Wer sich von 'Verschlusssache Jesus' neue Erkenntnisse über Jesus Christus oder Hintergründe zum frühen Christentum erhofft, wird mit ziemlicher Sicherheit enttäuscht werden - doch dann hieße das Buch wahrscheinlich auch '"Alles, was Sie über Jesus Christus wissen wollten"'. Tut es aber nicht. Zugegeben: der deutsche Untertitel ist etwas irreführend, doch das ist schwerlich den Autoren anzulasten. "Verschlusssache Jesus" behandelt genau das, was der Titel verspricht: Hintergrundinformationen dazu, warum wir bis heute nicht wesentlich mehr über Jesus und seine Zeit wissen als das, was die Kirche uns weismachen möchte. Und das, obwohl es offensichtlich interessante Quellen gäbe. In dieser Hinsicht ist 'Verschlusssache Jesus' durchaus sehr empfehlenswert.
Natürlich ruft ein Buch wie dieses, das so stark mit den Dogmen der katholischen Kirche spielt, einige Kontroversen hervor - das kann wohl kaum ausbleiben. So gibt es durchaus kritische Werke, die die Inhalte dieses Buches zu widerlegen versuchen, wobei sich Michael Wörther mit seinem Buch "Betrugssache Jesus" am eifrigsten in die Bresche wirft. Doch auch hier sollte man ruhig etwas weiter recherchieren, denn dann wird schnell klar, dass Michael Wörther als katholischer Theologe wohl schwerlich vollkommene Unvoreingenommenheit für sich beanspruchen kann, was Jesus Christus, das Christentum oder gar mögliche 'Verschwörungstheorien' betrifft und sich somit eventuell nicht in einer idealen Position befindet, eine Kritik an der katholischen Kirche wiederum zu kritisieren.
Obwohl das Buch keine rein wissenschaftliche Abhandlung ist - und dies wohl auch bewusst nicht sein soll - wären mehr Literaturhinweise schön gewesen. So muss man sich quasi 'von Hand' auf die Suche machen. Glücklicherweise beziehen sich die Autoren an vielen Stellen auf andere Wissenschaftler und Schriftsteller, so dass dem Leser zumindest ein Ansatz für eigene Nachforschungen an die Hand gegeben wird. Und die sollten sich für den Interessierten auf jeden Fall lohnen.
Insgesamt ist das Buch sehr spannend und unterhaltsam geschrieben. Wer sich "unterwegs" Notizen macht, hat am Ende jede Menge Material, um sich auf eigene Faust ein Bild zu machen. Selbst wenn das Buch stellenweise recht polemisch ist, bietet es doch einen spannenden Ansatz, das Quasi-Wissensmonopol, das die Kirche auf die Person Jesus Christus erhebt, zu hinterfragen. Und das kann sicher nicht falsch sein.