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Die merkwürdige Knappheitsethik, so Lotter, sei wie eine Zwangsjacke, die jede Befreiung unmöglich mache. Das Problem: Die Denkfigur widerspricht jeder menschlichen Natur und zweimal jeder wirtschaftlichen Realität. Denn der Mensch will aus dem Vollen schöpfen. Und die Wirtschaft braucht ihrerseits den Überfluss, um neue Produkte und Innovationen zu schaffen. Kurz gesagt, um im Geschäft zu bleiben. Beide Seiten leben durch Vielfalt und Verschwendung, und nicht durch Geiz und Sparsamkeit. Und genau deshalb hat Lotter ein wunderbares Plädoyer für den Kapitalismus geschrieben. Gegen den Zeitgeist. Seine Devise: Verschwendung ist die Grundlage des Konsumismus, der wichtigsten wirtschaftlichen Kraft unserer Zeit.
Messerscharf seziert Lotter die Logik der alten Industriewelt. Zum Beispiel den dramatischen Niedergang der Industriearbeitsplätze, die seit Mitte der 1990er Jahre jährlich um fünf Prozent abnehmen. Das entspricht täglich mehr als 900 Arbeitsplätzen. Welche Vergeudung an Wissen und Fähigkeiten! Kein Wunder, wenn die Konsumrate auf breiter Front sinkt.
Und der Ausweg? Für Lotter liegt er im Mehr-Konsum. Er ist die treibende Kraft der Welt geworden, und Konsum ist nichts anderes als pure, permanente Verschwendung. Und wer soll das bezahlen? Maschinen und Automaten sollen künftig den nötigen Mehrwert und Profit erwirtschaften. Kein Wunder, dass der Autor ein Anhänger von Grundeinkommen und Bürger-Erbschaft. Ein Buch wider der Jammerkultur und des Pessimismus. --Peter Felixberger
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Leben und leben lassen: Die guten Seiten des Verschwendens,
Von Verschwenderin (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Verschwendung - Wirtschaft braucht Überfluss (Gebundene Ausgabe)
Die Stimmung in Deutschland ist mies. Sie ähnelt der eines Menschen auf Entzug. Der Verstand sagt Nein zu Alkohol, Zigaretten oder anderen abhängig machenden Dingen, während die Lust auf das, worauf verzichtet wird, sich ins Unerträgliche steigert. Wer den Entzug durchsteht, ist stolz auf sich, wer der Lust nachgibt und sich gönnt, was ihm das Leben bisher angenehmer erscheinen ließ, fühlt sich erbärmlich, kriegt schlechte Laune, wird aggressiv.Offenbar will die Mehrheit der Bürger in unserem Land nicht verzichten müssen. Nicht auf Urlaub, nicht auf freie Zeit, nicht auf Kinder, nicht auf Arbeit, die Geld bringt – und auch nicht auf Vater Staat, der ihr Leben für sie regelt. Für ein Leben im gemütlichen Sozialstaatsbett verschwenden sie lieber ihre Gesundheit, ihre Freiheit und ihre Fähigkeit, über das, was das Menschenleben ausmacht, nachzudenken. Verschwendung bedeutet für mich, die Gestaltung des eigenen Lebens anderen zu überlassen, sich fremdbestimmen zu lassen von Trends und allgemeinen Meinungen, von dem, was in den Augen anderer Gut oder Böse ist. Verschwendung bedeutet für mich, alt zu werden und sich am Ende eines langen Lebens zu fragen, ob das nun alles war und ob es sich gelohnt hat, ein Leben lang auf all die schönen Dinge zu verzichten – in der Hoffnung, die nachfolgende Generation dankt einem den Verzicht. Mir wären Menschen lieber, die auf ein erfülltes Leben zurückschauen können, statt einsam in den Wartezimmern der Ärzte zu sitzen und darauf zu warten, dass ihnen geholfen wird. „Verschwendung“ von Wolf Lotter ist für mich eines der besten