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Versiegelte Zeit: Über den Stillstand in der islamischen Welt [Gebundene Ausgabe]

Dan Diner
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

1. September 2005
Dem Historiker Dan Diner, einem der besten Kenner der komplexen nahöstlichen Konfliktlage, gelingt es auf überzeugende Weise, die Ursachen dieser Entwicklungsblockade zu benennen. Der diagnostizierte Stillstand ist weniger dem Islam als Religion geschuldet als vielmehr spezifischen sozialen, ökonomischen, kulturellen und politischen Gegebenheiten des Vorderen Orients. Sie führen zu einer Allgegenwart des Sakralen auch in Bereichen, aus denen es andernorts auf dem Weg in die Moderne verdrängt worden ist. Historisch argumentierend und aus einer Fülle kaum bekannter Quellen schöpfend, eröffnet Diner einen neuen, erhellenden Blick auf eines der brisantesten Problemfelder unserer Zeit.


Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Propyläen Verlag; Auflage: 1 (1. September 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3549072449
  • ISBN-13: 978-3549072448
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14,8 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 460.166 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Dan Diner hat ein anregendes und intelligentes Buch geschrieben, es ist das Produkt von Nachdenken und klugen politischen Analysen ... Es ist jedem, der sich mit dem Vorderen Orient beschäftigt, trotz der hier vorgebrachten kritischen Anmerkungen, dringend empfohlen.« SÜDDEUTSCHE ZEITUNG »Das Buch gehört dank der Fülle von Gedanken und intellektuellen Querverbindungen mit zum Anregendsten, was in den letzten Jahren zu dem schwierigen Thema Islam und Islamismus publiziert worden ist.« FAZ »Das Ende des Kalten Krieges und die Globalisierung haben den Stillstand der Zeit sichtbar gemacht, der deutsch-jüdische Historiker Dan Diner sucht Ursachen - Prädikat: sehr dicht.« KLEINE ZEITUNG »Eines der ganz großen, kenntnisreichen Sachbücher der vergangenen Jahre, dabei essayistisch und verständlich geschrieben. Ein wichtiges Buch« MITTELALTER IN EUROPA »Das Buch ist eine ernüchternde, aber notwendige Bestandsaufnahme und bereichert die wissenschaftliche Diskussion mit neuen Argumenten. Allen, die den interkulturellen Dialog mit Muslimen führen, vermittelt der Verfasser unverzichtbare Grundlagen und Einblicke in die Denkweise einer fremden Kultur. « RHEINISCHER MERKUR »Sein brillant geschriebenes Buch, in dem dazu noch die wesentlichen Unterschiede zwischen Islam und Judentum knapp, aber eindrucksvoll veranschaulicht werden, regt zum Nachdenken an und lässt eine alte Thematik in neuem Licht erscheinen.« WDR2, MOSAIK »Diner entdeckt Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Bereichen der islamisch-arabischen Gesellschaften, die eingefahrene Denkweisen sprengen. Ein neuer Blick auf eine alte Problematik.« LITERATUREN

Über den Autor

Dan Diner, geboren 1946 in München. Professor für Neuere Geschichte an der Hebrew University, Jerusalem, und Direktor des Simon-Dubnow-Instituts für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig. Er lebt in der Bundesrepublik und in Israel. Zahlreiche Buchveröffentlichungen zur politischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, zur Geschichte des Vorderen Orients und zur jüdischen Geschichte. Im Propyläen Verlag erschienen zuletzt Feindbild Amerika (2003) und Versiegelte Zeit (2006).

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Kundenrezensionen

3.9 von 5 Sternen
3.9 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
42 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Anti-Gutenberg-Universum 14. Mai 2006
Von Milton
Format:Gebundene Ausgabe
Dan Diner ist Historiker, sein Metier ist nicht die Zustandsbeschreibung der Gegenwart. An den Ausgangspunkt seiner Überlegungen stellt er daher den als zuverlässig und neutral erachteten, 2002 erstmals erschienenen "Arab Human Development Report" der Vereinten Nationen. Wo dieser nüchtern Stagnation und Blockade in der arabischen Staatenwelt konstatiert, fragt Diner nach den tieferen historischen Gründen.

Auch wenn die Werke Marshall McLuhans und Paul Virilios von Diner nicht erwähnt werden, so ist sein Buch doch in ihrem Geiste geschrieben. Während McLuhan die Umwälzungen der Neuzeit auf die Erfindung des Buchdrucks und die davon ausgehenden kulturellen Veränderungen zurückführt, betrachtet Diner das Ausbleiben eben dieser Entwicklungen in der arabischsprachigen Welt und fragt nach den Ursachen. Seine alles andere als banale Kernthese: Die drei Offenbarungsreligionen Judentum, Christentum und Islam legen ein unterschiedliches Verhältnis von Offenbarung und Interpretation, von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, von Allegorie und Wortwörtlichkeit, von verbindlicher Sakralität und möglicher Profanität zugrunde. Dieses Verhältnis sei konstituierend für kulturelle Unterschiede bis in die heutige Zeit. Dabei zieht Diner durchaus konsequent den Schluss, dass der westliche Blick auf außereuropäische Verhältnisse problematisch sei.

