Handke versucht mit einem trivialen Gegenstand, nämlich einer Jukebox, einen Zugang zum Schreiben zu finden. Mittelpunkt des Erzählens ist demnach nicht die Jukebox, sondern der Gegenstand des Schreiben selbst. Die Jukebox ist vielmehr Hilfe, die Angel der Tür, die die Verbindung zu dem Raum ist, den er gerne betreten möchte; eine Landkarte auf der Handke zum Ziel, das Schreiben an sich, findet.
Hierbei befasst Handke sich nicht mit der unterschiedlichen kulturellen Bedeutung der Jukebox, sondern es steht vielmehr die Wahrnehmung derselben im Vordergrund. Das bedeutet, dass die Jukebox zwar als zentrales Thema des Textes genannt wird, jedoch - obwohl sie zumeist im Vordergrund steht - im Text selbst, in den Hintergrund gerückt wird.
Allen Voran steht eine Entfremdung, eine Lösung von einer vermeintlichen Umgebung, um das erwünschte Produkt, das entstehen soll zu verwirklichen. Der leere Bahnhof zu Beginn zeigt symbolisch, dass der Protagonist etwas hinter sich lassen muss beziehungsweise etwas hinter sich lässt.
So fährt er nach Soria, in eine abgelegene Stadt im kastilischen Hochland, um von der Verlassenheit in eine noch größere Einsamkeit zu kommen. An dieser Stelle glaubt der Protagonist eine Einsamkeit aufsuchen zu müssen, da andernfalls sein Vorhaben nicht funktionieren würde. Jedoch ist es gerade in Wirklichkeit die Einsamkeit, woraus er fliehen möchte und die Jukebox aufsucht, um nicht mehr einsam zu sein.
Denn die Jukebox ist keine Maschine oder eine wahrhaftige Box, sondern zu einem Menschen geworden. Eine Person, die Erinnerungen weckt und einen an Ereignisse erinnert, die der Beweis dafür sind, dass man gelebt hat. So kommt er auch in der Nähe einer Jukebox zur Ruhe und beginnt nicht, wie andere, zu tanzen.
Die Personifizierung scheint in diesem Text nicht von Unbedeutung zu sein, da es gerade die Musik ist, die die Gedanken eines Menschen von der Zeit unabhängig machen und einen in die Lage versetzen Vergangenes gegenwärtig zu machen. So erinnert er sich an seine Vergangenheit und es ist ihm auch möglich, sich von seinem Schreibobjekt zu trennen, um nicht nur einen Bericht oder ähnliches über die Jukebox zu verfassen, sondern wirklich in die Verfassung zu kommen über sich selbst und das Leben zu schreiben oder über das Schreiben, was ihn schlussendlich ausmacht, zu schreiben.
Handkes Text „Versuch über die Jukebox", liest sich nicht erstrangig als eine Erzählung, sondern vielmehr als ein Versuch über die Möglichkeiten des Erzählens. Dieser Versuch ist auch ein Selbstporträt des Schriftstellers Handke, der sein Selbst beim Schreiben genau beobachtet und diese Beobachtungen in der Form des Textes „Versuch über die Jukebox" an den Leser weitergibt.
Das Thema, welche Bedeutung die schon längst aus der Mode gekommene Jukebox hat, scheint Handke gar nicht behandeln zu wollen. Vielmehr steht er das eigene schreibende Ich und dessen Umwelt in Bearbeitung.
Das Leitmotiv war, ist und bleibt die Bewegung. Denn nur wer sich bewegt, kann frei atmen und somit zu neuen und frischen Gedanken kommen. Selbst wenn man sich verliert und kaum bewusst darüber Bescheid weiß, was man hier tut oder warum man hier ist, man wird einmal an dem Punkt angelangt sein, wo der Mensch versteht, dass eine Veränderung passiert ist und realisiert, dass er aufgebrochen ist.
Nicht das Ziel ist vordergründig, sondern der Weg avanciert zum Ziel. Die Bewegung, eine Auffahrt, Entgrenzung und Weltwerdung stehen im Vordergrund und machen das Ziel aus. Mit diesen Hintergedanken wandern schließlich auch Tausende von Menschen in Handkes Land der Jukebox - Spanien - auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Nicht, weil ihr Ziel ist in Santiago anzukommen, sondern: Dorthin zu wandern!