Bücher, die ich seit langem gelesen habe, weil es zum Nachdenken über den Sinn des Daseins, über den Sinn von Vielfalt und Verschiedenartigkeit und über den Unsinn des Sparens, koste es, was es wolle, anregt. Ich habe verstanden, dass wir für unsere nachfolgenden Generationen nichts Besseres tun können, als unsere Zeit dafür zu nutzen, das zu tun, was uns selbst Wohlbefinden beschert. Das beste Erbe, das wir hinterlassen können ist das, keines zu hinterlassen, sondern so gelebt zu haben, dass der Abschied vom Leben nicht schwerfällt. Wie sollen junge Menschen Lust aufs Leben bekommen, Lust aufs geldbringende Arbeiten, Lust auf Kinder, wenn sie nur noch miesepetrigen, schlecht gelaunten, jammernden Erwachsenen begegnen, die ganz offensichtlich darauf verzichten, ihre Kraft in sich selbst zu investieren und etwas gegen ihre traurige Lage zu tun? Eine erwachsene Gesellschaft, die sich nicht gegen die unsägliche Sozialstaatspolitik wehrt und sich dem Staat widerspruchslos ergibt, ist das schlechteste Erbe, das wir hinterlassen können. Kein Kind erwartet von seinen Eltern ein materielles Erbe, aber jedes Kind ist stolz auf Eltern, die zu ihrer Zeit das Richtige getan haben. Sparen um jeden Preis ist in diesen Tagen das falsche Mittel. Sich vor der Macht des Staates zu ducken, ebenfalls. Ich danke Wolf Lotter, dass er mir mit seinem Buch „Verschwendung“ Lust darauf gemacht hat, alle Mittel, die mir zur Verfügung stehen, dafür einzusetzen, ein eigenverantwortliches Leben zu leben – und das schließt Verschwendung im negativen Sinn aus. Denn niemand sägt sich bekanntlich den Ast ab, auf dem er sitzt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Wolf Lotter ist Wirtschaftspoet,
Von
Rezension bezieht sich auf: Verschwendung - Wirtschaft braucht Überfluss (Gebundene Ausgabe)
Wolf Lotter ist Wirtschaftspoet. Er schreibt in seiner für ihn typischen sprachlichen Mischung aus Logik und Lyrik, die man schon aus Brand Eins kennt."Verschwendung" ist selbstverständlich ein Reizwort. Eine Provokation in einer Zeit, in der angeblich die Armen immer ärmer und die Arbeitenden immer arbeitsloser werden, die also von Knappheit an allen Ecken und Enden geprägt ist, besonders was Ideen für die Zukunft betrifft. In solch einer Zeit ist Geiz unglaublich geil, behaupten manche - und verkaufen Ware zu vergleichsweise hohen Preisen Geld und die Menschen damit für dumm. Was ja auch zu funktionieren scheint. Wolf Lotter ist Kapitalist und "Liberaler": er argumentiert richtig für eine Welt der Vielfalt statt einer Welt des "Globalismus", einer Einheitsgesellschaft voller Gesetze, Regel und Normen. Er erkennt richtig das "psychologische Potenzial zu einem solchen Totalitarismus". Er argumentiert für das Ende der Vergeudung, das Ende der Pläne und pro Spontaneität und stetem Wandel. Für das Ende der Zentralisierung, für Sinn statt Regeln, für Hayek's Spontane Ordnung. Und er tut dies in einer Form, die - auch ganz brand eins - selbst der Grünpolitiker verdauen und gutheissen kann, ja sogar dessen Weltbild beizeiten ins Wanken zu bringen vermag oder zumindest Irritationen hervorruft. Wolf Lotter leistet damit einen wichtigen Beitrag, die Idee der Freiheit auch bei jenen zu promoten, die sich vor ihr fürchten und oft in guter Absicht gegen sie arbeiten. Doch ein Wermuthstropfen: leider nimmt Wolf Lotter in seiner Argumentation für die Verschwendung einmal die falsche Abfahrt und landet direkt beim Freibier für alle, dem Grundeinkommen. Das macht das Buch für "Bobos" wahrscheinlich nochmals konsumierbarer, führt aber leider genau zu jener Zentralisierung, gegen die Lotter im späteren Teil des Buches eintritt. Dieser Ausflug ist vergleichsweise kurz, bleibt aber - wie eben so manche Sauftour - heftig in Erinnerung. Daher leider ein Stern weniger. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lotter-Leben,
