kersting reitet, obwohl es ihm sicher an den intellektuellen Gaben hierzu nicht mangeln würde, keinen kühnen Gegenangriff zur Rettung des Liberalismus, sondern begnügt sich mit einem mutlosen Rückzugsgefecht. Wenn das alles ist, was die Verteidiger des Liberalismus zu bieten haben, dann ist der Krieg schon verloren.