Nach dem unsäglich schrecklichen Band "Das Gesetz der Lagune" liefert Leon einen weiteren Tiefpunkt ihrer sympathischen Brunetti-Reihe. Die Handlung ist, trotz guter Anlagen, schwerfällig und dadurch langweilig. Wie im Gesetz der Lagune bleibt Brunetti hier machtlos, ja, er bemüht sich nicht mal, in seinen Ermittlungen weiterzukommen. Die "Aufklärung" des Falles geschieht auch hier zusammengerafft auf den letzten 50 Seiten. Das völlige Desaster des wieder mal nicht zur Gerechtigkeit geführten Verbrechens (eine Leon-Spezialität: wegen der schlimmen schlimmen höheren Gewalten wird der Fall ergebnislos eingestellt) zeigt die Blödigkeit des ganzen Romans: Brunetti knickt ein vor einem arroganten Pennäler - Schluß, Ende.
Um die gewohnte Seitenstärke zu liefern wettert die Amerikanerin in Europa gerne gegen alles, was ihr vor die Feder kommt: Männer, der Staat, der Staat, der Staat, das Militär, der Vatikan, Jugendliche, Raucher, und natürlich die Touristen. Diese feuilletonistisch angekleisterten Meckereien einer ewigen amerikanischen Gutmenschin nerven - und nichts anderes. Sozialkritik sieht anders aus, Frau Leon. Bitte 10 Jahre Krimipause, in der Sie Ihre angestauten Frustrationen über die Welt in Zeitungskolummnen loslassen. Und dann bitte wieder Brunetti-Krimis, die spannend und liebenswürdig sind!