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Verschwunden: das Fotoprojekt ausencias von Gustavo Germano mit Texten zur Diktatur in Argentinien 1976-1983
 
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Verschwunden: das Fotoprojekt ausencias von Gustavo Germano mit Texten zur Diktatur in Argentinien 1976-1983 [Broschiert]

Gustavo Germano , Juan Gelman , Jorge Luis Borges , Horacio Verbitsky , Ricarda Solms , Steven Uhly
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Mit Kunst dem Grauen begegnen. In Argentinien verschwinden zwischen 1976 und 1983 30.000 Menschen, gekidnappt, gefoltert, erschossen, betäubt und aus Flugzeugen ins Meer geworfen, verscharrt, verschwunden.
Argentinien 2010. Die Generation der Kinder sucht nach einem Weg, das Grauen ihrer Kindheit auszudrücken, und wandelt es in Kunst um. Gustavo Germano, geboren 1964, verlor seinen ältesten Bruder, er verschwand spurlos. Germanos Ausdruck ist die Fotografie, er sucht nach alten Bildern in Familienalben von Verschwundenen aus seiner Heimatregion Entre Ríos und stellt die Fotos nach - 30 Jahre später, die Verschwundenen fehlen.
Ausencias (Abwesenheiten) heißt das Fotoprojekt, das der Münchner Frühling Verlag im Herbst 2010 mit Prosa, Lyrik, journalistischen und dramatischen Texten argentinischer Autoren wie Juan Gelman, Jorge Luis Borges, Rodolfo Walsh, Mario Benedetti, Horacio Verbitsky und Lola Arias komponiert. Ein Buch über das Verschwinden und das Leben danach.

Über den Autor

Juan Gelman, geboren 1930 in Buenos Aires, ist Dichter, Journalist und Übersetzer. Er lernte sehr früh lesen und betätigte sich in seiner Jugend in verschiedenen literarischen Bewegungen. Auch als Journalist hatte er bedeutende Funktionen inne. Er lebte seit 1975 auf Grund seines politischen Engagements längere Zeit im Exil. Während der argentinischen Militärdiktatur wurde sein Sohn Marcelo entführt, gefoltert und ermordet. Gelmans zum damaligen Zeitpunkt schwangere Schwiegertochter María Claudia García de Gelman wurde ebenfalls im Rahmen der Operation Condor 1976 in Buenos Aires entführt und nach Uruguay gebracht; ihr Schicksal ist bis heute nicht ganz geklärt, sie gehört zu den ca. 30.000 Verschwundenen der Diktatur. Nach langen Jahren der Recherche konnte Juan Gelman im Jahr 2000 seine Enkeltochter Macarena Gelman in Uruguay ausfindig machen, wo sie von einem Militärangehörigen adoptiert worden war.
Juan Gelman erhielt zahleiche Preise, so 1997 den argentinischen "Premio Nacional de Poesía" (Staatspreis für Poesie) und 2007 den "Premio Miguel de Cervantes" (Cervantespreis).Jorge Luis Borges, geb. 1899 in Buenos Aires, gründete schon als junger Mann mit Freunden zusammen literarische Zeitschriften. Sein erster Gedichtband erschien 1923. Von 1950-1953 war er Präsident des argentinischen Schriftstellerverbands und von 1955-1973 Direktor der Nationalbibliothek von Buenos Aires. 1961 erhielt er, zusammen mit Beckett, den Internationalen Literaturpreis Formentor, dem bis zu seinem Tod 1986 in Buenos Aires zahlreiche internationale Ehrungen folgten. Kaum ein Schriftsteller des 20. Jahrhunderts hat so viele andere Autoren beeinflusst wie Borges.
Jorge Louis Borges begann früh zu schreiben - Essays, Gedichte, Erzählungen. Er unternahm viele Reisen und lernte Englisch, Frazösisch, Deutsch und Latein.Rodolfo Walsh, geboren 1927 in Choele-Choel, Argentinien, war Schriftsteller, Journalist, Übersetzer, Herausgeber und Mitbegründer der kubanischen Presseagentur Prensa latina. Im März 1977 erhob er in seinem berühmt gewordenen "Offenen Brief an die Militärjunta" Anklage gegen die Militärdiktatoren, die seit 1976 in Argentinien herrschten. Wenige Tage danach wurde Walsh in Buenos Aires vom Militär erschossen. Auf Deutsch sind die beiden Kriminalromane "Operación Masacre" (Zürich 1983) und "Wer erschoss Rosendo G.?" (Zürich 1993) erschienen.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Thorsten Wiedau HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Wer weiß schon was passiert ist zwischen den Jahren 1976 und 1983 in Argentinien? Wer kennt die Auswirkungen der Diktatur? Dieses Fotoprojekt nimmt uns mit auf eine düstere Reise in diese Zeit und vermittelt mittels Fotos ein vorher und nachher Gefühl - doch halt, was fehlt denn da? Es sind Personen und Gefühle, Gesichtseindrücke und Orte, etwas fehlt und genau dies lässt einen erschauern. Wo sind diese Personen geblieben, niemand weiß es, die Orte sind geblieben, die Menschen aber sind verschwunden...

