Der Autor versucht in seinem Buch, die Grenzen der Staatstätigkeiten aus dem Naturrecht abzuleiten. Dazu lässt er Ideen von Goethe, Rousseau, Kant und Ferguson einfließen.
Die Hauptaufgabe des Staates liegt darin, für Freiheit sowie "Mannigfaltigkeit der Situationen" zu sorgen. Dazu müssen die Bürger Sicherheit haben. Der Autor kommt zu folgenden Schlüssen:
- der Staat darf nur "negative Rechte" (Eigentum, Freiheit, Sicherheit) gewährleisten
- wenn der Staat auch "positive Rechte" (materielles Wohlergehen, z. B. Wohnrecht oder Sozialhilfe) leisten soll, zerstört er dadurch die Freiheit
- Ungleichheit der Menschen ist für die Dynamik der Gesellschaft notwendig
- staatliche Regulierung und öffentliche Erziehung machen aus Menschen "Maschinen"
- staatliche Sozialpolitik ist nutzlos, erzeugt aber Abhängigkeit (der Autor vergleicht dies mit einem Arzt, der seine Patienten absichtlich nicht heilt, um so die Krankheit endlos zu verlängern)
- sofern dies möglich ist, sollen die Angelegenheiten der Bürger über Verträge geregelt werden und nicht über staatlichen Zwang
- was Erwachsene freiwillig tun, soll der Staat nicht verbieten (Kinder und Rechtsunfähige brauchen jedoch ggf. einen Vormund; für sie können auch gesetzliche Beschränkungen der Geschäftsfähigkeit gelten)
- da der Staat das Gewaltmonopol hat, ist es schädlich, wenn ihm Unternehmen gehören
- es soll keine Religion vorgeschrieben oder bevorzugt werden
- für Ärzte und Rechtsanwälte sollte der Staat im Sinne der Qualitätssicherung eine Prüfung anbieten; diese muss jedoch freiwillig sein und darf keine Voraussetzung für das Ausüben des Berufes darstellen
- Schutzzölle sind schädlich
- der Staat muss sich somit auf die innere und äußere Sicherheit der Bürger sowie das Rechtswesen beschränken
Wie man sieht, läuft Humboldts Argumentation auf den libertären Minimalstaat hinaus, wie ihn z. B. Rand und Nozick vertreten. Die Argumente ähneln denen moderner "neoliberaler" Denker wie Friedman und Hayek.
Mit hat das Buch gut gefallen, weil die Aussagen nach wie vor relevant sind und das Wichtigste in Merksätzen zusammen gefasst wird. Es ist gut zu wissen, dass Deutschland doch einen freiheitlichen Denker hatte, der den Staat nicht verherrlichte (sonst liest man immer nur das Gegenteil).