"Eine Sauerei ist dieses Buch", empörte sich Herr P. aus L. - "man kann es drehen und wenden wie man will, man findet einfach keine Kehrseite!" Er hatte Recht.
"Schon der Titel eine Entgleisung", bemängelt die Kritik - und trifft den Nagel auf den Kopf.
Und bei einer Sauerei bleibt es so wenig wie bei der einen Entgleisung. Das ganze Buch ist eine Zumutung - für all' diejenigen, die meinen, Gedichte seien entweder hehr oder schwer; für alle, die nicht zwei Bücher gleichzeitig lesen können; für jeden, der glaubt, um Wesentliches zu sagen, brauche man viele Worte; für alle Verächter, Puristen und Reformierer der deutschen Sprache; für alle, die zum Lachen in den Keller gehen und, aus gürtelnah liegenden Gründen, auch für Kinder unter 14 Jahren. Für alle anderen ist es eine Offenbarung. Oder besser: gleich zwei.
Die zwei Bücher in einem handeln von "nüngverdrizlern", einer ganz neuen Gedichtform. In 'Verschmutzte Geduchte' erklärt Autor Ulf Grebe auf wahrhaft anschauerliche Weise, was nüngverdrizler sind und wie man selber welche schreibt: Nüngverdrizler sind poetische Wortspiele aus 18 Silben, verteilt auf vier Zeilen, die der im deutschen Wortschatz versteckten Vieldeutigkeit zu neuen Ehren verhelfen. Sie sparen, ganz wie die altehrwürdigen Gedichte, kein lebenspralles Thema aus und lassen (anders als jene) keinen Versprecher unversucht. 'Verschwitzte Gesichte' ist dazu passend eine inspirierende Sammlung von nüngverdrizlern der ersten Stunde, nebst einiger anderer "kleiner Sauereien". Dieses aberwitzige Büchlein eignet sich für die Gesäßtasche oder für unter der Bettdecke oder für Deutschlehrer mit ganz viel Mut. Wenn es allen so gut gefällt wie uns, wird es der neuen Gedichtgattung schon bald ein hocherfreutes Publikum und dem deutschen Idiom zahlreiche neue Klempner - Verzeihung: Dichter! - bescheren.
Robertus von Hohenlorber, Tina Feilchenbach, DSHU