Diner bemüht sich daher, nicht aus vermeintlich überlegener Position heraus vorschnell abzuurteilen, sondern nüchterne, sachliche Erklärungen für historische Entwicklungen zu finden, die ein tieferes Verständnis für die Unterschiede der Kulturen fördern könnten. So betont er etwa immer wieder strukturelle Ähnlichkeiten von Islam und Judentum, jedoch führt die Diaspora der Juden, die diese zwingt, auf fremdem Terrain zu leben, zu unterschiedlichen Entwicklungen.

Diners Buch endet nicht, wie man vielleicht erwarten könnte, mit "Empfehlungen an die arabische Welt". Am Ende beschreibt Diner die Konflikte jüdischer Geschichtsschreibung zwischen sakraler und profaner Zeit, die mitunter auch zu einer Konversion jüdischer Gelehrter zum Islam führten. Sein Schlusswort gilt denen, die Wanderer zwischen den Welten sind.

Kritikpunkte:

- Diners Buch folgt keiner klaren Ordnung, keinem stringenten Gedankengang. Es ist eher eine lockere Anhäufung (interessanter) historischer Details, die die Grundthese des Autors belegen

- Diner verzichtet auf die Auseinandersetzung mit anderen Erklärungsmustern

- Das Buch enthält zwar viele Anmerkungen und ein Personenregister, aber kein Literaturverzeichnis
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39 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Der Autor stellt in seinem Buch, auf der Suche nach einer Diagnose für die Dekomposition der politische Ordnung in dem arabischen Teil des islamischen Kontextes, ein Motto von 1930 voran, wo gefragt wird: „Warum sind die Muslime zurück geblieben und warum sind die anderen voran gekommen, beispielsweise die Europäer“? Und wie schon aus dem Titel des Buches hervorgeht kommt er zu dem Ergebnis, dass in der islamischen Welt weitestgehend ökonomisch, finanziell und kulturell Stillstand herrscht.

Historiker, Sozialwissenschaftler und Philosophen stellen sich fast schon ein Jahrhundert lang die schwierige Frage, wo liegt die Ursache dafür, dass der Islam und der Vordere Orient, der im großen und ganzen Teil der Islamischen Kultur ist, sich so gravierend von der Entwicklung unterscheidet, wie sie beispielsweise im westlichen Europa vor sich gegangen ist. Im sechzehnten, siebzehnten Jahrhundert wurden durch die Renaissance, die Reformation und vor allem durch den Buchdruck eine Dynamik entwickelt, die ganz weit entfernt von der war, die in der Lebensweise des Islam steckt. Das heißt, insbesondere der gewaltige Schub, der durch die Erfindung des Buchdrucks ausgelöst wurde, nämlich die Möglichkeit umfassender Wissensverbreitung, führte dazu das der Vordere Orient, der in seinen Lebenswelten, in seinem Codex, islamisch geprägt ist, nicht mehr Teil dieser Entwicklung sein konnte. Der Buchdruck wurde im islamischen Orient erst dreihundert Jahre später eingeführt.

Durch den Autor wird sicherlich die Neugier des Lesers geweckt, warum das so war. Und darauf gibt er sehr differenzierte Antworten, denn es waren verschiedene Gründe ausschlaggebend, sicher nicht allein die Religion.
Dan Diner bezeichnet das „Sakrale“ als Hauptursache. Damit meint er etwas, was wir in unserer westlichen psychoanalytischen und anthropologischen Kultursprache als „Tabu“ bezeichnen würden, das heißt, gewisse Dinge dürfen nicht getan werden, etwa die „Berührung“ der Heiligen Schrift, hier dies des Korans, mit den metallischen Lettern des Buchdrucks. Das würde zu einer Entweihung führen und dadurch würde die als heilig angesehene Schrift etwas ganz Wichtiges in ihrer Aura verlieren. So erklärt sich warum eine bestimmte Kultur, wie die des Islam im Vorderen Orient, eine gewisse Reaktion der Abwehr gegenüber dieses Neuerungen entwickelte, die letztendlich das „Sakrale“ im Herz verletzten würden. Im westlichen Europa ist dahingegen unsere Kultur, durch jene Entwicklung die mit der frühen Neuzeit beginnt, säkularisiert und profaniert worden.

