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Seinen Höhepunkt erreichte das Verschwörungsdenken in Nazideutschland und in der Sowjetunion. Seitdem hat es an Kraft verloren, aber verschwunden ist es keineswegs. In den letzten Jahren erlebt es sogar einen neuen Boom. Populäre Fernsehprediger wie Pat Robertson gehören zu den eifrigsten Propagandisten, und speziell im Internet sind Verschwörungstheorien auffallend präsent. Neue Themenkreise verbreiten sich Dank der neuen Technik rascher, als dies je möglich war und finden so Eingang in die seriöse Berichterstattung.
Wie also wird die Geschichte des Verschwörungsdenkens weitergehen? Hier bieten sich zwei Deutungen an, eine optimistische und eine pessimistische. In Hinblick auf Westeuropa und die USA neigt Pipes eher der optimistischen Sichtweise zu. Das Verschwörungsdenken bestimmt längst nicht mehr das Handeln von Regierungen und anderen führenden Organisationen. Die Gläubigen beschränken sich auf die äußeren Ränder des politischen Spektrums, während Pipes bei der breiten Masse eine "Rückkehr des gesunden Menschenverstands" zu erkennen glaubt.
In anderen Teilen der Welt sind die Dinge allerdings weniger hoffnungsvoll. In Asien, Afrika und dem Nahen Osten scheint sich das Verschwörungsdenken fest etabliert zu haben. Mit welchen Folgen, ist noch nicht abzusehen.
Daniel Pipes hat keine wissenschaftliche Studie vorgelegt. Sein Buch ist ein Essay zur Rolle des Verschwörungsdenkens in der Ideen- und Geistesgeschichte der westlichen Welt. Es ist der Versuch einer Deutung. Konkrete Fälle von Verschwörungen blendet Pipes weitgehend aus. Er konzentriert sich ganz auf diejenigen Faktoren, die eine wachsende Attraktivität des Verschwörungsdenkens oder sein Abebben erklären können, und kommt dabei zu beunruhigenden Schlußfolgerungen. --Stephan Fingerle
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