Eine alt gewordene jüdische Frau und eine junge Schriftstellerin mit Zukunft tun sich zusammen und schreiben ein beachtenswertes Buch über eine schon oft erzählte Geschichte: die Geschichte, wie ein jüdischer Mensch den Schrecken des Holocaust überlebt hat und wie er mit dieser Errettung sein ganzes weiteres Leben umgegangen ist.
Denn, das wissen wir aus zahllosen Berichten von Überlebenden, von denen der Rezensent auch schon viele besprochen hat, das Überleben war nicht immer nur Gnade, sondern oft auch eine Last, die diese "Geretteten" (Primo Levi) ihr ganzes weiteres Leben mit sich herumtrugen, und die besonders in den Büchern von Lizzie Doron deutlich wird, auch die zweite Generation in einer Weise belastet, die ihr ganzes Leben dominiert.
Die 21- jährige Margot will zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Ralph Anfang 1943 aus Berlin fliehen, da erfährt sie, dass ihr Bruder von der Gestapo abgeholt worden ist. Auch ihre Mutter erscheint nicht am vereinbarten Treffpunkt, sondern hinterlässt ihr nur die Botschaft: "Ich gehe mit Ralph, wohin auch immer das sein mag. Versuche, dein Leben zu machen."
Und das versucht Margot. Sie lässt sich die Nase operieren und färbt sich ihre Haare rot, damit sie nicht als Jüdin auffällt. Fünfzehn Monate lebt sie im Untergrund bei Helfern, von denen sie feststellen muss, dass sie bei weitem nicht alle selbstlos handeln. Viele Male entkommt sie den Männern der Gestapo nur knapp, um dann schlussendlich jüdischen "Greifern" in die Hände zu fallen und nach Theresienstadt deportiert zu werden.
Margot Friedländer hat das KZ überlebt und ist 1946 in die USA emigriert. Heute erst, 60 Jahre danach ist sie innerlich bereit, der Schriftstellerin Malin Schwerdtfeger ihre Geschichte zu erzählen.
Herausgekommen ist ein Buch mit einer dramatischen und ergreifenden Geschichte, das man nur empfehlen kann.