Sehr viele Dinge sterben oft auf ganz brutale Art und Weise. Die drei Cissie Colpitt Frauen (Mutter, Tochter und Enkelin mit dem jeweils gleichen Namen) bringen ihre Männer alle beim Baden um. In der Zinnwanne, im Meer und im Pool. Nach dem Sex oder nachdem dieser verweigert wurde. Ihr Vorteil: Alle drei Frauen haben eine spezielle Beziehung zum örtlichen Leichenbeschauer und verschwören sich mit ihm. Ihr Motiv? Haben wir Frauen etwa ein Privileg aufs Ertränken? Oder ist das die kongeniale Antwort auf die Barbarei der Männer? Viel banaler! Sie ertränken sie, weil sie sich ihrer entledigen wollen. Weil sie ihre ungetreuen Männer einfach nicht mehr mögen und die totgelaufenen Beziehungen nicht mehr ertragen. Ein Leben in Einsamkeit ist ihnen lieber, als ein Dasein tot an der Seite eines inzwischen ungeliebten Mannes zu fristen. Mit Ausnahme der Jüngsten. Sie beseitigt ihren Lover aus reiner Solidarität zu den beiden älteren Damen. So schreiten alle drei andächtig zur Tat. Subtil und ohne Eiseskälte. Denn alle drei weinen auch nach der Tat. Wenn auch nur kurz und ohne Reue. Zunächst läuft alles reibungslos. Aber da ist ja noch der Leichenbeschauer, der bald eine Gegenleistung für sein Schweigen fordert. Und zwei wohlgenährte Detektive tauchen auch noch auf.
Drowning By Numbers (so der englische Originaltitel) durchbricht den Regelwahn und die Normalität auf eine ganz süffisante und rabenschwarze Art und Weise. Denn in diesem Film ist alles durchnummeriert. Nicht nur die Leichen, sondern auch Kühe, Kaninchenställe, die toten Nachtfalter in einem Sammelalbum, Badekappen, einfach alles. In nahezu jeder Einstellung ist eine Zahl mehr oder weniger sichtbar versteckt. Und wenn man sie nicht sieht, dann hört man sie. Etwa wenn ein kleines Mädchen beim Seilspringen die Sterne am Himmel zählt oder ein Traumschloss aus 52 Karten gebaut wird. Aus dem Off erklärt ein ziemlich penetranter Junge andauernd die Regeln von Gesellschaftsspielen. Die Aneinanderreihung von Wortspielen und Zahlenreihen induziert beim Sehen des Films eine beklemmende Befremdlichkeit, die implizit die Frage aufwirft: Was so etwas bedeuten soll? Ein Mordkomplott als vertracktes Rätselspiel? Das Ertränken des Mannes als Flucht vor den monotonen Abläufen des Alltags? Das individuelle Leben als nichtige Facette, dessen Leiden an der Vergänglichkeit für den weiteren Gang der Dinge eigentlich belanglos ist? Und wieso haben alle drei Frauen den gleichen Namen? Ist das etwa ein und dieselbe Frau in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens, aufgefächert in drei Personen? Das Tolle an Peter Greenaways Film ist, dass man in fast jede Szene bedeutungsschwanger irgendetwas hineininterpretieren kann. Der Film ist ein Fest für Verschwörungstheoretiker, die ähnlich detailversessen wie Greenaway jedem beweisen wollen, dass gelogen wird. Die Bilder komponiert er kryptisch, psychedelisch und malerisch als rätselhafte Stillleben, abgefilmt in wunderschönen Einstellungen. Mal barock, wenn der Leichenbeschauer ein opulentes Mahl direkt an der Küste zu sich nimmt. Mal beklemmend, wenn die Mittlere der drei verhängsnisvollen Damen mit eiskaltem Blick in der Dämmerung zur Vollstreckerin wird. Oft sind die Bilder doppeldeutig und tiefgründig. Dass der Regisseur auch Maler und Illustrator ist, ist kaum zu übersehen. Greenaway komponiert seine Bilder immer demonstrativ nach dem Prinzip alter Meister. In "Der Kontrakt des Zeichners" waren dies noch Poussin, La Tour und Gainsborough. Bei "Die Verschwörung der Frauen" standen Breughel und Velazquez als Vorbilder Pate. Die Ziffern 1 bis 100 erweisen sich dabei als willkürliches Strukturprinzip, das als zweideutiges Signal auf eine obskure Allegorie verweist. Sozusagen trügerische Symbolkombinationen, die ähnlich den Buchstaben des Alphabets in Greenaways Kurzfilm "H Is For House" eine inkonsistente Sinnkonstruktion ergeben, die in unterschiedlicher Art und Weise die Position des Betrachters definieren soll. Der Westeuropa-Orkan von 1987 verwüstete mitten in den Dreharbeiten die einzelnen Sets, sodass manchmal die Anschlüsse im Film nicht stimmen. Aber selbst dieser Umstand birgt einen Hauch von Genialität. Denn aufgrund Sacha Viernys hervorragender Kameraarbeit könnte man meinen, dass Greenway auf verschwörerische Art und Weise absichtlich die Veränderungen in sein Vexierspiel eingebaut hat. Der Soundtrack mit seinen schweren Klassikmotiven untermalt perfekt die bitterböse und surreale Handlung. Das harmonische Cast agiert mit sehr viel Verve (Joan Plowright, Joely Richardson, Juliet Stevenson und Bernard Hill). Der Film hat eine geniale und absurde Doppelbödigkeit. Er wird manche begeistern, andere (vor allem Männer) verstören.
Die deutsche Tonspur liegt nur in Mono Dolby Digital vor. Die Englische dagegen in Stereo Dolby Digital. Bildformat ist 1,66:1 anamorph. Die Farbkontraste sind manchmal etwas zu grell. Außer dem Booklet gibt es keine Extras.