Genau dazu neigt Hannes Heer aber mit seiner ach so klaren Zuordnung in Gute und Böse. Natürlich gibt es keine Kriege ohne Krieger. Aber wenn hier wirklich eine personalisierte Schuldzuweisung für notwendig erachtet wird, muß sie auch den entsprechenden Wahrheitskriterien genügen. Da sind Bilddokumente nun mal wirklich nicht so eindeutig, wie sie zunächst scheinen. Daraus die Konsequenzen zu ziehen, muß also noch nichts mit einer neuen gesellschaftlichen 'Verschwörung' zu tun haben, die Heer hier m. E. versucht an die Wand zu malen. Neben schlechteren Büchern gibt es es nämlich auch eine ganze Menge gute, so daß mir seine Zuspitzung nicht sehr angemessen erscheint. Hervorheben möchte ich hier die Arbeiten zur Erforschung des deutschen Kommunismus von Mallmann (1996) und Weber (insbesondere 2004), die Einblicke in die Familiengeschichte von Wibke Bruns sowie die Arbeit von Aly (Hitlers Volksstaat). Wie begrenzt einsichtsfähig in das historische Dilemma zwischen dem 1. und dem Ende des 2. Weltkriegs die moralische Sichtweise macht, zeigte Heer übrigens mit seiner - keiner kritischen Überprüfung standhaltenden und die größten Dummheiten zudeckenden - Thälmann Biographie von 1975 selbst.