Mir war ein wenig beklommen ob der Photos, der Namen und der zerstörten Leben. Was geschah in Argentinien zwischen 1976 und 1983. Wo sind die Eltern, die Kinder geblieben? Wo die Ehemänner und wo die geliebten Frauen? Wo die Söhne und Töchter und was taten die Täter?

Die Photos zeigen ein vorher / nachher - Photos vor dem verschwinden und nach dem Verschwinden und das Gefühl der Taubheit bleibt. Diktaturen waren noch nie angenehm und was soll man davon halten das so viele Menschen sterben mussten bis die Sicherheit für alle erreicht ist...

Was denken die Täter, die Sicherheitsleute und was die Zwangsadoptierten Kinder? Man sieht es den Menschen an, die Liebe ist verschwunden, die Zuversicht und die Lebensfreude.

Das Buch DAS PHOTOPROJEKT VON GUSTAVO GERMANO zeigt die hässliche Fratze der Diktatur - egal welcher Überzeugung die Opfer waren, das ist zweitrangig, es zeigt auf, zu was Menschen immer noch in der Lage sein können.

Nicht nur für Argentinien Freunde, nicht nur für Politikbegeisterte, sondern für alle diejenigen denen die Menschheit am Herzen liegt.

Sehr empfehlenswert!
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
1976 wurde Isabel Peron in Argentinien durch einen Militärputsch unter Führung des Generals J.R. Videla und seinen Nachfolgern in diktatorisches Regierungssystem, das im Zeichen eines ständig steigernden Staatsterrorismus nicht nur die terroristischen Aktivitäten linksperonistischer und sozialistischer Gruppen bekämpfte, sondern auch die gesamte Oppostition unterdrückte, abgesetzt.

Noch heute kämpfen die Angehörigen der über 30. 000 Verschwundenen um Gerechtigkeit und werden von Künstlers durch entsprechendes Engagement in der Literatur, im Film, im Theater und in der Musik unterstützt.

Im vorliegenden Buch wird man anhand von Bildern und Prosa- sowie Lyriktexten mit dem schmutzigen Krieg der argentinischen Militärs konfrontiert. 15 Fotopaare und die dazugehörigen Biographien geben einen Eindruck von dem unsägliche Leid, das die Argentinier aufgrund des Staatsterrors ertragen mussten.

Gleich zu Beginn wird General Videla zitiert, um die Monströsität des Regimes zu verdeutlichen:"In Argentinien werden alle Personen sterben müssen, die notwendig sind (sic), um die Sicherheit des Landes zu erreichen" (Zitat: Videla, 1975).

Die Bilder jener Tage zeigen junge, sehr fröhliche Menschen. Jedem Bild ist ein Foto von heute gegenüber gestellt, auf dem stets einer Mensch fehlt. All diese fehlenden Personen wurden Opfer des Militärregimes.

In einem der Texte - er wurde am 30.4.1988 von den Müttern der "Plaza de Mayo" verfasst- liest man wie die Militärs ihre grausamen Taten zu exkulpieren versuchten:"Es sind Terroristen, irgendetwas werden sie schon angestellt haben, man muss sie vernichten. Bis zur Erschöpfung wiederholten sie das, die Militärs, der bewaffnete Arm der herrschenden Klasse, und diejenigen, die solches Grauen und so viele Tode durchführten. Eins um das andere Mal wiederholten es die Würdenträger der Kirche, die Gewerkschaftfunktionäre, die verstrickten Richter, die korrupten Politiker, und auch, man muss es aussprechen, ein großer Teil der Mittelschicht, der sein Gewissen für Reisen nach Miami und Importfernseher hergab."(Zitat S. 72)

Zahlreiche schriftliche Dokumente aus jenen Tagen des Terrors sind im Buch nachlesbar und verdeutlichen, was machtbessene Menschen ihren Mitmenschen an zu tun in der Lage sind, wenn man sie nicht einbremst.

Der Schriftsteller Julio Cortázar verfasste 1981 einen Text mit dem Titel " Wirklichkeit und Literatur in Lateinamerika", den man im Buch nachlesen kann. Hier schreibt er u.a. "deshalb sollte jeder, der ein Buch öffnet, das in einem dieser Länder geschrieben und herausgegeben wurde, wo das kritische Denken und manchmal sogar die Phantasie als Verbrechen gelten, es lesen , als halte er eine jener legendären Flaschen in den Händen, die ins Meer geworfen wurden, um eine Botschaft, oder eine Hoffnung so weit zu tragen wie möglich" (Zitat: S. 95).