In einem anderen Kapitel untersucht der Autor auch die Blütezeit die bis ins 17. Jahrhundert hineinreicht. Neben den militärischen Gründen waren es weitere profunde ideologische Ursachen, die diese Entwicklung möglich machten. So waren die orientalischen Lebenswelten nur lebensfähig, weil es einen zentralen Staat gab, der alles regulierte. Handwerker und Kaufleute konnten kein größeres Maß an Eigenständigkeit entwickeln, weil der Staat die Preise festsetzte und die Qualität der Waren einer ständigen Kontrolle unterwarf, anders wie in Europa, wo wir es mit einer „Zerklüftung von Gewalten“ zu tun hatten.

Ein weiteres zentrales Thema des Buches: In den Jahren von 1950 bis 1990 war der Kalte Krieg ein großer Neutralisator im Verhältnis der arabischen Welt zu Amerika. Und die Unterschiede, die kultureller Art sind, treten seit dem Wegbruch dieser Neutralisierung immer stärker in den Vordergrund. Der sakrale Hintergrund ist der Indikator für die Selbstmordattentäter jüngster Zeit. Ausgelöst wurde alles durch den 11. September 2001.Der Autor nennt es die „sakrale Zeit“, die Menschen handeln über die eigene biologische Lebensdauer hinaus. Das ist ein Phänomen, welches in den nächsten Jahrzehnten noch eine außerordentliche Herausforderung für uns alle darstellen wird.

Das Buch ist derart packend und atmosphärisch dicht geschrieben, dass man keine Seite davon missen möchte. Meisterhaft recherchiert auf unterschiedlichen Reflexionsebenen.

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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein schöner Essay-Sammelband 30. April 2007
Format:Taschenbuch
Ein wirklich schöner Sammelband von Essays des Autors.

Sehr detailreich, und ohne die oft übliche "westliche Überlegenheitskeule", werden Gründe und Hintergrund von Problemen der islamischen Welt dargestellt. Diese Probleme werden dabei nicht vom Autor ausgewählt, sondern er stützt auf den von arabischen SozialwissenschaftlerInnen angefertigten Arab Human Development Report.

Kann sich ohne weiteres mit dem Standardwerk von Bernard Lewis "Untergang des Morgenlands" messen.

Meinem Vorredner kann ich nicht zustimmen. Der Text ist dicht, aber ausgezeichnet geschrieben, und im Orginal wohl in Deutsch, so wie ich Dan Diner kenne.
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4.0 von 5 Sternen Eine ausgezeichnete Analyse - schwer zu lesen
Inhalt
Warum ist die arabische Welt seit Jahrhunderten zurück gefallen? Warum bringt diese früher blühende Kultur wirtschaftlich, wissenschaftlich und kulturell... Lesen Sie weiter...
Vor 5 Monaten von Stiller veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Shlomtzion's recension is leading itself ad absurdum
I had to heartily laugh when reading "Shlomtzion's" attempted demolition of Dan Diner's work...

He actually questions Dan Diner's results purely on the basis of Prof. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 9. Mai 2011 von Librorum lector
4.0 von 5 Sternen Vom Anreger zum sakralen Bremser
Wer erinnert sich nicht gerne an den "Medicus" und das Ausmass des dort beschriebenen medizinischen Fortschritt im Orient im Vergleich zu unserem Kulturraum? Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 29. November 2010 von Senior
4.0 von 5 Sternen Die Wirkung der islamischen Religion auf dessen Entwicklung -...
Dan Diners Sachbuch 'Versiegelte Zeit' untersucht den 'Stillstand in der islamischen Zivilisation, insbesondere in ihren arabischen Kernländern'. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 31. Juli 2006 von Gordian Ezazi
5.0 von 5 Sternen Umfassenste Zusammenstellung über den Islam
Dan Diner rückt in diesem Buch das westliche Bild vom Islam zurecht. Beginnend bei den ersten Ausbreitungen des Islams bishin in die Neuzeit betreibt er eine Bestandsaufnahme... Lesen Sie weiter...
Am 12. Februar 2006 veröffentlicht
2.0 von 5 Sternen wichtige Frage, kaum eine Antwort
Die Ausgangsfrage des Buches - warum die islamische Welt zurückgefallen - ist sicher brisant und berechtigt. Lesen Sie weiter...
Am 8. Januar 2006 veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Ein sehr interessantes Buch
Ich habe das Buch vor kurzem gelesen. Das Buch ist meiner Meinung nach etwas umständlich geschrieben, ist aber dennoch hoch interessant. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 2. Januar 2006 von Reza
2.0 von 5 Sternen Dishonest concealing of lacking skills
Passing by a bookstore on a recent visit to Germany I was surprised to see that Dani Diner just published a book on Islamic civilization and on the reasons for its backwardness... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 10. Oktober 2005 von "shlomtzion"
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