"Kürzlich wurde ich auf einem Vortrag über Pferdetraining gefragt, wann man denn endlich mit dem Belohnen aufhören könne. Warum nur wurde ich in all meiner Zeit als Trainerin noch nie gefragt, wann man endlich mit dem Strafen aufhören kann?", fragt Viviane Theby auf Seite 50. Wahrscheinlich ist es noch immer ein kulturelles Problem, dass Training oder Erziehung für viele Menschen vor allem mit der Idee von Strafen zusammenhängt. Das Vorenthalten von Leckerlis ist per Definition genau wie das Vorenthalten von Aufmerksamkeit bereits eine Strafe ( S. 51 )- insofern wird das Thema Strafe auch in Thebys Buch behandelt. Ich finde es aber sehr gut, dass es nicht mehr Raum einnimmt, da es sich in den Gedanken von Hundeleuten ( und Pferdeleuten, und Eltern) eh so breit gemacht hat, dass man ihm ruhig seine Aufmerksamkeit entziehen und mehr Platz für neue Verhaltensweisen von Trainern machen kann!! ;-)
Wer vor allem mit Belohnung statt mit Strafe arbeiten möchte oder bereits arbeitet,findet in Viviane Thebys neuestem Buch eine gute Grundlage mit diversen Trainingstipps, Gedankenanregungen, Handlungsstrategien, Schemata, detaillierte Schritt- für Schritt- Anleitungen, Beobachtungen und auch ein wenig Theorie, die alle dazu dienen, die Arbeit mit dem Clicker klarer, bewusster und erfolgreicher zu gestalten.
Was eine Belohnung ist, wird genauso unter die Lupe genommen, wie die Frage, wann eine Belohnung wie eingesetzt wird- und dabei geht es natürlich nicht nur um Leckerchen, klar. ( Aber auch für die finden sich viele Tipps und ein Rezept.)
Sehr kollegial und moralisch integer finde ich die persönlichen Quellenangaben der Autorin, was sie von wem gelernt hat, z.B. auf S. 70. Die Hundeportraits am Ende des Buches sind eine fröhliche Augenweide.
Ich habe in diesem, wie immer toll geschriebenen Buch von Frau Theby ( prima, dass sie so eine Vielschreiberin ist!!) sehr viele Aha- Effekte erlebt, so dass ich meine Vorgehensweise beim Training wieder besser beobachten, korrigieren, bewusster gestalten kann. Genau das hatte ich mir auch von der Lektüre des Buches erhofft- insofern: klare Empfehlung!
Kleines Gemecker am Rand: Mitunter sind leider grammatikalische oder syntaktische Fehler, die sich ins Manuskript eingeschlichen haben, nicht korrigiert worden. Auf Seite 102 sind es immerhin zwei, obwohl die Seite nur zur Hälfte bedruckt ist. Vielleicht ist das altmodisch, aber mich störts.