Im Rahmen meines Politikstudium belegte ich einst bei einem argentinischen Professor, der diesem schrecklichen Terror entkommen konnte, zwei Hauptseminare "Literatur in Lateinamerika(1 und 2)", um das Verhalten der dortigen Mittelschicht an literarischen Texten zu analysieren. Wir befassten uns damals auch mit Cortázar, dessen Texte tatsächlich an Flaschenpost erinnerten, die den Hoffnungsgedanken bis nach Europa trugen.

"Verschwunden" ist ein beeindruckendes Buch, das auf die üblichen Klappentexte verzichtet und stattdessen auf den Innenseiten der Buchdeckel die Namen unzähliger Verschwundener auflistet.

Sehr empfehlenswert.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Bewegend und aufrüttelnd 26. November 2010
Von Karl I.
"Verschwunden" ist das Buch zur Ausstellung "Ausencias" (Abwesenheiten) des argentinischen Fotografen und Journalisten Gustavo Germano, die u.a. im Instituto Cervantes in Frankfurt/M. zu sehen war. Das Buch besteht aus 3 Teilen: den Fotografien, Texten (Gedichte, Interviews, Reden, Berichte zu den Ereignissen während der argentinischen Militärdiktatur 1976 - 1983) und den Biographien der Familien, aus denen Angehörige gerissen wurden.
Auf den 15 Fotopaaren sind auf der linken Seite die Menschen zu sehen als sie noch zusammen waren, rechts fehlen die Abwesenden, die Verschwundenen, die Ermordeten. Für mich am eindringlichsten 2 Fotopaare: links lächelt eine offensichtlich stolze Mutter liebevoll ihren (einzigen) Sohn an, rechts stützt sich die Mutter 32 Jahre später auf den gleichen Tisch, die gleiche Obstschale ist da, aber Claudio Marcelo fehlt, entführt von Paramilitärs im Alter von 24 und nicht mehr aufgetaucht. Immer noch forscht Clara Atelman de Fink nach dem Verbleib ihres Sohnes.
Vater und Mutter halten ihre 11 Monate alte, vor Vergnügen lachende Tochter; 30 Jahre später schaut die Tochter den Betrachter direkt an, das Gesicht schön und klar aber gezeichnet von nicht besiegbarer Trauer. Die Eltern sind abwesend, der Vater mit seiner Tochter 1976 entführt, er stirbt noch vor der Einlieferung in das Folterzentrum. Nach tagelanger Suche findet die Mutter ihr Kind, wird 2 Jahre später von Soldaten ebenfalls entführt, zusammengeschlagen und verschwindet. Immer noch sucht Laura Cecilia Mendez Oliva danach, was mit ihren Eltern genau geschah und wer dafür verantwortlich war.
Um die Grausamkeit der Militärdiktatur zu zeigen, braucht das Buch keine Horrorbilder. Die Abwesenheiten dieser geliebten Menschen, die sich in den Gesichtern der Lebenden widerpiegelen, sind Beleg genug, wie unmenschlich die Militärdiktatur in den Lebensalltag von Menschen eingriff. Man kann nur ahnen, was es für die Überlebenden bedeutet, mit der ständigen Gegenwart der Abwesenden zu leben, wie es ist, wenn Kinder, Eltern da waren und plötzlich nicht mehr.
Eindrucksvoll auch der mutige offene Brief Rodolfo Walshs an die Militärjunta, in dem er diese offen und frontal angreift und ihre Verbrechen aufzeigt. Am Tag nach der Veröffentlichung wurde er auf offener Straße von Militärs erschossen. In Kontrast dazu das in den Texten belegte unterwürfige, schäbige Verhalten des in der Literaturwelt so sehr verehrten Jorge Luis Borges, der nicht nur den Putsch Augusto Pinochets in Chile begrüßte, sondern auch General Videla zu seiner Machtergreifung beglückwünschte und für den Demokratie ein Missbrauch der Statistik" war.
Nach den 127 Seiten des Buches war mir einesteils zum Heulen, andererseits überträgt sich aber auf einen auch der dokumentierte Mut der vielen Gegner der Diktatur und die Hartnäckigkeit, mit der Mütter, Väter, Töchter und Söhne noch heute nach dem Schicksal ihrer Verschwundenen forschen und nicht nachgeben in ihrem Kampf, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.
Ein nicht nur inhaltlich überzeugendes, bewegendes, sondern auch hervorragend editiertes und gemachtes Buch, das einen nicht mehr los lässt.
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