Rezension bezieht sich auf: Verschwendung - Wirtschaft braucht Überfluss (Gebundene Ausgabe)
Wolf Lotters Essays und Bücher finde ich deshalb so augenöffnend, weil er den Begriffen immer auf den Grund geht und sie von dort aus neu deutet. Schlagworte und -zeilen sagen danach immer viel mehr aus, als deren Protagonisten lieb sein kann. Und umgekehrt. Viel verpöntes wird plötzlich attraktiv.So auch hier: Als Konsensdoktrin für eine neue wirtschaftliche Dynamik in Deutschland gelten Sparsamkeit und Konzentration. Doch Lotter weist nach, dass dies in der Geschichte schon immer der Weg in die Sackgasse war. Man kann sich nicht gesundschrumpfen. Das tut die Natur nicht und kein Unternehmer. Wie mal jemand sagte: An den gerade Linien erkennt man den Tod... Viele Protestanten verabscheuen das natürliche Prinzip der verschwenderischen Kreativität des Ausprobierens und Verwerfens. Und widmen sich der in Wahrheit ergebnislosen Vergeudung ihrer Talente, indem sie sich mit der Vergangenheit beschäftigen. Lotter behält leider immer recht. Deutsche deuten die Zukunft lieber aus der Vergangenheit (dazu fallen mir u.a. die Chartanalysten an der Börse ein.), als sie selbst zu gestalten... Kultprodukte wie den iPod erklären sie mit der (eigentlich verachteten) Irrationalität ihrer "Fan(atic)s". Auf diese Idee kämen sie nie. Aber ihre Berater versuchen stets, den Film rückwärts laufen zu lassen, so dass er immer beim iPod landet. Gott hält der liberale Lotter für einen Boheme, weil er nur sechs Tage an seiner Schöpfung arbeitete und seitdem auf der faulen Haut liege. Mag Jesus noch ein von kreativer Erkenntnis erfüllter "göttlicher" Spirit gewesen sein. Paulus sorgte dafür, dass seine Kirche eine Hochburg ideenloser, engstirniger, missgünstiger Administratoren wurde. Die Hochzeit der ingenialen Unternehmer in Deutschland begann ebenfalls mit inspirierten Erfindern und endet mit drögen Konzernvorständen, die ihre Mitarbeiter erst krankschrumpften, die Potenziale ihrer Mitarbeiter vergeudeten und von diesen heute mehr Innovation fordern. Seine Werbung für eine neue Verschwendungskultur stützt Lotter vor allem auf Darwins Erkenntnis über die Evolution: Das Herausfinden, welche Veränderung die beste Anpassung an die neuen Umstände darstellt, kostet verwenderisches Experimentieren. Geiz, also der bewusste Verzicht auf die entscheidende Variante, kann lebensgefährlich sein. Wer wüsste das besser als Angestellte in einem deutschen Konzern? Innovation ist kaum zu managen. Zu viele sehr erfolgreiche Patente der Geschichte, waren so nicht geplant. Was gemanaged werden kann, sind günstige Randbedingungen, so dass man sich auf unerwartete Gelegenheiten bestens vorbereitet. Vergeuden Sie dieses Buch nicht, in dem sie es an Controller oder MBA-Absolventen verschenken. Verschwenden Sie es lieber an sich selbst. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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